Showcase Beat Le Mot

Showcase Beat Le Mot © Showcase Beat Le Mot
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Das heute vierköpfige Performancekollektiv Showcase Beat Le Mot gründete sich 1997 aus den Angewandten Theaterwissenschaften in Gießen heraus. Dieser Studiengang ist mit seinem repräsentationskritischen, theoretisch-analytischen Profil eine Keimzelle der neueren deutschen Postdramatik (aus ihm gingen auch René Pollesch, Gob Squad, She She Pop oder Rimini Protokoll hervor). Showcase Beat Le Mot sind Nikola Duric, Dariusz Kostyra, Thorsten Eibeler und Veit Sprenger (Dr. phil.). Alle Aufführungsskripte, Lieder, Choreographien, Kostüme und Bühnenbilder werden von den Künstlern gemeinsam erarbeitet. Mit bis zu vier neuen Arbeiten pro Jahr gehört die Gruppe zu den eifrigeren Produzenten der Freien Szene. Internationale Kooperationen führten Showcase Beat Le Mot mit dem Nationaltheater Mazedonien in Bitola („Das Leben der Cäsaren“, 2002) und dem Von Krahl Theater Tallinn/Estland („Piraten“, 2003; „EUROPIRAADID“, 2006) zusammen. Die Performer treten in mehreren Musikvideos der Indie-Rockband Kante auf. Seit 2007 arbeiten Showcase Beat Le Mot auch für das Kinder- und Jugendtheater an der Parkaue in Berlin. Mit „Der Räuber Hotzenplotz“ schufen sie hier 2007 eine der bemerkenswertesten Performancearbeiten für die Altersgruppe ab 6 Jahren. Die Inszenierung wurde zum Kinder- und Jugendtheatertreffen „Augenblick mal!“ 2009 eingeladen und erhielt beim Theatertreffen der Freien Szene „Impulse“ 2007 den Preis des Goethe-Instituts.

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Showcase Beat Le Mot: Porträt

Das Herz des Performancekollektivs Showcase Beat Le Mot schlägt für die Gesetzlosen. Sie feiern das Leben der Piraten („Piraten!“, 2003, „EUROPIRAADID“, 2006) oder schicken in ihrer Manga-Serie „Gomune“ (2003/2004) einen einsamen Shogun auf einen blutigen Kreuzzug durch das mythische Japan. Als Wiedertäufer machen sie in „1534“ das frühneuzeitliche Münster unsicher (2010) und als Bremer Stadtmusikanten schlagen sie sich in den Räuber-Wald (2010). Unter der Hand erzählen diese Außenseiterfantasien immer auch vom Leben einer freien Theatergruppe, die sich den Gesetzen des Stadttheaterapparats entziehen will: Sie erzählen vom Streben nach Selbstbestimmung, nach kollektiver Willensbildung und hierarchiefreien Arbeitsprozessen – und von der Lust an unkonventionellen Handlungs- und Ausdrucksformen.

Mithilfe der Outlaw-Mythen werden auch gezielt politische Themen aufgegriffen. „EUROPIRAADID“ (eine Koproduktion mit dem estnischen Von Krahl Theater) verweist als hintersinnige Allegorie auf die Probleme des Spekulantentums und die Defizite demokratischer Machtgestaltung im zusammenwachsenden Europa. In dem breit angelegten Performance-Musical „alarm Hamburg Shanghai“ (2005) wird die jüngere Geschichte Chinas von Mao Tse Tung bis zur Entstehung einer autoritären Marktwirtschaft verarbeitet. Die Showcase-Abende zeigen sich dabei stets als große Flickenteppiche aus selbst geschriebenen Liedern, Choreographien, Videos, Erzähltexten und gelegentlichen Dialogen. In früheren Arbeiten wirkten diese Szenenfolgen oft stärker unverbunden, so als sei das Brainstorming aus dem Probenraum reichlich ungeläutert auf die Bühne gebracht worden. Inzwischen bedienen sich Künstler auch narrativer Bögen, die ihren Stücken wesentlich klarere Konturen und höhere Suggestivität geben.

