Auftakt zum Mord 1

Schwanengesang

von Andreas Hoppert

Copyright © 2012 Grafit Verlag, Dortmund

Der Anwalt Marc Hagen ist gegen seinen Willen in einen Mordfall verwickelt und die einzige Person, die ihm helfen kann, ist verschwunden.



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Es lief nicht gut. Es lief sogar überhaupt nicht gut. Der Staatsanwalt hatte sich gerade wieder gesetzt und Marc warf dem neben ihm sitzenden Angeklagten einen raschen Blick zu. Allerdings schien sein Mandant gar nicht mitzubekommen, was um ihn herum passierte. Der Mann war Anfang zwanzig, spindeldürr, hatte einen Ziegenbart, stank wie ein Iltis und litt offensichtlich unter starken Entzugserscheinungen: Seine Pupillen waren riesig, die Hände zitterten unkontrolliert, die Nase lief und die Augen tränten. Außerdem schien er gleichzeitig zu schwitzen und zu frieren, denn auf seinen blassen, tätowierten Armen hatte sich über einer extremen Gänsehaut ein Schweißfilm gebildet. Ein anderer Verteidiger hätte wahrscheinlich eine Vertagung wegen Verhandlungsunfähigkeit beantragt, aber Marc wollte diese Sache genauso schnell vom Tisch haben wie alle anderen Beteiligten. »Herr Hagen, wenn ich dann auch um Ihr Plädoyer bitten dürfte«, wurde er von der Stimme des Vorsitzenden aus seinen Gedanken gerissen. »Selbstverständlich, sofort«, antwortete Marc und fügte in Gedanken hinzu: Sobald ich auch nur die geringste Ahnung habe, was ich sagen soll. Er spürte, dass in diesem Moment alle Blicke auf ihn gerichtet waren: die des Vorsitzenden, die des Staatsanwaltes und die der Schüler auf den Zuschauerbänken.


Über den Autor

Der Autor, Richter von Beruf, macht einen Anwalt zu seinem Romanhelden. Im Mittelpunkt steht das sensible Thema Sterbehilfe. Aber der Schriftsteller stellt sich dem Thema, indem er nur seine Protagonisten handeln lässt und nicht weiter auf das Pro und Contra der Gesetze eingeht, die Sterbehilfe in Deutschland gegenwärtig regeln.