Politische Kultur

Pester Lloyd

Der KuBus-Beitrag über die deutschsprachige Budapester Zeitung „Pester Lloyd“ zeigt Impressionen der Donaumetropole Budapest, informiert über die aktuelle Situation der Zeitung und ihre traditionsreiche Geschichte seit 1854 anhand von historischen Fotos aus dem 19. Jahrhundert.

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Autor: Michael Kluth
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Der „Pester Lloyd“ wird am 1. Januar 2004 150 Jahre alt (von 1945 bis 1994 erschien er nicht). Die 1854 gegründete deutschsprachige Zeitung entwickelte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer der wichtigsten Tageszeitungen der Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie. Sie erschien in einer Früh- und in einer Spätausgabe. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte: Politik, Wirtschaft und Kultur.

Die beiden Stadtteile Buda und Pest wurden 1873 zusammengelegt. Damit begann der rasante Aufstieg einer neuen europäischen Metropole: in wenigen Jahrzehnten wuchs die Einwohnerzahl von etwa 100.000 Menschen auf eine Million um 1900. In Budapest gab es bis zum 1. Weltkrieg etwa 900 deutschsprachige Publikationen. Das Budapester Bürgertum sprach mehrheitlich deutsch.

Falk Miksa, der Berater von Kaiserin Elisabeth („Sissy“), war der wichtigste Chefredakteur des „Pester Lloyd“. Viele bedeutende ungarische Schriftsteller schrieben in dieser Zeitung. Zu den Stammautoren gehörten auch viele deutschsprachige Schriftsteller und Publizisten: unter anderem Franz Werfel, Alfred Polgar, Egon Erwin Kisch, Franz Molnar, Stefan Zweig und Heinrich Mann. Thomas Mann schrieb im „Pester Lloyd“ (1936/37) Artikel gegen Hitler-Deutschland.

1945 kam das vorläufige Ende der Zeitung. Die letzten Ausgaben erschienen schon auf der Flucht vor der deutschen SS, den ungarischen Faschisten und der russischen Armee. Während der Zeit des Kádár-Regimes konnte der „Pester Lloyd“ nicht erscheinen. Fünf Jahre nach der politischen Wende, 1994, erwarb der deutsche Kulturjournalist Gotthard B. Schicker die Lizenz zur Weiterführung der Traditionszeitung. Sie erscheint wöchentlich. Mit den traditionellen Schwerpunkten Politik, Wirtschaft und Kultur. Druckauflage: 15.000, Abonnenten circa 8.000. In ganz Europa. Zu ihren Autoren gehören Ungarns führende Schriftsteller Peter Esterházy, György Konrád, der Literaturnobelpreisträger Imre Kertész, István Eörsi, Peter Nadás und László F. Földenyi. Der „Pester Lloyd“ ist die auflagenstärkste fremdsprachige Zeitung in Budapest.

Ab Mai 2004, wenn Ungarn EU-Mitglied sein wird, könnte dem „Pester Lloyd“ eine Brückenfunktion zufallen: zwischen Ungarn und Westeuropa.
Goethe-Institut e. V. 2004
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