Umwege | Die Schwäbischen Alb und der Schönbergturm  Weißes Wahrzeichen in urzeitlicher Landschaft

Der Schönbergturm bei Pfullingen auf der Schwäbischen Alb - weithin sichtbares Wahrzeichen im goldenen Herbstlicht
Der Schönbergturm bei Pfullingen auf der Schwäbischen Alb - weithin sichtbares Wahrzeichen im goldenen Herbstlicht Foto (Detail): © mauritius images / Manuel Kamuf / imageBROKER

Geformt von tropischem Meer, Vulkanaktivität und Meteoriteneinschlag präsentiert sich die Schwäbische Alb heute als eine der vielfältigsten Landschaften Süddeutschlands. Herausragend: der Schönbergturm.

Es war einmal vor unvorstellbar langer Zeit ein flaches, tropisches Meer. Es bedeckte große Teile des heutigen Europas und beheimatete Wesen, die wir nur aus Mythen und Märchen kennen: Meeres- und Flugsaurier, Riesenlibellen und urtümliche Krokodile. Als sich das Wasser vor vielen Millionen Jahres zurückzog, hinterließ es sanfte Hügel, raue Felsen und ein Geflecht aus Flüssen – so entstand das Gebiet, das wir heute die Schwäbische Alb nennen.

Trotz sichtbarer Eingriffe des Menschen bewahrt die Schwäbische Alb bis heute ihren märchenhaften Charakter. Wasserfälle stürzen über Felskanten, zahllose Höhlen laden zum Erkunden ein. In den tieferen Lagen breiten sich Buchen- und Eichenwälder aus, während die Hochfläche von Wacholderheiden geprägt ist. Die Vielfalt ihrer Biotope macht die Alb zu einem Rückzugsort für seltene Arten: Den Blauschwarzen Eisvogel – einen Schmetterling – findet man an den Hängen des Blautals, Gämsen klettern in den Felsen des Donautals, Reiher und Störche lassen sich in den feuchten Wiesen nieder, die Höhlen gehören zum Reich der Fledermäuse.

Am besten überblickt man die Landschaft vom 26,4 Meter hohen Schönbergturm aus. Der thront am Albtrauf und gilt als Tor zur Schwäbischen Alb. Erreichbar ist er nur zu Fuß – und auch die Aussicht muss man sich verdienen: 108 Stufen führen nach oben. Entworfen wurde die eigenwillige Doppelturm-Konstruktion aus Eisenbeton vom Stuttgarter Architekten Theodor Fischer. Er taufte sein Werk „Triumphbogen des Schönen“. Im Volksmund wird der Turm weniger pathetisch, aber sehr liebevoll „Onderhos“ genannt, weil seine weiße Erscheinung an eine im Winterwind an der Leine gefrorene Unterhose erinnert. Der Aussichtspunkt ist das ganze Jahr über zugänglich, und wenn eine Fahne weht, weiß man, dass auch der Turmkiosk geöffnet hat. 2025 feierte die „Onderhos” ihr 120-jähriges Bestehen!

Wer in die Landschaft eintauchen möchte, tut das am besten auf einem der vielen Wanderwege – etwa auf dem Albschäferweg. Auf 158 Kilometern folgt er den Spuren der Schäfer, die traditionell die Wanderschäferei betreiben. Die Tiere sind die wichtigsten Landschaftspfleger: Sie halten die Heiden offen und bewahren sie vor Verbuschung und Wiederbewaldung. Der Weg passiert die charakteristischen Wacholderheiden und Kalkmagerwiesen, durchquert den Steinheimer Meteoritenkrater und führt an Höhlen vorbei, in denen vor 40.000 Jahren Eiszeitjäger aus Mammutelfenbein Figuren schnitzen. Es lohnt sich, mit offenen Augen zu wandern. Wer genau hinschaut, entdeckt in Kalk, Ton und Mergel vielleicht sogar Spuren des urzeitlichen Meeres.