Was bringt einen Menschen dazu, auf Fleisch zu verzichten? Und wie lebt man mit dem Wissen, dass Tiere auf der ganzen Welt leiden, während der Großteil der Gesellschaft ihr Leiden nicht wahrnimmt? Der Weg zum Verzicht auf Fleisch kann vielfältig sein. Was hat den Fitnesstrainer Pavel Houdek zum Veganismus geführt, und was bedeutet es für ihn, in einer Welt zu leben, in der das Leiden von Tieren nach wie vor ein alltäglicher Bestandteil des Lebens ist?
Pavel Houdek
Gründer des Vereins Vegan sport club
Erinnern Sie sich an einen bestimmten Moment oder einen Auslöser, als Sie sich gesagt haben, dass Sie kein Tierfleisch oder andere tierische „Produkte“ mehr essen wollen?
Ja. Mir fiel damals ein Flugblatt der Organisation Svoboda zvířat (Freiheit der Tiere) in die Hände, in dem das Leben eines Kalbs aus der Massentierhaltung beschrieben wurde – aus dessen Perspektive in der ersten Person. Es begann ungefähr so: „Ich fiel aus meiner Mutter heraus auf einen kalten Metallrost, und man führte mich sofort von meiner Mutter weg, während ich ihr verzweifeltes Muhen hörte.“ Die Geschichte endete in dem Moment, als das Kalb zum ersten Mal in seinem Leben die Sonne sah – auf dem Weg zum Schlachthof. Ab dem nächsten Tag hörte ich auf, Fleisch zu essen, da mir sofort klar war, dass Vegetarismus nicht ausreicht, dass er immer noch den Tod bedeutet, und ich wandte mich dem Veganismus zu.Was fällt Ihnen am schwersten am Leben mit einer erhöhten Sensibilität dafür, wie die Menschheit mit der Natur und nichtmenschlichen Lebewesen umgeht?
Nach einem Vierteljahrhundert als Veganer sehe ich heute eher praktische Hindernisse. Zum Beispiel, dass ich, wenn ich in die Berge fahre, mein gesamtes Essen mitnehmen muss oder mich auf die wenigen Lokale beschränken muss, die vegane Gerichte anbieten. Dass ich, wenn ich irgendwo unterwegs bin und Hunger bekomme, quer durch die halbe Stadt fahren muss – im besseren Fall in ein Restaurant, im schlimmeren Fall in einen Supermarkt –, während meine nicht-veganen Freunde einfach in die erste Kneipe gehen und dort etwas essen. Das ist immer noch schwierig und sehr einschränkend.Glauben Sie, dass wir jemals ein Ende des Leidens der Tiere und der Zerstörung der Natur erleben werden? Und was würde Ihrer Meinung nach am meisten zu einer solchen Wende beitragen?
Ich glaube daran und denke, dass ich das noch erleben werde. Es steht außer Frage, dass sich das Verhältnis der Menschen zu Tieren im Laufe der Zeit verbessert; Vegetarismus ist heute im Grunde weitestgehend akzeptiert, und auch im Mainstream wird Veganismus nicht mehr als „gesundheitsschädliche Ernährungsweise“ bezeichnet, sondern es wird ganz ernsthaft darüber diskutiert, ob er besser für die Gesundheit ist oder nicht. Dieser Fortschritt ist nicht aufzuhalten.Die Veröffentlichung dieses Artikels ist Teil von PERSPECTIVES – dem neuen Label für unabhängigen, konstruktiven, multiperspektivischen Journalismus. JÁDU setzt dieses von der EU co-finanzierte Projekt mit sechs weiteren Redaktionen aus Mittelosteuropa unter Federführung des Goethe-Instituts um. >>> Mehr über PERSPECTIVES
September 2026