Umwege | Wuppertaler Schwebebahn  Technisches Wunderwerk über der Stadt

Die Wuppertaler Schwebebahn in der Nähe der Haltestelle Sonnborn, Wuppertal
Die Wuppertaler Schwebebahn schwebt in Richtung Haltestelle Sonnborn Foto (Detail): © mauritius images / Robert Poorten / imageBROKER

Weltberühmtes Wahrzeichen, geboren aus der Not des Verkehrschaos im engen Tal: die Wuppertaler Schwebebahn. Von ihrer Entstehung, der kaiserlichen Jungfernfahrt und einem waghalsigen Elefanten.

Sie ist himmelblau, glänzend und schwebt acht bis zwölf Meter über dem Boden. Gehalten wird sie von einer Konstruktion aus seegrünen Stahlträgern. Else Lasker-Schüler schrieb 1910: “(...) ein Eisengewinde, ein stahlharter Drachen, windet und legt sich mit vielen Bahnhofsköpfen und sprühenden Augen über den schwarzgefärbten Fluss.” Die ursprüngliche Bezeichnung lautete Einschienige Hängebahn System Eugen Langen.  So wurde sie jedoch nie genannt – viel zu lang, viel zu sperrig. Das wusste auch ihr Erfinder. In einem Brief an einen Freund schrieb Langen: „Ich habe das Ding einfach Schwebebahn getauft.“ Und obwohl die Bezeichnung technisch falsch ist – die Bahn schwebt natürlich nicht, sondern hängt –, blieb es bei dem Namen. 

Ende des 19. Jahrhunderts waren die Städte im engen Tal der Wupper zu einem der größten Industriestandorte im Deutschen Reich zusammengewachsen. Die Verkehrswege für Kutschen und Fußgänger reichten nicht mehr aus. Eine U-Bahn konnte nicht gebaut werden – der Boden im Tal ist aus einem der härtesten Gesteine überhaupt. Auch ein breites Straßenbahnnetz kam aus Platzgründen nicht infrage. Die Lösung des Verkehrsproblems fand ein Kölner Maschinenbauingenieur. Eugen Langen entwarf eine Bahn, die nicht auf oder unter, sondern über den Straßen fuhr. Der Bau war noch im Gange, da unternahmen Kaiser Wilhelm ll. und seine Gattin bereits eine Jungfernfahrt, von der beide dann sehr angetan waren. 

Bei der Eröffnung 1901 war die Bahn eine Sensation und galt als technisches Wunderwerk. Balkonartige Bahnsteige, geschwungene Treppen, elegante Stützpfeiler, Ziertürmchen im Jugendstil. Die Wagen waren unterteilt in die Holzklasse für das einfache Volk und die Polsterklasse, für die gehobenere Gesellschaft. Während in den günstigeren Wagen geraucht werden durfte, galt in den teureren ein Rauchverbot. Der Transport von Kinderwagen war bis in die 1960er-Jahre untersagt. Den halbwüchsigen Elefanten Tuffi vom Zirkus Althoff hingegen ließ man zu Werbezwecken mitfahren, was zu einem Debakel führte. Tuffi, durch die ungewohnte Situation und das Schaukeln nervös geworden, sprang durch eine Seitenwand des Zuges und landete in der Wupper. 

Der etwa 13 Kilometer lange Abschnitt ist unterteilt in eine Land- und eine Wasserstrecke. 
Die Bahn schwebt von Ost nach West und umgekehrt durch das Wuppertaler Stadtzentrum, passiert den Zoo und den Alten Markt, schwebt am Hauptbahnhof vorbei und an dem Fluss Wupper entlang. Die ganze Strecke dauert eine halbe Stunde, umfasst 20 Stationen und kann sogar mit dem Deutschlandticket genutzt werden. Das Ensemble aus Bahnhöfen und Brücken mit ihrer nackten Tragekonstruktion lockt Touristen aus der ganzen Welt an. Bis heute ist sie das Wahrzeichen der Stadt und eines der bekanntesten Verkehrsmittel der Welt. Falls man während der Fahrt vergessen sollte, dass man gerade schwebt, wird man von Schildern in den Stationen erinnert: „Vorsicht beim Ein- und Aussteigen! Wagen pendelt!“ 

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