Filmnachwuchs und Ausbildung in Deutschland

Mit Form, Farbe und Licht Atmosphäre schaffen - Filmausstatter

Marlene Dietrich in 'Der blaue Engel', Ausstattung Emil Hasler, Otto HunteAls Filme zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch zu den Jahrmarktsattraktionen zählten, wurden sie noch nicht gebraucht.


Da war schon das bewegte Bild, mit dem zumeist Burlesken vor einfacher Kulisse in Szene gesetzt wurden, Sensation genug. Doch als die Themen anspruchsvoller wurden, die Projektionsflächen größer und die Filme länger, entwickelte sich auch das Berufsfeld der Filmausstatter. Wie u.a. unter Fritz Lang mit Metropolis oder den Nibelungen, die Otto Hunte in Szene setzte. Weitere bekannte Filmarchitekten dieser Zeit waren Robert Herlth, Erich Kettelhut oder Karl Vollbrecht.

Mit der Nouvelle Vague und den jungen Filmemachern in den 60er Jahren, die für ihre Produktionen Originalschauplätze bevorzugten, erlebte der Berufsstand fast einen Niedergang, so Annette Ganders, Dozentin für Szenografie an der Filmakademie Ludwigsburg und stellvertretende Vorsitzende des Bereichs Szenenbild im Berliner Verband der Szenenbildner, Filmarchitekten und Kostümbildner, SFK. Und doch kamen Wim Wenders (Der amerikanische Freund 1976/77, Heidi und Toni Lüdi) oder Rainer Werner Fassbinder (Die Sehnsucht der Veronika Voss, 1981/82, Rolf Zehetbauer) wieder auf die Ausstattung zurück.

Rolf Zehetbauer, der mit Fassbinder auch Querelle drehte, hatte bereits international einen Ruf, u.a. durch die Zusammenarbeit mit Bob Fosse (Cabaret) oder Ingmar Bergmann (Das Schlangenei). Auch andere deutsche Filmarchitekten machten sich international einen Namen, wie z.B. Götz Weidner mit Das Boot von Wolfgang Petersen oder Jan Schlubach, der mit Stanley Kubrick arbeitete.

Aufgabenfelder

Für das Filmschaffen sind sie unverzichtbar. Aber wie nennt man sie nun richtig: Filmarchitekten, Szenenbilder, Filmausstatter, Production Designer? Alles geht. Aber nichts trifft genau. Denn keine der Bezeichnungen umfasst das ganze, vielfältige Aufgabenfeld dieses Berufsstandes. Ihre vorrangige Aufgabe besteht darin, ein Drehbuch visuell umzusetzen, was bedeutet, dem Inhalt entsprechende "Spiel-Räume" zu schaffen. Dafür müssen z.B. Bauten geplant, Locations gesucht und Innenräume gestaltet werden. Obligatorisch ist die enge Zusammenarbeit mit Regie, Kamera und Licht. Neben der schöpferischen Arbeit liegt die technisch-organisatorische Planung und Realisierung während des Drehs in ihren Händen. Und in Hinblick auf die Einhaltung des vorgegebenen Kostenrahmens ist auch noch ihr kaufmännisches Verständnis gefragt. Ihre Arbeit zieht sich von der Skizze über die Überwachung der Bautätigkeit bis hin zur Abwicklung und Rückbau durch alle Produktionsphasen des Films.

"Wir müssen Generalisten sein", sagt Annette Ganders über ihren Beruf, der neben "absoluter Stilsicherheit, Einfallsreichtum und Einsatzbereitschaft" auch "die Fähigkeit zur Recherche" verlangt. Denn, "je intensiver die Einarbeitung in das Thema des Films erfolgt, desto durchdachter sind die Entwürfe für das Szenenbild."

Nach wie vor kommen in Deutschland viele als Quereinsteiger in den Beruf, sind z.B. Architekten, Innenarchitekten oder Grafiker. Der direkte Zugang ist durch ein Studium an Filmhochschulen in Potsdam Babelsberg, München, Ludwigsburg, Hamburg und Köln möglich.

Sabine Pahlke-Grygier
ist freie Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. für Tageszeitungen und Stadtmagazine

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Mai 2006

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