Erinnerungskultur Multidirektionales Erinnern im Praxistest

Zusammen mit Institutionen und Initiativen werden die Möglichkeitsräume aktueller Erinnerungs- und Gedenkarbeit betreten.
Grafik: © EL BOUM
  • 01. September 2021 — 31. Dezember 2022

  • Kultur der Erinnerung, Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit

  • München (Deutschland); Berlin (Deutschland); Hamburg (Deutschland)

Zusammen mit Institutionen und Initiativen werden die Möglichkeitsräume aktueller Erinnerungs- und Gedenkarbeit betreten und getestet, inwiefern multidirektionales Erinnern als Konzept hilfreich ist. In zunächst drei Veranstaltungen kommen jeweils zwei Personen aus Museen sowie Gedenk- und Erinnerungsstätten über ihre Arbeit und die vielfältige Positionen des Erinnerns und Gedenkens, die sie dort verhandeln, ins Gespräch.

Im Februar 2021 ist die deutsche Übersetzung des Bands Multidirectional Memory. Remembering the Holocaust in the Age of Decolonisation von Michael Rothberg, Professor für Holocaust‑Studien und vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California, erschienen. Rothberg geht darin der drängenden Frage nach der gleichzeitigen Existenz von Erinnerungen an verschiedene schmerzhafte Perioden in der Geschichte einer Nation nach.
 
Ist die nationale Erinnerung ein Nullsummenspiel und werden damit Erinnerungskonkurrenzen unausweichlich oder gibt es mit dem multidirektionalen Erinnern auch die Möglichkeit einer anderen, produktiven Perspektive? Wie brauchbar sind Rothbergs Überlegungen zum Erinnern, das multidirektional und vielgeschichtet gedacht und praktiziert wird, für die institutionelle Gedenkarbeit im deutschen Kontext?


Erinnern multidirektional aushandeln
30. September 2021, 18:00–19:30 Uhr MEZ, digital, mit Übersetzung in deutsche Gebärdensprache

Wie kann Gedenk- und Erinnerungsarbeit aussehen, die sich multiperspektivisch versteht und an Diversität orientiert? In welchem Verhältnis stehen dabei institutionelle Strukturen und Communitys? Welche Positionen und Perspektiven werden wirkmächtig und welche Bedeutung hat multidirektionale Erinnerung in diesem Kontext? Über diese und weitere Fragen kamen Natalie Bayer (FHXB Friedrichshain‑Kreuzberg Museum) und Susann Lewerenz(KZ‑Gedenkstätte Neuengamme) ins Gespräch über Erinnerungs- und Gedenkarbeit. Es moderierte Regina Sarreiter (Goethe‑Institut).

Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit dem FHXB Friedrichshain‑Kreuzberg Museum und der Reihe „Verflechtungen: Rassismen und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart“ der KZ‑Gedenkstätte Neuengamme in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg statt.

Erinnerung – Anerkennung oder Unbehagen?
21. Oktober 2021, 19:00 Uhr, im NS-Dokumentationszentrum München und mit Online-Livestream

Die Geschichte der Ermordung von Menschen mit Behinderung und der Zwangssterilisierung durch die Nazis hatte bis vor kurzem kaum Platz im öffentlichen Gedächtnis. Dabei waren und sind Tausende Familien betroffen, und Angehörige wissen zum Teil bis heute nicht, was wirklich geschah. Wie gehen Institutionen mit dieser Verantwortung um, und wie kann Erinnerung bewahrt und Gedenken gestaltet werden, auch hinsichtlich des Endes der Zeitzeugenschaft?

Diesen Fragen widmet sich ein Panel mit Prof. Dr. Peter Brieger (Ärztlicher Direktor des kbo‑Isar‑Amper‑Klinikums München), Dr. Mirjam Zadoff (Direktorin des NS‑Dokumentationszentrums München) und Margret Hamm (ehemalige Geschäftsführerin des Bundes der „Euthanasie“‑Geschädigten und Zwangssterilisierten). Es moderiert Shoshana Liessmann (Goethe‑Institut).

Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache und in Zusammenarbeit mit dem NS‑Dokumentationszentrum München statt. Sie können physisch im NS‑Dokumentationszentrum an der Veranstaltung teilnehmen oder per Livestream verfolgen.

 

Projektpartner

FHXB Museum Berlin 
KZ-Gedenkstätte Neuengamme
NS-Dokumentationszentrum München 
Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst