„Hol' mir mal 'ne Flasche Bier, sonst streik ich hier, und schreibe nicht weiter“, sagte einst der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder. Nicht nur er verspürte Durst: Die Bierliebe der Deutschen ist weltberühmt. Und mit diesem Bierwissen kannst auch Du in Zukunft bei jedem Biergartenausflug mitreden.
O’zapft is!
Wenn es eine Stadt in Deutschland gibt, die weit über die Landesgrenzen hinaus für Bier bekannt ist, dann ist das wohl München. Nur sechs Biere dürfen sich momentan offiziell „Münchner Bier“ nennen. Die Anforderungen? „Münchner Bier stammt ausschließlich aus den Sudhäusern der Münchner Brauereien, deren Braustätten innerhalb der Stadtgrenzen liegen. Ihr frisches Brauwasser gewinnen sie aus eigenen Tiefbrunnen, die bis in die Schichten des Tertiär reichen,“ heißt es auf der offiziellen Seite. Gebraut wird nach dem Münchner Reinheitsgebot von 1487. Die strengen Regeln haben dafür gesorgt, dass „Münchner Bier“ seit 1998 als geschützte geographische Angabe und eingetragene Marke gilt.
Ob in diese Krüge wirklich nur echtes „Münchner Bier“ darf? | Foto (Detail): © picture alliance / SZ Photo | Stephan Rumpf
Kölsch ist Kölsch
Die deutsche Stadt mit den wohl meisten Biersorten und Brauhäusern ist dennoch eine andere: Köln! Auch hier wird das regionale Bier, Kölsch, nach strengen Auflagen hergestellt: Die etwa 24 verschiedenen Kölsch-Sorten werden seit 874 am Rhein hergestellt und dürfen auch nur in der Region Köln gebraut werden. Dadurch darf sich auch das Kölsch mit dem EU-Siegel „geschützte geographische Angabe“ brüsten. Um Frische und Schaumkrone des Bieres zu bewahren, wird Kölsch – im Gegensatz zu anderen deutschen Bieren – in einem 0,2-Liter-Glas serviert, der sogenannten Stange. Achtung: Wenn du dein Kölsch getrunken hast und kein weiteres möchtest, solltest du deinen Bierdeckel auf das leere Glas legen oder die Rechnung verlangen – sonst bringt dir ein Kölner Kellner ungefragt ein weiteres Glas frisch gezapftes Kölsch.
Bei den kleinen Gläsern lohnt es sich, direkt mehrere Biere zu holen. | Foto (Detail): © picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
Paulaner, Augustiner und Co.
Ursprünglich waren es Frauen, die das Brauen übernahmen. Es gehörte, wie Backen und Kochen, zur täglichen Hausarbeit. Sie kochten Wasser ab, um es trinkbar zu machen – Malz und Gewürze sollten für besseren Geschmack sorgen. Der Gärprozess, der den Alkohol produziert, geschah aus Versehen. Trotzdem sind viele deutsche Biere heute nicht nach Frauen, sondern nach berühmten Mönchsorden benannt, wie Paulaner oder Augustiner. Das kommt daher, dass die Geistlichen die Qualität des alkoholischen Getränks deutlich weiterentwickelten. Sie ergänzten unter anderem als erste Hopfen in der Herstellung. Sie hatten Zeit, sich dem Brauprozess intensiv zu widmen – und großes Interesse an schmackhaftem Bier: Während der christlichen Fastenzeit war Essen verboten, doch Bier war erlaubt, denn „Flüssiges bricht das Fasten nicht“. Das nahrhafte Bier, das die Mönche speziell für die Fastenzeit produzierten, bezeichnet man heute noch als …
Fußball-Profi Thomas Müller lässt sich das Bier aus dem Mönchsorden schmecken. | Foto (Detail): © picture alliance / SvenSimon-FC Bayern Muenchen AG | sampics/Stefan MATZKE
Flüssiges Brot
Vor allem auf das traditionelle Starkbier trifft dieser Name zu. Das erste Starkbier, Salvator, wurde von den Paulaner Mönchen gebraut und aus besagten Gründen hauptsächlich zur Fastenzeit getrunken. Starkbier hat eine höhere Stammwürze und somit einen höheren Alkoholgehalt als andere Biere – mindestens 6,5 Prozent. Es schmeckt intensiver, von malzig-süß bis würzig-bitter. Noch heute wird Starkbier hauptsächlich zur Fastenzeit konsumiert, und der Beginn der Starkbiersaison wird in Bayern groß gefeiert.
