„Soul Kitchen“ – Jasmin Ramadans Roman zum Film von Fatih Akin

In ihrem Debütroman „Soul Kitchen“ erzählt Jasmin Ramadan die Vorgeschichte zu Fatih Akins neuem Film. Es ist eine Story über fettiges Essen und Jungs, die erwachsen werden.Eigentlich hat alles im „Sotiris“ angefangen, einer speckigen Kneipe im Hamburger Stadtteil Ottensen. Spinat mit Schafskäsesauce isst man hier und Grillfisch, schnell ein paar Gläser Ouzo hinterher. Griechisch eben. Das „Sotiris“ gehört Adam Bousdoukos, und das ist der Dreh- und Angelpunkt von Regisseur Fatih Akins neuester Geschichte, die auch die Geschichte von Jasmin Ramadan geworden ist.
„Soul Kitchen“, so der Name des Freundschaftsprojekts, gibt es als Film und als Buch. Den Film machte Akin, das Buch schrieb Ramadan. Bousdoukos, Akin und Ramadan sind alte Kumpel, aus Schulzeiten. Bousdoukos war Hauptdarsteller in Akins Debütfilm „Kurz und Schmerzlos“, die Taverne kaufte er sich angeblich von seiner Filmgage. Im „Sotiris“ also hing die Clique gerne ab, schob sich Gabeln fettigen Essens rein, schnackte. Es war ihre Heimatküche, Essen, das Leib und Seele zusammenhält – daher der Titel: Soul Kitchen. Und dann, erklärt Fatih Akin, dann habe er eines Tages eigentlich nur sein neues Textprogramm testen wollen: „Adam und seine Freundin hatten sich gerade getrennt, also habe ich einfach losgeschrieben: ‚Adam hat Liebeskummer, das Restaurant läuft so und so‘ – Schwuppdiwupp hatte ich zwanzig Seiten Drehbuch.“
Die Mittdreißigerin Jasmin Ramadan wurde kurzerhand nach einem gemeinsamen Essen angeheuert, den Bauch noch voll, um die Geschichte vor der Geschichte zu erzählen. Ramadan, Halb-Ägypterin und damit prädestiniert für diese multikulturelle Heimatküchenstory, hat zwar bereits einen Förderpreis gewonnen, doch Soul Kitchen. Der Geschichte erster Teil ist ein Debütroman, und das merkt man auch.
Halbgare Hamburger und türkisfarbenes Kugeleis
In der Geschichte heißt Adam Zinos. Er hat einige Päckchen zu schultern, wie man im Buch erfährt. Seine Eltern sind wieder nach Griechenland zurück gegangen, sobald er 18 war; sie ließen ihn mit mangelnden Kochkünsten und wenig Geld in Hamburg. Auch sein älterer Bruder Illias ist keine wirkliche Unterstützung, ein Kleinkrimineller, der öfter im Knast ist als draußen. Was auch immer Zinos anpackt: Es ist irgendwie halbgar. Die Sache mit der Ausbildung, der mühsame Kampf um ein paar Einnahmen, von den Frauen ganz zu schweigen. Er wurstelt sich durch. Bis er ein eigenes kleines Lokal aufmacht, das „Soul Kitchen“. An dieser Stelle setzt die Filmhandlung ein.
Im Film wird Zinos übrigens von Adam Bousdoukos selbst gespielt, so viel Freundschaft muss sein. Fatih Akin, bekannt geworden mit Werken wie Kurz und Schmerzlos (1998), dem preisgekrönten, harten Gegen die Wand (2004) oder Auf der anderen Seite (2007) hatte, wie er bekundet, Lust, endlich einmal etwas „Leichtes“ zu machen, eine Komödie sollte es sein. Und in der Tat: Der Film „Soul Kitchen“ ist auf Lacher angelegt. Situationskomik, die auch ohne Worte funktioniert, präzise gesetzte Schnitte, die den Witz einer Szene herauskitzeln. Bei den Filmfestspielen in Venedig bekam Akin im September 2009 den Spezialpreis der Jury dafür.
Wie eine fettige Portion Pommes
Doch das Buch ist schwerfällig, wie frisch aus dem Frittierfett gezogen. Es trieft von bemühten Witzen, etwa, weil Jasmin Ramadan das mit den Insidergags noch weiter dreht, ermüdenderweise. Immer wieder sprechen Figuren Zinos auf seine Ähnlichkeit mit Adam Bousdoukos an, man leiht sich „Kurz und Schmerzlos“ aus der Videothek aus, es nimmt kein Ende. Und dann sind da gestelzte Assoziationen, etwa: „Die Visitenkarte war türkis. In seiner Kindheit gab es ein türkisfarbenes Kugeleis“, heißt es da und man fragt sich, was das soll. Ebenso überflüssig die wahllos und überkandidelt übers Buch verteilten Nebendarsteller; Berufsschullehrer, die keine weitere Rolle spielen, aber in langatmigen Absätzen durchgehechelt werden, von ihrer Mitgliedschaft in hinduistischen Sekten bis hin zu ihrer Rolle in einer TV-Doku über Magenverkleinerungen.
Andererseits ist das „Prequel“ auch im Positiven mindestens so gehaltvoll wie eine fettige Portion Pommes. Denn man muss Ramadans erfundener Vorgeschichte durchaus zugute halten, dass sie den Charakteren des Films zusätzliches Profil gibt. Die Biographie der Filmhelden: eine Idee mit Charme. Sie erzählt, wie sie wurden, was sie sind – und verleiht den Filmfiguren dadurch eine Tiefe, die sie ohne das Buch nicht hätten. Es sei „das fehlende Puzzlestück“, so Akin. Klar, die beiden Werke, Buch und Film, funktionieren durchaus eigenständig. Doch am Ende ist es Ramadans Buch, das das Grundgefühl von „Soul Kitchen“ tatsächlich zu transportieren vermag: mit liebevoll zusammengestellten Rezepten, immer eines für jede Phase in Zinos Leben. Und ehrlich: Ohne den „Schmortopf Adios“ will man danach nicht mehr sein.
schreibt als freie Autorin für Print- und Onlinemedien.
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November 2009
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