Nachwuchsautoren-
workshop in Budapest

"Das wirkliche Thema dieses Stücks ist nicht der Kommunismus“


Ferencz Czsusner über sein Stück

Wie sind Sie zu dem Projekt „After the Fall“ gekommen?

Ich lebe in Siebenbürgen, in Rumänien, studiere Wirtschaft, Bank- und Finanzwesen und schreibe in meiner Freizeit. Als ich im Internet die Ausschreibung gesehen habe, habe ich mir gesagt, warum nicht? Ich war ziemlich überrascht, dass ich ausgewählt wurde, denn ich hatte noch nie ein Theaterstück geschrieben. Ich hatte dann zwei Tage, um aus Siebenbürgen nach Budapest zu gelangen und mir eine Schlafgelegenheit zu besorgen. Aber es hat geklappt und das Ergebnis konnte man jetzt sehen.

Worum geht es in Ihrem Stück?

Es handelt von einer Familie, Mutter, Vater, ein Sohn und eine Tochter. Das Mädchen, das jüngste Mitglied der Familie ist schwer krank, sie hat Nierenprobleme und die Familie hat keine andere Möglichkeit, als zu fliehen. Beim dritten Versuch gelingt es ihnen auch, aber sie müssen ihren Sohn zurück lassen. Die Polizei und Geheimdienst fragen ihn aus, was er über die Flucht weiß. Er sagt, dass er nichts von seinen Eltern gehört hat, er ist ja tatsächlich selbst ein Opfer dieser Flucht. In dem Dorf, in dem sie wohnen, gibt es aber einen inoffiziellen Geheimdienstmitarbeiter, dessen Pflicht es gewesen wäre, die Flucht zu verhindern. Als das Kind in ein Heim gebracht werden soll, sagt dieser Mann, er würde es zu sich nehmen. Der Geheimdienstoffizier stimmt dem auch zu, fordert aber, das Kind weiter auszufragen, weil der Inoffizielle ja seine Pflicht nicht erfüllt habe. Soweit bin ich jetzt.

Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?

Es ist ein authentischer Fall. Der Freund eines Freundes von mir wurde in den Achtzigerjahren tatsächlich zu Hause gelassen.

Ist das ein Thema, mit dem Sie immer wieder konfrontiert werden? Oder war es bewusst für dieses Projekt gewählt?

Das wirkliche Thema dieses Stücks ist nicht der Kommunismus oder die Flucht, es ist die Beziehung zwischen den Menschen, zwischen dem Vater und der Mutter, dem Geheimdienstmitglied. Ich finde es spannend, wie sich die Beziehung zwischen den Menschen ändert. Dieses Projekt heißt ja „After the Fall“. Es geht also auch um Sünden und wie man sie wiedergutmachen kann beziehungsweise was man dafür bezahlen muss, um sie wiedergut zu machen.

Haben Sie schon konkrete Vorstellungen, wie das Stück weitergehen soll?

Eine Idee ist, dass der Vater einige Jahre später zurückkommen wird. Er wird allein kommen, weil sie für das kleine Mädchen auch im Ausland keine Medizin finden konnten und es gestorben ist. Und die Mutter hat den Vater verlassen, weil ihre Beziehung über all diesen Problemen zerbrochen ist. Er wird also zurückkommen und auf seinen Sohn treffen, der von seinem Gegner, dem inoffiziellen Geheimdienstmitarbeiter aufgezogen wurde. Die Beziehung dieser drei Männer zueinander interessiert mich. Ob ich das aber wirklich so schreiben werde, weiß ich nicht. Aber das war mein erster Gedanke.

Das Gespräch führten Aimée Torre Brons und Martin Hager.

 

AUDIO-INTERVIEWS MIT DEN AUTOREN UND WORKSHOPLEITERN



Alice Müller
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Ferenc Csuszner
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Márk Péter Vargha
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Anna Lengyel
und László Márton
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TEXTINTERVIEWS MIT: