Deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur

Illustratoren gesucht?! – die Kinderbuchillustratorin Laura Bischoff im Gespräch

Laura Bischoff; Foto: privatLaura Bischoff gehört zu den Newcomern unter den Illustratoren. Mit dem Studium an der Fachhochschule Münster und dem Abschluss als Diplom-Designerin hat sie ihre Leidenschaft und ihr Talent zum Beruf gemacht.

Frau Bischoff, seit Februar 2010 sind Sie selbstständig und freiberuflich tätig. Im selben Jahr erschienen von Ihnen Zeichnungen für das Bilderbuch „Das Kaninchen von der Insel besucht den Allwetterzoo“ im Münstermitte Medienverlag. Das Bilderbuch „Muri, der Sorgenelefant“ folgte 2011 im SCM R. Brockhaus Verlag. Wie schwierig gestaltete sich der Berufseinstieg für Sie?

Giraffe, Zeichnung von Laura Bischoff; Foto: privatWenn man auf den Beruf des Illustrators hin studiert, weiß man, dass man sehr wahrscheinlich freiberuflich tätig sein wird. Je näher ich dem Diplom und der bevorstehenden Selbständigkeit kam, desto mehr Angst hatte ich auch. Doch wir wurden in der Studienzeit immer dazu angehalten, die Frankfurter Buchmesse und die Internationale Kinderbuchmesse in Bologna zu besuchen. Am Anfang war das sehr ernüchternd, wenn man von den Lektoren hört, dass man noch einen weiten Weg vor sich hat. Aber von Mal zu Mal lernt man, seinen Nutzen aus den Besuchen zu ziehen und sich auf den Beruf vorzubereiten. Man wächst eigentlich langsam hinein. Leben kann ich von der Illustration allein noch nicht. Ich habe noch einen Teilzeitjob, weil ich einfach besser schlafen kann, wenn ich weiß, dass jeden Monat ein geregeltes Einkommen da ist. Das ist allerdings ziemlich stressig. Ich hoffe, dass ich irgendwann nur noch Illustratorin sein darf.

Die Arbeit als Illustratorin

Nachtszene, Zeichnung von Laura Bischoff; Foto: privatIm Januar 2012 werden Ihr Diplomarbeitsthema „Was macht Opa eigentlich nachts?“ im Baumhaus Verlag und „Monty Meerschwein will nicht länger alleine sein“ im Thienemann Verlag erscheinen. Was bedeuten diese Veröffentlichungen für Sie?

Ich bin wahnsinnig stolz, dass das so schnell geklappt hat. Ich habe im Februar 2010 das Diplom gemacht und die Arbeit im März auf der Buchmesse in Bologna vorgestellt. Das ist ein ganz tolles Gefühl, wenn sich die Experten über die Bilder beugen, die man im stillen Kämmerlein gezeichnet und coloriert hat, und daraus plötzlich ein „echtes“ Buch wird. Meine Schwester und ich haben den Plot zusammengesponnen und sie hat die Geschichte geschrieben. Jetzt gibt es unsere verrückten Ideen bald für die Leser.

Sie arbeiten mit Acrylfarben und Buntstift. Wie lange dauert es, bis eine Idee ins Bild umgesetzt wird? Wie viele Arbeitsschritte werden benötigt und wie lange sitzen Sie an einer Illustration?

Das ist leider sehr von der Tagesform abhängig. Ich sitze gerade an einem Projekt, bei dem ich lange Anlaufschwierigkeiten hatte. Ich habe tagelang nur auf das Papier gestarrt und mich dann doch wieder ablenken lassen. Aber irgendwann funktioniert es – gottseidank. Ich skizziere die Bilder erst ganz leicht vor, so dass der Bildaufbau und die Figuren stehen, aber den richtigen Schliff bekommen sie dann erst durch die Colorierung. Eine Zeichnung kann ich in einer Stunde fertig haben, die Colorierung braucht dann 1-2 Tage – oder auch viel länger, wenn ich zum Beispiel fertig bin, mir dann nichts gefällt und ich alles nochmals neu mache.

Das Geschäft Kinder- und Jugendliteratur

Schweinchenküche, Zeichnung von Laura Bischoff, Foto: privatIm Juli 2011 gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die aktuellen Zahlen des Umsatzjahres 2010 bekannt. In der Kinder- und Jugendliteratur sind 8.082 Titel erschienen (2009: 7.438). Im Lizenzverkauf ist das Kinder- und Jugendbuch wichtigstes Segment; insbesondere das Bilderbuch hat mit 14,8 Prozent (1.212 verkaufte Lizenzen) einen großen Anteil daran. Macht sich dieser Trend auch bei den Newcomern unter den Illustratoren bemerkbar? Werden verstärkt Illustratoren gesucht?

Ich war vor allem bei der Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna erstaunt, wie groß der Markt ist. Das ist eine riesige Messe, in der es nur um Kinder- und Jugendbücher geht. Da ist man als Anfänger schon beruhigt, wenn man sieht, wie viel Bedarf es anscheinend gibt. Die Ernüchterung kommt dann, wenn man sich in die langen Schlangen vor den Ständen einreiht, um den Lektoren seine Mappe zu zeigen. Aber egal, wie mutlos man danach ist – Illustratoren werden immer gebraucht und von denen, die mit mir studiert haben, haben fast alle schon Bücher veröffentlicht. Es geht ja nicht nur um klassische Bilderbücher, sondern auch um Schulbuch, Erstlesebuch, Sachbuch, Mal- und Bastelbuch und so weiter. Da ist der Bedarf groß, weil zweimal im Jahr neue Programme auf den Markt kommen.

Wenn man sich im Alltag einmal umsieht, wo überall Illustrationen zu finden sind, dann weiß man auch, wie man als Illustrator unterkommen kann. Ich habe gerade kleine Scribbles für eine Werbeagentur gemacht und eine Illustration für eine Website. Man muss immer versuchen, die Augen offenzuhalten und Kontakte zu knüpfen.

Anna Hein
stellte die Fragen. Sie arbeitet im Bertuch Verlag GmbH in Weimar.

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September 2011

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