Zur Eröffnung der Starkbiersaison in Bayern werden traditionell Politiker*innen verspottet – und es wird original Salvator-Bier getrunken. | Foto (Detail): picture alliance/dpa | Sven Hoppe
Die Krüge hoch!
Trotzdem ist nicht das Starkbierfest, sondern das Oktoberfest (die Wiesn) das vermutlich bekannteste Bierfest Deutschlands. Doch es gibt viele Bierfeste über das Münchner Herbstfest hinaus: das Cannstatter Volksfest in Stuttgart als schwäbisches Pendant zur Wiesn, die Berlin Beer Week für Craftbeer-Fans, der Bremer Freimarkt als eines der ältesten Volksfeste Deutschlands oder das größte Schützenfest der Welt: das Schützenfest Hannover, um nur einige zu nennen.
Auf vielen Bierfesten, wie dem Oktoberfest, trink man Bier aus der „Mass“: Ein ganzer Liter Bier passt in das Glas. | Foto (Detail): © picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
Das Pils: Urdeutsch?
Das bekannteste deutsche Bier ist das Pils. Falsch! Tatsächlich kommt die Brauart Pils (Pilsner) aus Tschechien – dem ehemaligen böhmischen Raum. Es wurde nach der Stadt Pilsen benannt, wo es Mitte des 19. Jahrhunderts von einem bayerischen Brauer entwickelt wurde. Trotzdem ist es in Deutschland zum absoluten Klassiker geworden: Mit knapp 50% Marktanteil ist es klarer Marktführer.
Weiß, was gut ist: US-Schauspieler Sean Penn trinkt ein Pils während der Berliner Filmfestspiele. | Foto (Detail): © picture alliance / teutopress | -
Exportschlager: alkoholfreies Bier
Diese Sorte ist die am schnellsten wachsende auf dem deutschen Biermarkt und steht auf Platz 3 der Beliebtheitsskala in Deutschland. Die Geschichte des alkoholfreien Biers startete in der DDR: Das Autofahrerbier, kurz AUBI, entstand 1972 als Antwort auf einen hohen Alkoholkonsum in der DDR. Entwickelt hat es Ulrich Wappler, der sich heimlich mit einem Professor der Universität München traf, wie er im Interview erzählt. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten wurde AUBI über die DDR hinaus zum Erfolg – es wurde sogar nach England und in die USA exportiert.
Nachdem die DDR-Brauerei geschlossen wurde, wird AUBI seit 1998 in einer Privatbrauerei im thüringischen Dingsleben wieder hergestellt. | Foto (Detail): © picture-alliance / ZB | Matthias Bein
Wurstwasser, Diesel, BMW
Manch ein Name der gängigen Biermischgetränke mag unappetitlich klingen, doch sie haben sich flächendeckend durchgesetzt. Der Name „Biermischgetränk“ darf verwendet werden, wenn der Mix mindestens zur Hälfte aus Bier besteht – logisch. Wer mitmischen will, dem sind kaum Grenzen gesetzt: Saft, Limonade oder sogar weiterer Alkohol sind. Der wohl bekannteste Mix ist der von hellem Bier und Zitronenlimonade – Radler oder Alster genannt. Bei Wurstwasser, Diesel und BMW handelt es sich jeweils um Mischungen mit Orangenlimonade, Cola oder Mineralwasser.
Wem die 50-50 Mischung besonders wichtig ist, der kann mit diesem Glas auf Nummer Sicher gehen. | Foto (Detail): © picture-alliance/ dpa | Armin Weigel
Von Bayern in die ganze Welt
Weltberühmt ist auch das Qualitätssiegel für deutsches Bier: das deutsche Reinheitsgebot. Bereits seit 1516 ist mit diesem nicht zu spaßen. Der Kern des Gebots lautet, dass Bier nur aus Hopfen, Malz, Wasser und Hefe bestehen darf. Die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. führten es aus gutem Grund ein: Zuvor wurden gerne giftige Zutaten wie Tollkirschen oder Schlafmohn in der Bierherstellung hinzugefügt. Später wurde das bayerische Gebot in ganz Deutschland übernommen. Wohl bekomm’s!
Wer es vergisst, kann es hier nachschlagen: das Reinheitsgebot für Bier aus dem Jahre 1516. | Foto (Detail): © picture alliance / dpa | Armin Weigel
April 2026