Verkrachter Surflehrer als Privatdetektiv  Himmel oder Hölle?

Surfer an der Pazifikküste in Oregon
Surfer an der Pazifikküste in Oregon © Holger Moos

Monate des Nichtstuns am Rande der Pleite – dann kommt ein Auftrag, den der selbsternannte Ermittler Caruso nicht ablehnen kann. Die Suche nach einem verschwundenen Surfer auf einer philippinischen Insel ist jedoch alles andere als ein „easy rider“.

Deutsche Krimis gibt es unzählige, das Genre boomt seit Jahren. Vor allem „Regionalkrimis“, die in beliebten Urlaubsgebieten spielen, fluten den Markt und die Verkaufstische der großen Buchhandelsketten. Das Subgenre „Hardboiled“ wird dagegen kaum bespielt. Daniel Faßbender hat nun in seinem zweiten Roman, Heaven‘s Gate eine Story mit einem Privatdetektiv vorgelegt, die vollkommen der Hardboiled-Definition entspricht: spannender Krimi mit einem desillusionierten, zynischen Ermittler in action- und effektreicher Handlung. Faßbender platziert seinen Ermittler Caruso ins warme Wasser des pazifischen Ozeans, Surfer‘s Paradise auf den Philippinen ist ebenfalls ein beliebtes Ferienziel. Womit der Autor zumindest auch die Urlaubssehnsucht von Krimifans zum Fundament seiner rasanten Story gemacht hat.

Faßbender: Heaven's Gate (Buchcover) © Diogenes

Pointierter Stil, lakonische Dialoge

Wie bei den meisten Hardboiled-Krimis trägt auch in Heaven‘s Gate der Sprachstil wesentlich zur Spannung bei. Harte, kurze Sätze beschreiben die Szenen pointiert und eher knapp, die Bilder dazu entstehen wie von selbst im Kopf. Lakonische Dialoge und eine große Portion Sarkasmus machen Ermittler Caruso zum sympathischen Anti-Helden, der natürlich stets an der Grenze zum Scheitern entlang taumelt, mal diesseits und mal jenseits.

Lost in Paradise

Caruso lebt seit einiger Zeit als heruntergekommener Surflehrer und inoffizieller Ermittler auf einer philippinischen Insel. Er braucht Erholung, schließlich ist er als internationaler Surfprofi gescheitert und seine Freundin hat sich von ihm getrennt. Möglicherweise will er auch beides verdrängen. Selten trägt er mehr als angeranzte Boardshorts, fast nie verbringt er einen Tag ohne Drink und natürlich ist er stets pleite. Selbst für seine heruntergekommene Bleibe kann er kaum aufkommen.

Auf genau dieser Insel verschwindet eines Tages der erwachsene Sohn einer reichen Spanierin. Die geht, im Gegensatz zur örtlichen Polizei, nicht von einem plötzlichen und freiwilligen Abtauchen aus, sondern von einem Verbrechen. Und beauftragt folglich Caruso mit der Suche.

Diese Suche hat es in sich – eben ganz nach bester „hardboiled“ Manier. Finstere Russen, wohlmeinende Umweltaktivisten, philippinische Geschäftsleute, korrupte Polizisten, lateinamerikanische Drogendealer und ein deutscher Ex-Boxer, der einst eine echte Kiez-Größe war – Autor Faßbender, selbst Surfer, macht die kleine Insel im Pazifik zu einem brodelnden Hotspot gegensätzlicher Interessen.

In der zweiten Hälfte seines Buches beschleunigt er zudem das Tempo gewaltig, Ermittler Caruso muss quälend viel einstecken sowie immer wieder überraschende und vor allem schmerzhafte Wendungen verkraften.

Die Hölle von Heaven‘s Gate

Während in typischen Urlaubskrimis Ermittlerinnen und Ermittler ihre Fälle gemütlich beim Genuss lokaler Küche, beim Schwätzchen mit dem Pfarrer oder bei Besuchen regionaler Sehenswürdigkeiten lösen, leistet Caruso Schwerstarbeit. Statt die perfekten Wellen in der Bucht namens Heaven‘s Gate zu genießen, steht er immer wieder am Tor zu einer Hölle aus Drogen, Korruption und Mord. Und obwohl die Schauplätze manchmal etwas blass wirken – ein Eindruck, der sich auch bei so mancher Figur fortsetzt – macht das neue Buch von Daniel Faßbender trotzdem Lust auf mehr von diesem hartgesottenen Ermittler.

Daniel Faßbender: Heaven’s Gate. Ein Fall für Caruso
Zürich: Diogenes Verlag, 2026. 304 S.
ISBN: 978-3-257-30118-2
Diesen Titel finden Sie auch in unserer Onleihe.