Monika Gintersdorfer, Knut Klaßen

Logobi 4 © Gintersdorfer / Klaßen
”Logobi 4”  Foto: Gintersdorfer / Klaßen
"Logobi 4" Foto: Gintersdorfer / Klaßen

Seit 2005 arbeiten die Regisseurin Monika Gintersdorfer und der bildende Künstler Knut Klaßen an Tanz- und Theaterprojekten zwischen Westafrika und Europa. In gemeinsamer Autorenschaft mit den Performern werden die gesellschaftspolitischen Bedingungen analysiert, die zu spezifischen Ausdrucksformen führen.

Gintersdorfer/Klaßen waren 2009 mit „Othello, c’est qui” Gewinner des Theaterfestivals Impulse. Die „Logobi”-Reihe wurde bei der Tanzplattform Deutschland 2010 gezeigt. Ebenfalls 2010 erhielten sie den George-Tabori-Preis und wurden von der Fachzeitschrift tanz zur Kompanie des Jahres gewählt.

Ihre Arbeiten zeigten sie u.a. beim Donaufestival Krems, bei einer Westafrikatournee des Goethe-Instituts, bei Dance Umbrella London und der Plateforme Contemporaine Kinshasa, Kongo. Ab der Spielzeit 2012/13 sind sie Kompanie in Residence am Theater Bremen.

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Monika Gintersdorfer, Knut Klaßen: Porträt

Man kann sich das Leben so einrichten, dass die Nachrichten vorüberziehen wie Wolken. Gegen die wenigen Regengüsse, die einen selbst treffen, hilft ja auch ein Schirm. Sollte dabei Kunst entstehen, würde sie wohl eher das Klima als das Wetter wiedergeben. Bei Gintersdorfer/Klaßen dagegen stürmt es dauernd. Ihre Produktivität misst sich an der enorm schwankenden politischen Großwetterlage an der Côte d‘Ivoire. Niemand steht still. Die Segel sind die Tänzer von dort, Jean-Claude Dagbo alias DJ Meko etwa oder Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star: ivorische Popgrößen mit schnellen Reaktionen und enormem Tanzhumor – da weht ein anderer Wind, der nicht auf Förderanträge wartet, sondern die politischen Sperenzien etwa der ivorischen Schattenpräsidenten so aufs Korn nimmt, als hätte Shakespeare sie erfunden.

Die Produktivität dieser deutsch-afrikanischen Großfamilie, die unter keinen Doppelnamen passt, ist gnadenlos. Man hat etwas zu sagen, und es muss raus, ran ans Volk, rein ins Theater. Nur zehn Mal im Jahr auf der Bühne: Damit kann man ihnen nicht kommen. Ko-Autorschaft, direkte Publikumsansprache, gern mit Übersetzern, die wunderbar sympathisch kaum Schritt halten können, das ist ihr Markenzeichen, hergestellt aus kalkulierter Wut und einem choreografischen Charme, der Lust macht, auf den Wolken zu reiten.

Arnd Wesemann

Monika Gintersdorfer, Knut Klaßen: Produktionen

Insistieren / Desistieren Reihe (2012)
2–4 Darsteller – 60 min

Jede Minute mit einem Illegalen ist besser als wählen (2011)
5 Darsteller – 90 min

Breaking Performance (2011)
2-4 Darsteller – 60 min

Logobi 01, Logobi 02, Logobi 04, Logobi 05 (2009/10)
2 Darsteller – 60 min

Betrügen (2009)
3 Darsteller – 90 min