Politische Kultur

Mehr Licht! – EU-Projekte des Goethe-Instituts

Zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 veranstaltet das Goethe-Institut in unterschiedlichen europäischen Städten zahlreiche Projekte. An vier Beispielen – der Lichtinstallation in Brüssel, Theaterinszenierungen in Paris, einem Diskurs über kulturelle Werte in Den Haag und Hip-Hop in Ostia bei Rom – wird in der Tradition europäischer Zusammenarbeit aufgezeigt, wie Kultur Europa eine Seele geben kann.

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Autor: Rolf Scheller
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Das Goethe-Institut pflegt die Tradition europäischer kultureller Zusammenarbeit. Mit seinem internationalen Netzwerk ist es in der Lage, seine Kulturarbeit auf die Anforderungen des stetigen Wandels Europas einzustellen – und trägt so zur kulturellen Mobilität bei.

Im ersten Halbjahr 2007, der deutschen Ratspräsidentschaft in der EU, veranstaltet das Goethe-Institut zahlreiche Projekte in verschiedenen EU-Ländern, um den Gedanken der kulturellen Vielfalt bei gleichzeitiger Integrationsleistung zu betonen und zu vertiefen.

Die Lichtinstallation der deutsch-türkischen Schwestern Anny und Sibel Öztürk in Brüssel wird zum Seismographen urbaner Mobilität und Interaktion. Am Verkehrsknotenpunkt Rond-Point Schuman, im Herzen des EU-Viertels, intensivieren Verkehrslärm und Bewegungen der Passanten die Leuchtkraft dieses Kunstobjekts. Unter dem Titel „Mehr Licht!“ repräsentiert diese interaktive Lichtskulptur die Forderung vieler Bürger nach mehr Transparenz in häufig verborgenen und verschleierten Verwaltungsvorgängen der EU-Bürokratie. Einen Spitznamen hat die Installation auch schon: „Heiligenschein der EU“.

Im Pariser Centre Pompidou versuchen zwei Spitzenregisseure den Standort des europäischen Theaters zwischen Utopie und Realität in einem Diskurs zu bestimmen. Der deutsche Regisseur und Intendant Frank Castorf (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin) und der französische Autor, Regisseur und Intendant Olivier Py (Odéon, Théâtre de l’Europe, Paris) positionieren das politische Theater eher als Teil einer gesellschaftlichen Wirklichkeit denn als Utopie. Mit unterschiedlichen Ansätzen versuchen sie, die Kluft zwischen Publikum und Bühne zu überbrücken und soziale Barrieren einzureißen, zum Beispiel durch die Arbeit mit Angehörigen von Randgruppen und mit Jugendlichen. Vehement lehnen beide das Konzept einer „Festung Europa“ ab und plädieren für Integration und Gleichberechtigung.

In Den Haag trafen sich Kulturpolitiker und Kulturfunktionäre nationaler Kulturinstitute, um unter dem Motto „Die Vielfalt macht den Unterschied“, „Diversity makes the Difference – European Foreign Policy and Culture“ darüber zu diskutieren, wie Kultur dazu beitragen kann, den interkulturellen Dialog zu fördern. Veranstalter waren neben dem Goethe-Institut Amsterdam in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt die European Cultural Foundation (ECF) und die Stiftung für internationale kulturelle Aktivitäten in Amsterdam (SICA). Mit der gemeinsamen Organisation EUNIC (European Union National Institutes for Culture), der Vereinigung der nationalen Kulturinstitute in der EU, wurde ein Dachverband geschaffen, der zum Ziel hat, eine gemeinsame europäische auswärtige Kulturpolitik als „dritte Säule“ der Außenpolitik zu etablieren. Voraussetzung dafür ist die Verständigung auf einen allgemeinverbindlichen Wertekatalog. Betont wird, dass auch die Produzenten von Kulturprodukten, die Kulturschaffenden, verstärkt in den Diskussionsprozess eingebunden werden sollen.

Kulturschaffende der besonderen Art sind beispielsweise Hip-Hop-Musiker. Solche trafen sich in Ostia bei Rom zu einem internationalen Workshop. In praktischen Übungen vermittelten die Musiker den interessierten, meist jugendlichen Besuchern technische und musikalische Fertigkeiten des Hip-Hop. Welche Integrationsleistung Musik haben kann, spürten die Besucher dabei schnell: Sie verbindet über alle nationalen, sozialen und sprachlichen Grenzen hinweg. Eines ist allen EU-Projekten des Goethe-Instituts gemein: der Wunsch, Europa eine Seele zu geben.
Goethe-Institut e. V. 2007
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