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Deutschland war Ehrengast auf der Internationalen Buchmesse in Turin 2015

© © Frankfurter Buchmesse / Fabio Melotti

Keine Angst vor deutscher Literatur: Italien bereitete Autoren, Illustratoren und Verlagen auf dem Salone Internazionale del Libro di Torino eine grosse Bühne.

Deutschland war 2015 zum ersten Mal Ehrengastland auf der internationalen Buchmesse in Turin / 23 deutsche Autoren, 43 Verlage, 53 Veranstaltungen in 5 Tagen, rund 300.000 Besucher am deutschen Stand / Eine Nachlese.

Eine gelungene Premiere für Deutschland und für zahlreiche deutsche Verleger: Auf dem 28. Salone Internazionale del Libro Torino (14.-18. Mai 2015) war Deutschland erstmalig als Ehrengast eingeladen. Organisiert wurde der Auftritt von der Frankfurter Buchmesse in Kooperation mit den Goethe-Instituten in Italien und mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes.

23 Autoren folgten der Einladung der Veranstalter nach Turin und genossen die Begegnung mit italienischen Autoren, Journalisten, Verlegern – und nicht zuletzt den begeisterten Lesern, die zu Hunderten in die Säle und zu den Veranstaltungen am Stand strömten. Insgesamt 53 Fachgespräche, Diskussionen, Signierstunden und Workshops fanden an fünf Tagen im Rahmen des Ehrengastprogramms statt und zogen 10.000 Besucher an. Die Sala Gialla, mit 600 Plätzen der größte Veranstaltungsraum der Turiner Messe, füllte sich bei der Begegnung zwischen Günter Wallraff und Roberto Saviano bis auf den letzten Platz. Die Auftritte Daniel Kehlmanns, Jennifer Teeges, Katja Petrowskajas, Jan Assmanns und Peter Sloterdijks und die Podiumsgespräche und Illustratorenworkshops am Deutschen Stand zogen ebenfalls Besuchermassen an.

Porträts der deutschen Gäste

(bitte anklicken, um die Biografien zu öffnen)
  • Nadia Budde
  • Stefanie de Velasco
  • Giovanni Di Lorenzo
  • Ulrike Edschmid
  • Sebastian Fitzek
  • Markus Gabriel
  • Daniel Kehlmann
  • Isabel Kreitz
  • Dalibor Markovic
  • Joachim Meyerhoff
  • Katja Petrowskaja
  • Frank Schätzing
  • Lutz Seiler
  • Wolfgang Streek
  • Jennifer Teege
  • David Wagner
  • Günter Wallraff
  • Volker Weidermann
  • Friedrich Ani
  • Jan Assmann
  • Michael Krüger
  • Axel Scheffler
  • Ingo Schulze
  • Peter Sloterdijk
  • Monika Zeiner

„Das Interesse der italienischen Leserinnen und Leser an deutscher Gegenwartsliteratur ist überwältigend“, resümiert Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. „Der Salone del Libro ist die wichtigste Buchmesse in Italien. Der vom Goethe-Institut und der Frankfurter Buchmesse kuratierte Gastlandauftritt hat enorm dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen den italienischen und deutschen Verlagen zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen. An fünf Tagen konnte sich das italienische Publikum einen hervorragenden Überblick verschaffen über deutsche Schriftsteller und ihre Themen.“

Gabriele Kreuter-Lenz, Institutsleiterin am Goethe-Institut Rom und Länderleiterin Italien, sagt: „Der Salone del Libro in Turin bot eine hervorragende Plattform, miteinander zu kommunizieren, sich zu informieren, Geschäftsbeziehungen aufzubauen und Freunde zu finden. Das Motto der Turiner Buchmesse war ‚le meraviglie d'Italia‘ – die Wunder Italiens. In den fünf erfolgreichen Messetagen ist es uns gemeinsam mit der Frankfurter Buchmesse gelungen, auch die meraviglie Deutschlands zu zeigen und mögliche Klischees zu hinterfragen.“