Entspannt dilettantisch ist der Performancestil von Showcase Beat Le Mot und steckt dabei voller leiser Anspielungen und unterschwelligem Humor. Ihre Choreographien, die oft vom Butoh-Tanz und rituellen Bewegungsformen inspiriert sind, zelebrieren sie mit sprödem Charme. Die selbst geschriebenen Texte sind betont schlicht gehalten und werden eher kindlich akzentuierend aufgesagt denn gesprochen. Es ist ein Theater in Heimwerkermanier, das auch dort auf psychologische Einfühlung verzichtet, wo die Performer Figuren verkörpern. Der Kollektivgedanke ihrer Arbeit setzt sich im Umgang mit dem Publikum fort: In fast allen Stücken erhalten Zuschauer eine Speisung, sei es Spanferkel („EUROPIRAADID“), Sushi („Gomune“) oder Hot Dogs („Der Räuber Hotzenplotz“). Die Künstler verstehen sich als Gastgeber und Gesprächspartner.

Vor vorpubertären Späßen sind Showcase Beat Le Mot noch nie zurückgeschreckt. Im Handicap-Fußballspiel „Offside“ (2000) lassen sie komplett bandagierte Akteure wie Mumien-Mannschaften gegeneinander antreten. Ein Happening zwischen Bewegungsschule und Klamauk (das ins Musikvideo „Die Summe der einzelnen Teile“ von der Indie-Rockband Kante Eingang fand). Folgerichtig dehnt die Gruppe seit 2007 ihre Aktivitäten auch auf den Kinder- und Jugendtheaterbereich aus. Mit dem „Räuber Hotzenplotz“ schufen sie am Berliner Theater an der Parkaue eines der prägenden Werke der neueren Performancekunst für Kinder ab 6 Jahren. In Kostümen aus Holzplatten, mit allerlei Zaubertricks, Mitmach-Liedern und unverkrampfter Publikumsansprache wird Otfried Preußlers klassische Geschichte vom Raub einer Kaffeemühle nacherzählt. Dabei spielen die Performer geschickt mit dem Buchwissen der Kinder, wenn sie die Handlung im Dialog mit ihnen vorantreiben, und legen nebenher die Illusionsmaschine des Theaters offen. Es ist ein Glanzpunkt der Postdramatik.

Vier Arten Theater gebe es, heißt es hintersinnig in einem Lehrstück nach Brecht’scher Art, das im Zentrum von „alarm Hamburg Shanghai“ steht: 1) Theater, das etwas zu sagen hat und schlecht gemacht ist. 2) Theater, das nichts zu sagen hat und gut gemacht ist. 3). Theater, das nichts zu sagen hat und schlecht gemacht ist. Und 4) Theater, das etwas zu sagen hat und gut gemacht ist

Welches Theater mag der Showcase-Held? „Ich mag am liebsten Theater, das etwas zu sagen hat und schlecht gemacht ist. – Denn hier steht die Botschaft am reinsten.“

Christian Rakow

Showcase Beat Le Mot: Produktionen (Auswahl)

Alles
2011, Theater Hebbel am Ufer, Berlin

Paris 1871 Bonjour Commune (im Rahmen des Zyklus „Gescheiterte Revolutionen“)
2010, Hebbel am Ufer, Berlin

Die Bremer Stadtmusikanten
2010 Theater an der Parkaue, Berlin

1534 (im Rahmen des Zyklus „Gescheiterte Revolutionen“)
2010, Hebbel am Ufer, Berlin

Peterchens Mondfahrt
2009, Theater an der Parkaue, Berlin

Vote Zombie Andy Beuyz
2008, Kampnagel, Hamburg

Der Räuber Hotzenplotz
2007, Theater an der Parkaue, Berlin

EUROPIRAADID
2006, Kampnagel, Hamburg

alarm Hamburg Shanghai
2005, Kampnagel, Hamburg

Gomune
2003/2004, Pilotfolge auf Kampnagel, Hamburg

Piraten!
2003, Von Krahl Theater, Tallinn/Estland

Das Leben der Cäsaren
2002, Nationaltheater Mazedonien, Bitola

BURN CITIES BURN
2000, Kampnagel, Hamburg

Grand Slam
1999, Kampnagel, Hamburg

RADAR RADAR nichts ist egal.
1998, Kampnagel, Hamburg

Der Ball fliegt lautlos
1997, Gießen