Zeitgenossen aus Holz. Die Figurenwelt des Bildhauers Stephan Balkenhol
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Mann mit Fliegenpilz |
Seit er vor mehr als zwanzig Jahren zu arbeiten begann, hat er einen für einen zeitgenössischen Bildhauer geradezu sensationellen – auch internationalen – Erfolg. Seine Produktivität scheint keine Grenzen zu kennen. Er bringt es auf fast 100 Figuren im Jahr, bevorzugt aus Holz.
Vielleicht ist seine Kunst so populär, weil sie fast naiv von der Sinnhaftigkeit des eigenen Gegenstandes überzeugt zu sein scheint. "Die Beschränkung auf die menschliche Figur und auf den Kopf hat in der Kunst während Jahrtausenden die Möglichkeiten nie eingeschränkt. Ein menschlicher Kopf in der ägyptischen Kunst, in der romanischen oder gotischen Plastik und späterhin, das ist immer jeweils etwas total anderes. Er wäre verwunderlich, wenn heute ein Kopf nichts mehr hergeben sollte." (Balkenhol, 1999).
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Die Rückkehr zur Tradition der Figur
Trotzdem gehörte Anfang der 80er Jahre Mut dazu, sich als Bildhauer mit der menschlichen Figur zu beschäftigen. Das Thema schien geschichtlich verbraucht. Eine Denkmalschwemme um die Jahrhundertwende und der verordnete pseudoklassische, hemmungslos pathetische Monumentalstil der NS-Zeit hatten der Abbildung des Menschen in der Kunst jegliche Glaubwürdigkeit genommen. Auch das Figurenarsenal des sozialistischen Realismus schien angesichts der wirklichen Verhältnisse von geradezu zynischer Verlogenheit.
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Mann mit Bischofshut |
Stephan Balkenhol studierte bei Ulrich Rückriem. Ein größerer Gegensatz als zur Arbeit seines Lehrers ist kaum denkbar. Rückriem ist ein nicht figurativer, abstrakter Steinbildhauer. Es wirkte wie ein Tabubruch, dass Stephan Balkenhol allen Ernstes die Rückkehr zur Tradition der menschlichen Figur vorschlug. Sein Werk scheint bis heute fast unberührt von den verschiedensten Einflüssen der Moderne.
Und doch gelingt es ihm auf eine unverwechselbare Weise seine Figurenwelt in der Gegenwart zu verankern. Niemals lassen die rohen Materialspuren vergessen, dass es sich um Kunstprodukte handelt. Die Formate sind entweder überlebensgroß oder sie unterschreiten die reale Lebensgröße.
Fast individuell und doch zeitlos
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Figurensäule und abstraktes Relief |
Balkenhol hat seine Skulpturen tief in der Kunst- und Kulturgeschichte der Menschen verankert. Die seltsamen Mischwesen zwischen Mensch und Tier sind ohne die Ägypter gar nicht denkbar. Und dennoch ist es ein fast schwereloser, heiterer Umgang, den er mit der Tradition pflegt. Wenn er einem Mann in Alltagskleidung einen Löwenkopf aufsetzt oder jemandem, der die Hände tief in den Hosentaschen vergraben hat, einen Elefantenrüssel verpasst, dann denkt man vermutlich eher an Karneval oder Märchen als an exotische Götter.
Dieser Künstler spielt mit der Kunstgeschichte. Sein Großer klassischer Mann (1996) imitiert die Geste einer Skulptur Michelangelos ganz so, als wollte er überprüfen, ob man sich heute noch so bewegen kann. Und auch seinen nachdenklich auf einem Holzblock sitzenden Mann kann man nicht sehen, ohne dass einem Rodins Denker einfällt. Deutlich sind auch die Bezüge auf die Geschichte der religiösen Skulptur: ein Normalbürger von Pfeilen durchbohrt oder eine junge Frau im kurzen, blauen Kleid, die einen nackten erwachsenen Mann im Arm hält. Man merkt eine Tradition und lacht über den schamlosen Bruch mit ihrer Bildsprache. Verblüffenderweise werden seine Figuren aber nie zu Karikaturen.
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Kleiner Mann mit Giraffe |
"Der Künstler hat die Macht, Dinge wirklich werden zu lassen, die es nicht gibt", hat Stephan Balkenhol einmal gesagt. Absurd und doch schwerelos erscheint die Kunst in seinem Werk als Teil einer ganz selbstverständlichen Lebensfreude.
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aktualisiert März 2007


















