Omflickorkundedöda

Excerpt from „Ifgirlscouldkill“ (Omflickorkundedöda)
by Åsa Lindholm
(in German)

1. Szene
IM KRANKENHAUS

Ein Krankenhaus. Gähnende Leere. Stille. Dann rennt eine KRANKENSCHWESTER durch den Raum, in der Hand einen Eimer, aus dem Wasser überschwappt. Man hört, wie sie den Eimer ausschüttet und man sieht, wie sie wieder zurückgerannt kommt.
Stille.
Dann ist aus der Ferne eine Frau zu hören, die unaufhörlich spricht. Die Stimme nähert sich, bis man TAM hereinkommen sieht, gefolgt von der KRANKENSCHWESTER mit dem Eimer. TAMS Kleidung ist durchnässt und sie drückt sich ein Handtuch auf die Augen.

TAM Nein, wie gesagt, ich habe wirklich keine Ahnung, ich meine, mir ist ja nicht einmal besonders traurig zumute. Verstehen Sie? Also das läuft und läuft, sowas muss doch eine Krankheit sein, oder? Was hat denn der Arzt gesagt? – Ich meine, man weint, wenn man traurig ist, das spürt man doch in der Magengegend. Aber ich spüre nichts, im Herzen, dabei sagt man doch, dass einem das Herz wehtut, wenn man weint. Aber das läuft einfach nur, schon seit zwei Stunden laufen die Tränen, zwei Stunden lang. Die Leute müssen doch denken, ich spinne oder dass hier die schlimmste Tragödie abgeht, nicht wahr, was denn sonst.

DIE KRANKENSCHWESTER Vielleicht setzen Sie sich mal einen Moment hin. Der Arzt kommt gleich.

TAM Ich bin schon ein bisschen gestresst –

DIE KRANKENSCHWESTER Setzen Sie sich bitte hin.

TAM Mein Sohn, Svante. Also, der ist ja nicht hier, ne –

DIE KRANKENSCHWESTER Ach. Nee. Ihr Sohn?

TAM Ich bin mit dem Taxi hergekommen. Dachte, es wäre zu anstrengend für ihn, deshalb bin ich alleine losgefahren, aber jetzt frage ich mich schon, wie lange das hier noch dauern wird.

DIE KRANKENSCHWESTER Wie alt ist er denn?

TAM Drei.

DIE KRANKENSCHWESTER Drei Jahre?

TAM Keine Sorge, Hauptsache, ich bin wieder daheim, bevor die Teletubbies zu Ende sind.

DIE KRANKENSCHWESTER wringt TAMS Handtuch aus.

TAM - Hundertzwanzig Minuten sind auf der Videokassette. Wenn ich es also nach Hause schaffe, bis sie zu Ende ist, verspreche ich Ihnen, dass er nicht einmal gemerkt hat, dass ich weg gewesen bin.

DIE KRANKENSCHWESTER Nein, aber –

TAM Er liebt diese, diese Teletubbies. Sie wissen ja, eins ist grün und eins ist gelb und eins ist rot und eins ist, wie heißt das noch, lila – der Schwule.
Nein, Verzeihung, aber manche halten ihn für homosexuell, diesen, ja wie heißt er denn, Tinky Winky. Die Sendung ist echt bescheuert. Ich glaube nicht, dass er so einer ist, muss wohl an der Farbe liegen oder so, furchtbar. Er sollte doch die Farbe haben können, die er will und so. Jedenfalls spielt das ja keine Rolle, also, dass es schädlich wäre oder so. Wenn Svante sich das anguckt, kann ich andere Dinge erledigen, das ist sehr gut. Vielleicht nicht so gut, wenn er den ganzen Tag lang guckt, aber das macht er eher selten. Nicht, dass es nicht schon vorgekommen wäre, aber nein. Das passiert nur hin und wieder. Schade, dass die Kassette nicht automatisch wieder von vorn beginnen kann, wenn sie zu Ende ist, das wäre doch eine gute Videofunktion, nicht wahr?

DIE KRANKENSCHWESTER Ja, nein, vielleicht –

TAM Was ist denn? Hab ich was Unpassendes gesagt?

DIE KRANKENSCHWESTER Vielleicht sollten wir jemanden anrufen –

TAM Anrufen?

