Literatur und Theater

Porträt – Cornelia Funke

Cornelia Funke ist die derzeit erfolgreichste deutsche Jugendbuchautorin. Funke, Jahrgang 1958, hat bisher etwa eine Million Exemplare ihrer Jugend- und Kinderbücher verkauft. Sie wird international mit der Harry Potter Autorin J.K. Rowling verglichen. Im September 2003 erschien ihr Roman „Tintenherz“.

Das Porträt zeigt die Hamburger Schriftstellerin auf ihrer Promotiontour für das Tintenherz. Die ehemalige Illustratorin erzählt, wie sie zum Schreiben kam und wie sie auf die Ideen für ihre Phantasiegeschichten kommt.

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Autor: Ralf Gierkes
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Lange wurde Kinder- und Jugendbuchliteratur in Deutschland nicht ernst genommen. Aber spätestens mit Cornelia Funke, Jahrgang 1958, ist die deutsche Jugendliteratur wieder in den Blickwinkel der Kritik gerückt. Der Spiegel schreibt von „Sensationserfolg“, die FAZ kürt die Autorin gar zur deutschen J.K. Rowling, der weltbekannten Potter-Autorin.

Faktum ist: Cornelia Funke ist derzeit die wohl produktivste und fantasievollste Jugendbuchautorin Deutschlands. Ihre mehr als 40 Bücher wurden in 20 Sprachen übersetzt. Ihr Spektrum reicht von Erstlese- und Kinderbüchern bis hin zu großen Romanen für ältere Leser. Ihre Bücher erhielten zahlreiche auch internationale Auszeichnungen.

In vielen Werken Funkes spielen Kinder eine emanzipierte Rolle. Sie wehren sich gegen die ihnen zugedachte Rolle, so wie die kleine Prinzessin Isabella, die lieber Kartoffeln schält, als in vornehmen Kleidern Prinzessin zu sein.

Kinder sind für Funke keine unfertigen Erwachsenen, sondern kleine Menschen mit ganz eigenen Qualitäten und Fantasien. Vor allem starke und selbstbewusste Mädchen spielen in den Büchern von Cornelia Funke die Hauptrolle, ohne dass die Jungen dabei diskriminiert werden.

Es macht der Autorin Spaß, die Rollenklischees umzukehren. Die Erwachsenen wirken oft unfertiger und hilfloser als die Kinder. So wie beispielsweise in Igraine Ohnefurcht. Die beiden Zaubereltern Igraines verwandeln sich versehentlich in Schweine, als sie ihrer Tochter ein Geburtstagsgeschenk zaubern wollen. Und nun sind sie im Kampf gegen den bösen Ritter auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen. Eine charakteristische Situation. Denn oft schaffen es die Protagonisten in Funkes Geschichten nur gemeinsam, Probleme zu lösen und Abenteuer zu bestehen.

Mit Drachenreiter, Herr der Diebe und jetzt Tintenherz spricht die Autorin nicht nur Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren an. Auch immer mehr Erwachsene lesen die Bücher der Hamburger Autorin. Funke hat alleine im deutschsprachigen Raum bisher etwa eine Millionen Exemplare ihrer Jugend- und Kinderbücher verkauft.

Der internationale Durchbruch gelang Cornelia Funke mit Herr der Diebe. Der Roman spielt im winterlichen Venedig und erzählt die Geschichte von Japser und Bo, die in die Stadt der Gondeln geflüchtet sind. Die Brüder wollen nicht getrennt werden, denn ihre Tante Esther möchte nur den kleinen niedlichen Bo aufnehmen. Zum Glück haben die beiden Jungs das Mädchen Wespe und ihre drei Freunde getroffen. Alle vier hausen in einem alten, verlassenen Kino. Bei ihnen können Jasper und Bo unterschlüpfen. In Großbritannien waren die ersten 10.000 Hardcover von Funkes Buch am ersten Tag bereits ausverkauft. Der amerikanische Verlag Scholastic brachte Herr der Diebe gleich mit 75.000 Exemplaren auf den Markt. Doppelt so viel wie von der Harry-Potter-Erstauflage.

Mit 28 Jahren hatte die gelernte Illustratorin keine Lust mehr, Bilder für die Kinderbücher anderer Autoren zu zeichnen. Cornelia Funke wollte eigene Fantasiegestalten schaffen, Drachen und Feen beispielsweise, die sowohl zeichnerisch als auch inhaltlich höhere Ansprüche an sie stellten, und damit traf sie genau den Zeitgeist.

Eine Erklärung für ihren Erfolg mag sein, dass sie einen Leitsatz Astrid Lindgrens beherzigt, nämlich eines als Autorin nicht zu tun: „Viele, die für Kinder schreiben, zwinkern über die Köpfe ihrer kindlichen Leser hinweg einem gedachten Leser zu. Sie blinzeln Einverständnis mit den Erwachsenen und übergehen das Kind!“

Die weltweiten englischsprachigen Buchrechte an Herr der Diebe und Drachenreiter hat der englische Verleger Barry Cunningham erworben. Cunningham ist kein geringerer als der Entdecker von J.K. Rowling, die als geistige Mutter des Zauberlehrlings Harry Potter zur weltweit erfolgreichsten Jugendbuchautorin avancierte.

Goethe-Institut e. V. 2004
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