Auftakt zum Mord 1

Die Sorgen der Killer

von Guido Rohm

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Das Opfer eines wahsinnigen Mörders, eine Jagd nach dem Mann im Totenreich und eine Reise auf die dunkelste Seite der Seelen.



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Oktober

Ich will ihn nicht töten, aber Otto sagt, es wäre Zeit, also tun wir es. Später finde ich in meiner Hand einen blutigen Zahn. Ich weiß nicht, wie er dort hingekommen ist. Ich stecke ihn unauffällig in meine Hosentasche und warte auf das Ende des Tages. Wir fahren die Küstenstraße entlang. Nichts kann mich beeindrucken, nicht das Meer, nicht das Blau des Himmels, nicht die Möwen, nicht einmal die Sonne, die schnell im Meer versinkt. „Was hast du heute noch vor?“, fragt Otto. Es interessiert ihn nicht wirklich, deshalb lasse ich die Frage unbeantwortet. Als wir die Stadt erreichen, weckt Otto mich. Ich kann mich nicht erinnern, etwas geträumt zu haben. Ich fasse in die Tasche und umklammere den Zahn, der sich klebrig anfühlt. Wir fahren in einen Hof. Das Tor wird geschlossen. Ein bärtiger Mann, dessen Namen ich nicht kenne, tritt an den Wagen heran. Er beugt sich vor, steckt seinen Kopf zu uns herein und fragt, ob wir duschen wollen. Otto sieht mich fragend an. Nach der Dusche sitzen wir noch auf einen Tee in der Wohnung. Auf dem Tisch liegt eine hässliche Häkeldecke, die ich lange mustere.



Über den Autor

Tote, viele Tote und die Arbeit eines Berufskillers. Was bleibt, wenn der Tod zum Sinn des Lebens wird? Wie weit kann man gehen? Wo liegt die Grenze zwischen Wahnsinn und Realität? Der Autor lässt den Leser kaltblütig mit seinen Zweifeln zurück: auf welcher Seite steht die Wahrheit?