Literatur und Theater

Porträt Achim Freyer

Der Film zeigt Arbeitsweisen des Theaterregisseurs, Bühnen- und Kostümbildners Achim Freyer. Freyer geht von der Malerei aus: sie steht am Anfang seiner Überlegungen. In dieser Vielfalt verschiedener künstlerischer Formen ist Achim Freyer eine singuläre Figur der internationalen Kunstszene.

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Autor: Markus Schneider
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Der Künstler Achim Freyer ist eine Legende und zugleich höchst lebendig. Jahr für Jahr entstehen ungewöhnliche Inszenierungen. In der Verbindung Maler/Raum/Bühnenbildner/Regisseur ist Freyer eine singuläre Figur der internationalen Kunst. In allen bisherigen Filmversuchen kommt die Bedeutung der Malerei für Freyer zu kurz. Seine impulsiv-expressionistischen Arbeiten sind auch eine Form von Musik. Ohne die Malerei – wiederholt A. Freyer in schöner Regelmäßigkeit – gäbe es den Theatermenschen Freyer nicht.

Achim Freyer wurde 1934 geboren, war von 1954–56 Meisterschüler von Bertolt Brecht, lebt jetzt in Berlin. Viel beachtete Inszenierungen führten ihn unter anderem 1965 mit Ruth Berghaus an die Staatsoper Berlin (Il barbiere di Siviglia), an die Opernhäuser von Hamburg, München, Amsterdam, Stuttgart, Paris, Brüssel, Wien und Venedig, wo 1996 wegen der Brandkatastrophe des Opernhauses seine Inszenierung des Don Giovanni in einer modifizierten Version im Zelt Pala Fenice stattfand. Regelmäßiger Gast ist er auch bei den Salzburger Festspielen, den Wiener Festwochen und den Schwetzinger Festspielen, wo er 1996 mit seinem Ensemble die szenische Uraufführung von Bachs h-moll-Messe unter der musikalischen Leitung von Thomas Hengelbrock realisierte.

Für das Schauspiel arbeitete Achim Freyer unter anderem als Bühnen- und Kostümbildner für die Inszenierungen von Claus Peymann an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart, am Burgtheater in Wien und am Berliner Ensemble. Als Regisseur und Ausstatter setzte er zwischen 1987 und 1991 am Wiener Burgtheater die Trilogie Metamorphosen des Ovid (Mensch und Gott), Woyzeck (Mensch ohne Gott) und Phaeton (Mensch als Gott) in Szene, deren beide erste Teile zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen wurden. Ebenfalls für das Wiener Burgtheater inszenierte er 1997 Der Diener zweyer Herren in einer eigenen Textfassung.

Ein wichtiger Bereich seiner künstlerischen Arbeit sind viel beachtete Uraufführungen von zeitgenössischen Komponisten wie Mauricio Kagel, Philip Glass, Erhard Großkopf, Reiner Bredemeyer, Dieter Schnebel, Alvin Curran und Helmut Lachenmann.

Ende der 1980er-Jahre gründete Achim Freyer das Freyer-Ensemble, mit dem er ein Theater eigener Prägung aus Musik, Tanz, Sprache und Artistik entwickelt. Auf der Basis einer jahrelangen künstlerischen Zusammenarbeit werden Uraufführungen wie Das Mädchen mit den Schwefelhölzern von Helmut Lachenmann (Hamburgische Staatsoper 1997) oder Majakowskis Tod – Totentanz von Dieter Schnebel (im März 1998 an der Oper in Leipzig) realisiert, und es entstehen eigene Theaterstücke. Die Produktion Liebe von Kopf bis konfus aus dem Repertoire des Ensembles war 1997 zu Gast bei den Schwetzinger Festspielen.

Seine bildnerischen Arbeiten wurden unter anderem auf der Documenta in Kassel gezeigt und auf der Quadriennale in Prag. "Chaos und Stille", eine Retrospektive der Werke von 1965-92 präsentierte 1992 die Galerie der Stadt Kornwestheim, "Taggespinste, Nachtgesichte" wurde in der Akademie der Künste Berlin 1994 ausgestellt, "Totentänze – Arbeiten auf Papier" zeigten 1995 die Musik-Biennale Venedig und 1996 die Jakut-Galerie in Moskau. Zahlreiche Einzelausstellungen gab es zudem in Berlin, Bonn, Brüssel, Florenz, Hamburg, Leipzig, München und Wien.

Achim Freyer inszenierte Spiel- und Musikfilme, darunter MET AMOR PHOSEN, der 1994 bei den 44. Internationalen Filmfestspielen in Berlin uraufgeführt wurde.
Goethe-Institut e. V. 2005
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