Martin Heidegger oder Die Unheimlichkeit des Fernblicks

Das Alemannische des süddeutsch-badischen Raumes prägte den Menschen Heidegger ebenso wie den Philosophen. Freiburg war das Zentrum seiner akademischen Karriere, der Feldberg das Refugium des eigenbrödlerischen und gewissenhaften Denkers.
Kaum ein anderer Denker ist so sehr mit seiner Heimat verbunden wie Martin Heidegger. Bei kaum einem anderen sagt der Verweis auf den biographischen Hintergrund und die Landschaft, in der er lebte und arbeitete, so viel aus wie bei Heidegger. Heideggers Philosophie hat einen Ort: den Schwarzwald.
Es gibt gar nicht mal so viele echte Wendepunkte in der Geschichte der Philosophie, Punkte, an denen etwas wirklich Neues in die Geistesgeschichte hineingeboren wird. Der deutsche Philosoph Martin Heidegger (1889-1976) markiert einen solchen Punkt. Als 1927 sein Buch Sein und Zeit erscheint, wird der etwas sonderbare Mann mit ausgeprägter Vorliebe für Trachten und Volkslieder schlagartig berühmt. Schon damals verstehen viele, dass hier ein ungewöhnliches Denken neue Wege beschreitet – heute gilt Sein und Zeit als eines der wichtigsten Werke der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Worin bestand das Neue?
Die Frage nach dem Sein
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Heidegger-Hütte |
Die Hütte ist mit Holzbänken und -betten spartanisch eingerichtet, Wasser wird aus einem nahe gelegenen Brunnen geholt.
Heidegger stellt sich eine der ältesten Fragen der Philosophie: die Frage nach dem Sein. Was ist gemeint, wenn wir sagen, dass etwas "ist", dass Berge und Täler "sind"? Und was für eine Art von Sein ist das menschliche Sein, das sich von allen anderen (irdischen) Seinsarten dadurch unterscheidet, dass es nach sich selbst fragen kann? Und wodurch wird dem Menschen das Sein zugänglich, nach dem er fragt? Die Philosophie hat für diese Fragen eine eigene Disziplin, die sogenannte Ontologie, die "Lehre vom Sein". Diese hat von Aristoteles über Descartes bis hin zu Kant Antworten immer darin zu geben versucht, dass, grob gesagt, über bestimmte Ich-Welt- oder Subjekt-Objekt-Verhältnisse theoretisiert wurde. Genau dies ist bei Heidegger anders. Denn er begreift das menschliche Dasein konkret als dasjenige Sein, das sich selbst in der eigenen Zeitlichkeit als "vorhanden", als "schon da" erfährt. Er sagt, dass es eine ganz ursprüngliche "Befindlichkeit" ist, in der das menschliche Dasein Zugang zu sich selbst findet; nämlich die Angst. Und diese, so Heidegger, stehe gleichsam am Fundament des Seins, ohne dass irgendwelche Aussagen über Subjekt-Objekt-Verhältnisse oder verschiedene Geisteskategorien notwendig wären.
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Feldberg und Feldsee |
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Titisee und Feldberg |
Um im Bild des schwermütigen Gelehrten zu bleiben, der in der Einsamkeit seiner Berghütte über das Sein nachdenkt: Der ferne Blick in die Weite der Berge vermittelt dem Betrachter ein Gefühl des Unheimlichen, ein Gefühl der Angst. Hier erfährt Heidegger die "Nichtigkeit" seiner eigenen Existenz. Er begreift, dass sich das "Sein" von Bergen und Tälern einem menschlichen "Dasein" vermittelt, das immer schon irgendeine Form von Seinsverständnis hat und haben muss, bevor es die Frage nach dem Sein überhaupt stellen kann.
Das "In-den-Schwarzwald-geworfen-Sein"
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Schlechtbach |
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Martin-Heidegger-Panoramaweg |
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Blick auf Todtnau |
Die Sprache der Heidegger'schen "Fundamentalontologie" bleibt auf Jahrzehnte hin vorherrschend in den Geisteswissenschaften, viele Gedankengänge und Formulierungen tauchen später fast deckungsgleich im französischen Existentialismus wieder auf. Nach dem Krieg zieht sich Heidegger immer häufiger in "seine Hütte" zurück. Er bekennt: "Meine ganze Arbeit [...] ist von der Welt dieser Berge und ihrer Bauern getragen und geführt." Fast alle Werke des späteren Heidegger entstehen in Todtnauberg.
Martin Heidegger stirbt 1976 in Freiburg. Das Unheimliche des Heidegger’schen Fernblicks ist heute touristische Attraktion: In Todtnauberg wurde im Jahr 2002 ein 6,4 km langer "Martin-Heidegger-Panoramaweg" eingeweiht, der direkt an der "Heidegger-Hütte" vorbeiführt.
Nach seinem Studium der Philosophie arbeitet er als freiberuflicher Publizist mit den Schwerpunkten Philosophie, Literatur, Geschichte
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März 2007















