Die portugiesische Geheimpolizei während der Kolonialzeit in Mosambik Erinnerung hat mehrere Kapitel

Inadelso Cossa im Interview
Inadelso Cossa im Interview | © Goethe-Institut

Der mosambikanische Regisseur Inadelso Cossa drehte 2016 einen Dokumentarfilm, der sich mit den Opfern und Täter*innen der PIDE, der portugiesischen Geheimpolizei während der Kolonialzeit in Mosambik, auseinandersetzt. „Uma memória em três atos“ (Eine Erinnerung in drei Akten) ist eine, wie er es nennt, postkoloniale Erinnerungsübung.

Von Teresa Althen

Ausgangspunkt des Films ist die Erfahrung der jungen Generation in Mosambik, dass dieser Teil ihrer Geschichte nicht gelehrt wird. Inadelso Cossa begann mit der Recherche und erfuhr, wie schwierig der Zugang zu dem entsprechenden Archivmaterial ist. Beides ist für den Regisseur symptomatisch für den Umgang seines Landes mit der Vergangenheit: Eine Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus wird nicht gefördert, Archivmaterial ist für die Öffentlichkeit kaum einsehbar. Schulen lehren lediglich die klassische Erzählung des großen Befreiungskampfes. „Wenn man erwachsen wird, erkennt man, dass es verschiedene Geschichten gibt, die nicht zu dieser gelehrten Wahrheit passen. Man muss sehr viel graben und kämpfen, um wahre Geschichte zu erfahren.“ Cossas Film baut deshalb weitgehend auf Aussagen der Betroffenen auf und verdankt seine Intensität der mündlichen Zeugnistradition.

Für Cossa ist es zugleich Herausforderung und Verantwortung, die Geschichten seines Landes zu bearbeiten: Wie kann ich Erinnerung mithilfe von Material hervorrufen, das für Propagandazwecke verwendet wurde? Wie kann ein*e Filmemacher*in es verwenden, um die Geschichte eines ganzen Landes, einer ganzen Generation zu erzählen? Der Regisseur will mit Uma Memória em Três Atos Brücken bauen und Wunden heilen – und hofft, dass in seinem Land noch viele Filme über die Vergangenheit folgen werden.
 
 
(DE-)KOLONIALE FILMARCHIVE

Filmmaterial, das in kolonialen Kontexten entstanden ist, wird größtenteils in europäischen Archiven verwahrt. Nur ein Bruchteil dieses Materials entstand aus der Perspektive der Kolonisierten selbst. Wem gehört dieses Material? Wie und wem sollte es zugänglich gemacht werden? Warum werden einige dieser Archive dem Verfall überlassen und was kann man dagegen tun? Erfahrungsberichte und Visionen von Expert*innen.