Musik

Der junge deutsche Jazz

Die junge deutsche Jazz-Szene ist so lebendig und vielseitig wie selten zuvor. Hochschulen wie die Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar oder die Hochschule für Musik Köln haben an dieser Entwicklung keinen unerheblichen Anteil. Vier der interessantesten Vertreter des jungen deutschen Jazz sind der Posaunist Nils Wogram, der Schlagzeuger Jochen Rückert, der Pianist Florian Ross und der Gitarrist Frank Möbus.

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Autorin: Katja Duregger
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Bis auf Frank Möbus, der Mitte bis Ende der 1980er-Jahre in Boston studierte, haben die drei anderen von der mittlerweile sehr guten Musikhochschulausbildung in Deutschland profitiert. Die verbesserten Ausbildungsmöglichkeiten haben großen Anteil daran, dass sich die Zahl der qualitativ auf hohem Niveau spielenden Jazz-Musiker in Deutschland deutlich gesteigert hat.

Gerade in der Lehre an den deutschen Musikhochschulen tut sich viel. Frank Möbus, der experimentelle E-Gitarrist, ist seit kurzem Leiter der Jazzabteilung der Weimarer Musikhochschule und setzt sich dort sehr für eine stärkere Förderung der individuellen künstlerischen Entwicklung ein. Nils Wogram strebt in seiner Musik ein ausgeglichenes Verhältnis von Intellekt und Emotion an. Seine Bezüge reichen von Arnold Schönberg bis Miles Davis. Die Komplexität in seinen Kompositionen soll aber nicht zu verkopfter Abstraktion führen, sondern Witz und Rhythmus haben. Florian Ross bezieht sich in seiner Musik oft und gerne auf die Jazz-Tradition; auch er mit viel Humor. Der Song muss gut sein, ins Ohr gehen und nicht erst ausführlich analysiert werden, bevor er verstanden wird. Damit entsprechen diese Musiker ganz und gar nicht den Klischees, die dem deutschen Jazz oft anhaften.

In den letzten 15 Jahren haben sich einige deutsche Musikhochschulen zu erstklassigen Ausbildungsstätten für Jazz-Musiker entwickelt. Allen voran die Kölner Musikhochschule, an der neben Nils Wogram, Jochen Rückert und Florian Ross auch andere heute in der deutschen Szene wichtigen Jazz-Musiker wie der Bassist André Nendza oder der Vibraphonist Christopher Dell studiert haben. Bis vor kurzem lag der Schwerpunkt der Ausbildung eher auf der Weitergabe von solidem Handwerk. Doch das soll sich ändern.

Lehrpläne werden umgeschrieben und bieten mehr künstlerische und experimentelle Seminare an. Andere Hochschulen wie die Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar konzentrieren sich stärker auf die Förderung individueller Begabungen und nicht mehr ausschließlich auf das Erlernen allgemeiner Fertigkeiten.

Ein Schwachpunkt in der deutschen Jazz-Szene war bislang die schlechte Vernetzung und Kommunikation untereinander. Es gibt die Berliner Szene, die Kölner, die Münchner etc., und sie alle haben wenig bis gar nichts miteinander zu tun. Das führt dazu, dass die Musiker es schwer hatten und haben, die nötige landesweite Aufmerksamkeit zu bekommen. Um dieses Problem der deutschen Jazz-Szene zu verändern und zudem den internationalen Austausch zu fördern, soll ab diesem Jahr regelmäßig die Messe „jazzahead!“ in Bremen stattfinden, auf der sich alle wichtigen Vertreter der deutschen Szene wie Labels, Clubs, Förderinstitutionen und Musiker untereinander austauschen können.
Goethe-Institut e. V. 2006
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