Filmnachwuchs und Ausbildung in Deutschland

Beruf: Drehbuchautor

www.colourbox.comCopyright: www.colourbox.com Ohne Drehbuch kein Film. Das stimmt für das Leinwandepos genauso wie für die Endlosserie im TV. Dennoch führen Drehbuchautoren in Deutschland, im Gegensatz zu Darstellern und Regisseuren, zumeist ein Schattendasein. Ihre Profession ist unverzichtbar. Aber bis heute gibt es für sie noch keinen zwingend notwendigen Ausbildungsweg.

"Drehbuchautoren haben die schwierigste Position im Entstehungsprozess eines Films", sagt Peter Stertz von der Agentur "Funke und Stertz" in Hamburg, "denn je weiter der Prozess fortschreitet, desto weniger braucht man sie." Vor etwa 12 Jahren entschloss sich Peter Stertz, zuvor beim Verlag Rowohlt für die Verwertung von Romanrechten für Theater und TV zuständig, in seiner Medienagentur neben Schauspielern und Regisseuren auch Drehbuchautoren zu vertreten. "Damals war das in Deutschland noch ungewöhnlich", erzählt er. "In den USA war es für Drehbuchautoren bereits selbstverständlich, einen Agenten zu haben und die Voraussetzung dafür, um an Arbeit zu kommen. In Deutschland galt es eher als Stigma." Denn das war gleichbedeutend damit, dass ein Autor nicht in der Lage war, sich allein einen Namen zu machen.

Peter Stertz, zu dessen Stamm heute renommierte Autoren wie Ulrich Plenzdorf oder der mehrfache Grimme-Preisträger Daniel Nocke gehören, vermarktet keine Drehbücher. Seine Aufgabe ist die Beratung und Betreuung der Autoren. Eine "sehr personenbezogene Arbeit", sagt er. Denn dabei geht es sowohl um die Auswahl passender Stoffe als auch um die Kommunikation der Autoren mit Redaktionen.

"Nur das Handwerk zu beherrschen, genügt nicht", sagt Cornelia Hermann, seit 14 Jahren Dozentin im Bereich Drehbuch bei der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, der Filmakademie Ludwigsburg in Baden- Württemberg und der Hochschule für Film und Fernsehen in München. "Was wichtig ist, ist der Funke, die Begeisterung für eine Geschichte, die sich die Autoren bewahren müssen. Und deshalb versuche ich, nicht nur das Handwerk zu vermitteln, sondern die Persönlichkeit der Autoren zu stützen. Das ist wichtig, damit sie den Prozess von der Idee über die Vergabe von Fördermitteln bis hin zur Realisierung des Films durchhalten."

Ausbildung keine Garantie für Erfolg

Auch wenn fast alle der Filmhochschulen inzwischen Drehbuchstudiengänge eingerichtet haben - bis heute gibt es in Deutschland keinen zwingend vorgeschriebenen Ausbildungsweg. Drehbuchautoren kommen nach wie vor aus artverwandten Berufen, sind z.B. Journalisten oder Romanautoren. Was sie auf jeden Fall mitbringen müssen, ist ein großes Maß an Idealismus.

"Die Ausbildung ist keine Garantie für späteren Erfolg", sagt Cornelia Hermann. "Und wer ist ein guter Autor? Derjenige, der mit seiner Arbeit viel Geld verdient oder derjenige, dessen Projekte auch realisiert werden?" Dass Erfolg in diesem Metier nicht zwingend mit der Qualität der Arbeit einhergehen muss, sehen sie und Peter Stertz gleichermaßen. "Es ist ja nicht so, dass der deutsche Film deshalb wieder erfolgreich ist, weil sich das Handwerk der Drehbuchautoren verbessert hätte, sondern weil man sich mit Filmen wie z.B. Sonnenallee, Good bye, Lenin! oder Gegen die Wand wieder auf eigene Geschichten besinnt." Cornelia Hermann gibt daher auch Seminare für Autoren zu Themen wie "Charakterentwicklung", "Archetypen" oder "Filmanalyse". Sie beziffert die Erfolgsquote beim Aufspüren guter Drehbücher immer noch "auf eines von hundert." Doch selbst die Güte des Drehbuchs ist kein Garant dafür, dass es umgesetzt wird. Finanziers müssen gewonnen werden. "Entscheidend ist die Idee", so Cornelia Hermann. Und für die müsse ein Autor "brennen".

Stars ohne Öffentlichkeit

Neben den Heeren von Schreibern, für die die Plots und Storylines der TV-Soaps das tägliche Brot bedeuten, gibt es natürlich auch in Deutschland Solitäre unter den Autoren. Doch soweit ihre Profession nicht mit der weitaus prominenteren Stellung als Regisseur einhergeht, wie z.B. bei Helmut Dietl (Rossini), Fatih Akin (Gegen die Wand) oder Doris Dörrie (Nackt) oder als Romanautor, wie u.a. bei Patrick Süsskind (Das Parfüm) oder Thomas Brussig (Helden wie wir) sind ihre Namen selbst in Deutschland weitgehend unbekannt. Das betrifft z.B. den Journalisten Felix Huby, Jahrgang 1938, der zahlreiche TV-Filme schrieb oder den bei TV und Film gleichermaßen gefragten Absolventen der Akademie Ludwigsburg Holger Karsten Schmidt, Jahrgang 1965, (u.a. Die Gebrüder Sass). "Letztlich ist es egal, wo man herkommt", sagt Cornelia Hermann. Ob Theaterwissenschaftler, Germanist oder Philosoph, "das Handwerk kann man sich aneignen." Aber die Erfolgsgeschichten werden zumeist von denen geschrieben, die großes persönliches Engagement zeigen und einen langen Atem haben. Denn "mit Halbherzigkeit geht nichts."
Sabine Pahlke-Grygier
ist freie Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. für Tageszeitungen und Stadtmagazine

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Februar 2005

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