Bildende Kunst

Der Maler Jörg Immendorff

Der Maler Jörg Immendorff ist einer der bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart – und einer der politischsten. Angeregt von seinem Lehrer Joseph Beuys, mischt sich der junge Immendorff seit Mitte der Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts in die Politik der Bundesrepublik Deutschland ein. In den Siebziger- und Achtzigerjahren entstehen seine „Café Deutschland“-Bilder: Impressionen aus der Realität beider deutscher Staaten. In der nachfolgenden „Café de Flore“-Serie bezieht sich Immendorff auf seine Vorbilder und Freunde.

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Autor: Michael Kluth
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Der Maler Jörg Immendorff hat bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie gelernt. Sein gesamtes Werk ist von der Frage geprägt: Was kann Kunst im gesellschaftlichen Spannungsfeld leisten? Immendorff hat sich immer eingemischt, er hat immer die Auseinandersetzung mit erstarrten gesellschaftlichen Normen und fest gefügten Traditionslinien gesucht.

Es begann mit den so genannten LIDL-Aktionen Anfang der Sechzigerjahre. LIDL war ein Fantasiebegriff; er stand für vielerlei Versuche, Bewegung in die muffige Atmosphäre der BRD zu bringen. LIDL war auch ein Diskussionsbegriff. Die Kunst sollte sich an der Revolte der 68er-Generation beteiligen. Immendorff formuliert, dass die Träume der Menschen jetzt erfüllt werden müssten. Zwei seiner Slogans lauten: „Dem Volke dienen“ und „Wo stehst Du mit Deiner Kunst, Kollege?“ Agitprop-Kunst entsteht. Wie kann die soziale Relevanz künstlerischen Handelns aussehen, welche Bedeutung hat die Malerei im Verlauf ihrer jüngsten Geschichte? Kunst als Idee und Aktion. Immendorff setzt Sprache – am Beispiel des Brecht-Gedichts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ – malerisch um.

Seit 1976 besteht das „deutsch-deutsche Aktionsbündnis“ mit dem DDR-Maler A. R. Penck. Es entstehen die berühmten „Café Deutschland“-Bilder. Eine Auseinandersetzung mit der BRD- und DDR-Gegenwart, eine malerische Untersuchung deutsch-deutscher Geschichte. 1980 gibt Jörg Immendorff sein Lehramt an einer Düsseldorfer Hauptschule auf. Die „Café de Flore“-Bilder entstehen. Immendorff interessieren zunehmend die künstlerischen Vorbilder und wichtigen Zeitgenossen. Sein Kunstkontext erweitert sich, die Geschichte gewinnt an Bedeutung.

Träume können – wie er noch in den Sechziger- und Siebzigerjahren gefordert hatte – die oft schlechte Realität nicht sofort verändern, aber sie behalten ihre visionäre Sprengkraft. Immendorff billigt seiner Kunst auch weiterhin die Möglichkeit zu, das Bewusstsein von Menschen zu berühren und zu verändern. Es ist ein sensibler Prozess, dem „Bild hinter den Bildern“ – wie er sagt – auf die Spur zu kommen. Auf individuelle Weise. Seine Überzeugung von damals (Beuys-Schüler) gilt bis heute: Kunst ist auch Parole, ein Mittel politischer Auseinandersetzung und künstlerischer Schöpfung.
Goethe-Institut e. V. 2006
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