© Frankfurter Buchmesse / Fabio Melotti

Bärbel Becker, Leiterin Internationale Projekte & Kooperationen bei der Frankfurter Buchmesse und verantwortlich für den Deutschen Stand: „An unseren erfolgreichen Auftritt in Turin wollen wir im kommenden Frühjahr als Ehrengast der Kinderbuchmesse in Bologna (4.-7. April 2016) anknüpfen. Auch in Bologna hoffen wir, das italienische Publikum in den Bann zu ziehen mit unseren Autoren und Illustratoren.“

Buchpreisträger Lutz Seiler, dessen Roman Kruso in zwanzig Ländern verkauft wurde, sagt: „Die erste Übersetzung von Kruso ist soeben in Italien erschienen. Deshalb war der deutsche Auftritt in Turin für mich ein guter Anlass, meine Freunde von Del Vecchio zu treffen, meinem italienischen Verlag, der schon meine Gedichte und Erzählungen veröffentlicht hat. Es ist schön, zu sehen, dass gerade diese kleineren, unabhängigen Verlage Bücher machen aus Leidenschaft, und sie haben keine Angst vor deutscher Literatur.“

© Frankfurter Buchmesse / Fabio Melotti

„Diese Messe war besonders, weil so viele deutsche Autoren da waren und man Gelegenheit hatte, sich außerhalb der üblichen Spots zu treffen“, sagt Marcel Hartges, Verleger des Piper Verlags. „Der Deutsche Gastlandauftritt und die Partnerschaft mit dem Salone del Libro stärkt das Image der deutschen Verlage und der deutschen Autoren nachhaltig, und er macht die Öffentlichkeitsarbeit leichter.“

„Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Verleger, mit denen ich gesprochen habe, ein gestiegenes Interesse an deutschsprachiger Gegenwartsliteratur haben“, sagt Helge Malchow, Verleger des Kiepenheuer und Witsch Verlags, aus dessen Haus sechs Autoren nach Turin eingeladen waren. „Und der Deutsche Stand war regelrecht eine kleine Theaterbühne, hier herrschte ein kreatives, schönes Gewimmel.“

„Ich bin ich sehr glücklich über den Deutschen Stand und ich habe von den italienischen Verlegern und Agenten sehr viel Positives darüber gehört“, sagt Dr. Susanne Müller-Wolff vom Wagenbach Verlag. „Für uns war es ein wunderbarer Effekt, zum 50. Jubiläum des Wagenbach Verlags eine kleine Ausstellung hier am Stand zeigen zu können. Wir haben seit vielen Jahren sehr gute Beziehungen nach Italien, und gerade jetzt ist es uns wichtig, Kontakte zu pflegen und zu Nähe zu zeigen.“

© Frankfurter Buchmesse / Fabio Melotti

Die am Deutschen Gastlandpavillon vertretene Turiner Buchhandlung Luxemburg hielt rund 1000 Titel in deutscher und italienischer Sprache vor. „Die Nachfrage nach deutscher Literatur ist sehr groß“, bestätigt auch der Inhaber der Buchhandlung, Gigi Raiola. „Wir mussten während der Messe mehrmals Nachschub bei den italienischen Verlagen holen.“

Der auf Interaktion ausgelegte Stand erfreute sich großer Beliebtheit beim Publikum. Wesentlicher Bestandteil des Standkonzeptes waren die Letteratorri, fünf Türme. Hier waren Zitate von Jan Assmann, Markus Gabriel und Joachim Meyerhoff angebracht, die das Motto des Salone del Libro aufgriffen, „Le meraviglie d’Italia“ („Die Wunder Italiens“). Die Besucher waren eingeladen, die Zitate der Schriftsteller zu ergänzen. Ihre oft poetischen, witzigen und überraschenden Ideen und Gedanken wurden per Livestream am Stand ausgestrahlt. Insgesamt 550 Kommentare entstanden auf diese Weise. Diese Aktion wurde unterstützt von Scuola Holden, der von Alessandro Baricco gegründeten Schule für junge Autoren in Turin.

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