Der Fälscher

Falsifikator
(Der Fälscher)
von Goran Marković

Falsifikator von Goran Marković © Goethe-Institut
TV SymbolVideo-Reportage „Falsifikator“ in Belgrad

Nur für ihn selber scheint sich plötzlich alles zum Guten zu wenden. Er wird entlassen und darf seine Arbeit wieder aufnehmen. Es stellt sich heraus, dass er nur deshalb verschont wurde, da die Menschen, die über ihn zu urteilen hatten, ebenfalls durch seine falschen Zeugnisse zu ihrer Machtposition gekommen waren und eine Enttarnung fürchteten
Die Welt ist für Anđelko nicht mehr dieselbe wie zuvor. Er wird wieder, nun von seiner Frau, gebeten, Zeugnisse zu fälschen, aber er kann es nicht mehr. Als er plötzlich auch noch einen Orden für „seine Verdienste um das Volk“ bekommen soll, geht er in ein fast menschleeres Kino und sprengt sich dort vor einer Lobrede auf Tito in die Luft.

Das Stück thematisiert den Verlust von sozialen Idealen und Utopien. Es behandelt den Verfall von Moral, der einherging mit der Zerstörung des Glaubens an ein "geeintes Jugoslawien". Der Ursprung für den Zerfall Jugoslawiens lag nach Marković in der Zeit Titos. Diese Meinung teilt sich der Autor mit einem Teil der serbischen Bevölkerung, während für den anderen Teil der Tod Titos zur Spaltung führte. Auf die heutige Situation in Serbien verweist das Stück noch mehr durch die Thematisierung von Verrat und Korruption, die in den heutigen Balkanstaaten immer noch ein großes Problem darstellen. Der neue Staat stützt sich auf ein Fundament, das zum Teil immer noch aus gefälschten Zeugnissen und Urkunden besteht. Ein Zustand, der sich auch in den nächsten Jahren kaum korrigieren lässt. Das Stück weist unaufdringlich über seine eigene historische Begrenztheit hinaus und stellt immanent die Frage: Werden die nachfolgenden Generationen letzten Endes nicht noch schlimmer, weil sie an nichts mehr glauben? Der ältere Sohn, der in die Fälscherfußstapfen seines Vaters tritt, verbindet mit seiner Tätigkeit keinerlei gute Absichten, Idealismus oder moralische Skrupel mehr. Der jüngere Sohn trägt den Vornamen Slobodan, der Familienname ist Milosevic.

Ein Text von Jens Groß