Künstlerischer Diskurs (De-)Koloniale Filmarchive

Die Filmemacher Fradique aus Angola und Didi Cheeka aus Nigeria bei einer Podiumsdiskussion zu (de-)kolonialen Filmarchiven in der Culturgest in Lissabon. Im September 2019 organisierte das Goethe-Institut Portugal eine Veranstaltungsreihe aus Podiumsdiskussion, Workshop und begleitenden Filmsessions zum Umgang mit Filmmaterial aus kolonialem Kontext im Rahmen des internationalen Projektes „Alles vergeht, außer der Vergangenheit“.
Die Filmemacher Fradique aus Angola und Didi Cheeka aus Nigeria bei einer Podiumsdiskussion zu (de-)kolonialen Filmarchiven in der Culturgest in Lissabon. Im September 2019 organisierte das Goethe-Institut Portugal eine Veranstaltungsreihe aus Podiumsdiskussion, Workshop und begleitenden Filmsessions zum Umgang mit Filmmaterial aus kolonialem Kontext im Rahmen des internationalen Projektes „Alles vergeht, außer der Vergangenheit“. | Foto (Detail): © Bruno Castro
  • 01. September 2019 — 31. Dezember 2021

  • Kultur der Erinnerung, Dekolonisierung, Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit

  • Lissabon (Portugal)

Das Projekt „(De-)Koloniale Filmarchive“ setzt sich für die Öffnung von Filmarchiven ein, die Material aus kolonialen Kontexten besitzen. Dazu ist eine interaktive Karte entstanden, die im Internet Standorte mit Geodaten, Informationen zu den Archiven, Bilder sowie Kontaktdaten zur Verfügung stellt. Größtenteils handelt es sich um europäische Archive, in denen heutzutage Filmmaterialien verwahrt werden, die in kolonialen Kontexten entstanden sind.

Filmdokumente in der Ästhetik selbstverherrlichender Darstellung der Kolonialisten und herabwürdigender Aufnahmen der von ihnen kolonisierten Menschen: Dieses Erbe des Kolonialismus ist deutlich weniger präsent als die Sammlungen von Museen, deren Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit sich in vielen europäischen Ländern auf den Umgang mit ethnologischen Artefakten und auf die Frage der Restitution der geraubten Objekte konzentriert.

Wem gehören diese Filmmaterialien aus kolonialen Kontexten? Wie und wem sollten sie zugänglich gemacht werden? Welche Folgen haben die Strukturen, die Geheimhaltungen oder Öffnungen solcher Archive für unsere kollektive und nationale Erinnerung? Zu diesen Fragen organisierte das Goethe‑Institut Portugal im September 2019 in Lissabon eine Veranstaltungsreihe, die aus Podiumsdiskussion, Workshop und begleitenden Filmsessions im Rahmen des internationalen Projektes Alles vergeht, außer der Vergangenheit bestand.

15 Film‑ und Archiv‑Expert*innen, Aktivist*innen und Kunstschaffende aus Ägypten, Angola, Deutschland, Ghana, Großbritannien, Guinea‑Bissau, Kongo, Mosambik, Nigeria und Portugal diskutierten die Strategien von Filmarchiven. Dabei ging es auch um die oft prekäre Situation von Filmarchiven in den ehemals kolonisierten Ländern und neue Wege, um sogenannte Gegenarchive zu entwickeln.

Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der künstlerisch-diskursiven Auseinandersetzung mit kolonialem Archivmaterial als Zeugnis einer Vergangenheit, die in den Bildarchiven der Regionen gegenwärtig bleibt, respektive mit dem Filmmaterial, das aus der Perspektive der Befreiungsbewegungen entstanden ist. Daraus entstanden sind mehrere konkrete Projekte, die sich teilweise noch in der Umsetzung befinden, darunter Filme, die interaktive Karte, die die lokale Verortung solchen Materials aufzeigt, und ein Call for action zur Öffnung der Filmarchive.