Rentnerinnen im Krieg  „Wir würden blind stricken, nur damit der Sieg bald kommt“

Ludmyla Stelmach und ihre Freundinnen bei der Arbeit.
Ludmyla Stelmach und ihre Freundinnen bei der Arbeit. Foto: © Vira Lapa

In der ukrainischen Kleinstadt Horodok in der Region Chmelnyzkyj treffen sich seit zwei Jahren jede Woche freiwillige Helferinnen, um für die ukrainischen Streitkräfte Socken zu stricken und Kissen zu nähen. Jede Frau hat ihre eigene Geschichte, aber alle eint der Wunsch, sich dem Kampf gegen den russischen Aggressor anzuschließen.

Sie nennen sich scherzhaft den Club der Sockenstrickerinnen für die ukrainischen Streitkräfte. Freundinnen, Nachbarinnen, ehemalige Lehrerinnen der örtlichen Schule – alle im Ruhestand. Als der Krieg begann, beschlossen sie, nicht untätig zu bleiben. Sie kamen auf die Idee, Socken für Militärangehörige zu stricken und kleine Kissen für sie zu nähen. Im Laufe der letzten zwei Jahre gelang es ihnen, 500 Paar Socken und fast 500 Kissen an die Front und in ein örtliches Krankenhaus zu schicken.
 
Jede Woche treffen sich die Frauen in einer kleinen Wohnung, nicht nur um zu arbeiten, sondern auch um sich gegenseitig zu unterstützen. Der Krieg hat alle betroffen – einige von ihnen haben ehemalige Schüler, die kämpfen oder gefallen sind, andere haben Neffen, Enkel, Nachbarn, die an der Front sind oder vermisst werden. Sie teilen sowohl den gemeinsamen Schmerz über den Verlust und die Angst, aber auch die Freude darüber, dass sie wie alle anderen Ukrainer*innen, die auf unterschiedliche Weise zum ersehnten Sieg etwas beitragen, schaffen, helfen und sich als Kämpfer*innen fühlen können.

Die Frauen fertigten die Kissen zunächst aus eigenen Stoffen, sammelten alte Decken von Freund*innenen und kauften die Füllung in einem Second-Hand-Laden. Später versorgten sie Freiwillige kostenlos mit dem Material. Horodok-Socken und -Kissen sind an der Front, in Unterständen, Schützengräben und in der Nachhut bekannt. Auf Wunsch von Freiwilligen aus dem Chmelnyzkyj-Krankenhaus haben sie auch mit der Herstellung von „Cyborgs“ (Unterwäsche mit Klettverschluss) genannten adaptiven Männerunterhosen für schwer verwundete Soldaten begonnen. Die Frauen haben bereits einige Testmodelle genäht und sind sich sicher, dass weder Alter noch Gesundheitszustand sie davon abhalten werden, den Soldat*innen weiterhin zur Seite zu stehen. Sie sind überzeugt: „Der Sieg kann nur dann schneller errungen werden, wenn jeder seinen Beitrag leistet.“
 

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