DIE KRANKENSCHWESTER Naja, wenn er allein ist –

TAM Allein ist er nicht. Das habe ich doch gesagt.

DIE KRANKENSCHWESTER Haben Sie? Ach so.

TAM Ja, er ist mit den Teletubbies zusammen, hab ich gesagt.

DIE KRANKENSCHWESTER Setzen Sie sich einfach hin, dann kümmern wir uns darum.

TAM Ich bin ja noch nicht lange allein und werde es wohl auch nicht sehr lange bleiben. Es ist eher nur so zufällig, wenn Sie verstehen.

DIE KRANKENSCHWESTER Ja.

TAM Dieser Tinky Winky, der hatte übrigens früher eine Handtasche, süß, ne? Aber die haben sie ihm dann weggenommen. Ha, jetzt lache ich, obwohl ich weine. Krank, was? Nein, jetzt habe ich das Ganze langsam satt. Was glauben Sie, was der Arzt machen wird? Die Tränenkanäle zumauern? Geht das? Nein, das kann ja nicht gehen, das muss ja gefährlich sein. – Jetzt sind es nur noch dreißig Minuten. Auf der Kassette also.

DIE KRANKENSCHWESTER Haben Sie niemanden, der zu ihm gehen könnte?

TAM Natürlich, logisch. Ich könnte jemanden bitten, zu ihm zu gehen, das kann ich.

DIE KRANKENSCHWESTER Möchten Sie unser Telefon benutzen?

TAM Nein, er kommt schon alleine klar.

DIE KRANKENSCHWESTER wringt das Handtuch aus.

TAM Wieviel Wasser kann man im Körper haben? Ist das nicht gefährlich?

DIE KRANKENSCHWESTER Doch –

TAM Ich weiß nicht, warum das so ist. Ich meine, ich weine, ok. Aber ich bin nicht traurig. Sie behandeln mich die ganze Zeit so, als ob ich traurig wäre, aber das bin ich nicht. Eine Weile habe ich es geglaubt, aber nun spüre ich ja, dass, nein, ich bin hier überhaupt nicht traurig.

DIE KRANKENSCHWESTER Okay.

TAM Sie wissen doch, was ich vorhin gesagt habe, das mit zufällig. Ich habe es nur so dahin gesagt, warum weiß ich auch nicht.

DIE KRANKENSCHWESTER Okay. Das ist okay. Vielleicht sollten Sie einen Schluck Wasser trinken.

TAM Ja, vielleicht hilft das ein wenig.

DIE KRANKENSCHWESTER Das wollen wir hoffen. Dann muss ich wohl jemanden anrufen.

TAM Wieso?

DIE KRANKENSCHWESTER Nun, wenn Sie niemanden anrufen und bitten wollen, sich um Ihren Sohn zu kümmern, dann werde ich es wohl tun müssen.

TAM Nein, das ist nicht nötig!

DIE KRANKENSCHWESTER Das ist völlig in Ordnung, wir sind solche Situationen gewöhnt.

TAM Sehen Sie, jetzt hört es auf!

DIE KRANKENSCHWESTER Von wegen!

TAM Aber es ist viel weniger, auf jeden Fall.

DIE KRANKENSCHWESTER Möchten Sie, dass ich jemanden bitte, bei Ihnen vorbeizufahren und Ihren Sohn zu holen?

TAM Nein!

DIE KRANKENSCHWESTER Momentan geht es Ihnen sehr schlecht. Wichtig ist, dass Sie sich von uns helfen lassen.

TAM Sie denken wohl, ich hab ’ne Schraube locker!

DIE KRANKENSCHWESTER Nein, wie kommen Sie darauf?

TAM Okay. Ich werde jemanden anrufen. Kann ich jemanden anrufen?

DIE KRANKENSCHWESTER Natürlich. Lassen Sie mich nur nachsehen, ob das Büro hier hinten leer ist.

Sie geht weg. Sobald sie gegangen ist, haut TAM ab. DIE KRANKENSCHWESTER kommt zurück.

DIE KRANKENSCHWESTER Nein, aber – Hallo! Wo wollen Sie hin? Bitte kommen Sie zurück!

Sie nimmt den Eimer und rennt nach draußen.