Hasko Weber

Hasko Weber, Foto: © David GraeterGeboren am 10.12.1963 in Dresden. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung als Maschinen- und Anlagenmonteur, danach von 1985 bis 1989 ein Schauspielstudium an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig. An den Städtischen Bühnen Karl-Marx-Stadt / Chemnitz wurde er 1989 von dem Intendanten Gerhard Meyer als Schauspieler und Regisseur engagiert. Im selben Jahr gründete er dort die „Dramatische Brigade“, die als selbständige Gruppe mit Anbindung an das Schauspielhaus arbeitete und bereits mit ihren ersten Produktionen künstlerisch und politisch Aufsehen erregte. 1990 arbeitete er erstmals am Staatsschauspiel Dresden, wo er für die folgenden zwei Jahre als Schauspieler mit Regieverpflichtung engagiert wurde und 1993 die Position des Schauspieldirektors übernahm (Intendant: Dieter Görne). Acht Jahre lang, bis 2001, prägte er das Ensemble und die Ästhetik des Hauses. Es folgten Arbeiten als freier Regisseur u.a. in Karlsruhe, Saarbrücken und Mannheim. Friedrich Schirmer holte ihn 2002 an das Staatstheater Stuttgart, wo er ein Jahr später Hausregisseur wurde. Seine gefeierte Inszenierung von Ibsens „Brand“ wurde 2002 mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet. In der Spielzeit 2005/06 übernahm Hasko Weber als Nachfolger von Friedrich Schirmer die Schauspielintendanz am Staatstheater Stuttgart, die er bis zum Sommer 2013 innehaben wird.
Ab August 2013 übernimmt er dann das Deutsche Nationaltheater in Weimar.

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Porträt: Hasko Weber

Hasko Weber ist ein Mann, dem es erklärtermaßen darum geht, sein Theater gesellschaftlich zu positionieren, insofern darf man ihn als einen politischen Regisseur bezeichnen. Er wuchs zu DDR-Zeiten in einem Plattenbau bei Dresden auf, der Vater ungelernter Arbeiter, die Mutter Industriekauffrau. „Mein soziales Verständnis“, sagte er, „rührt auch von meiner Herkunft her.“

Weber begann zu Wende-Zeiten als Schauspieler und Regisseur in Chemnitz, dem damaligen Karl-Marx-Stadt, wo er von dem Intendanten Gerhard Meyer eine „solide, realistische Grundlage“ seiner Theaterarbeit erlernte. In Karl-Marx-Stadt gründete Weber die „Dramatische Brigade“, eine Art Revolutionstheater, das lose an das Schauspielhaus angebunden war. Die siebenköpfige Gruppe machte mit subversiven Inszenierungen wie Nigel Williams' „Der Klassenfeind“ oder Kleists „Familie Schroffenstein“ Furore.

Mit 29 Jahren wurde Hasko Weber 1993 Schauspieldirektor am Staatsschauspiel Dresden, wo er bereits seit 1990 gearbeitet hatte, erst als Gast, dann als festes Ensemblemitglied mit Regievertrag. Weber machte sich für ein lebendiges, brisantes, politisch und gesellschaftlich relevantes Theater stark und propagierte die Bühne als einen „Ort authentischer Ereignisse“. Acht Jahre lang prägte er als Ensembleleiter und Regisseur die Ästhetik des Hauses, geschützt und gefördert von dem Intendanten Dieter Görne, dem Weber „Weitsicht, Größe und Stehvermögen in schwierigen Zeiten“ attestiert.

Als Regisseur entwickelte Weber ein Faible für große Entwürfe und sperrige Stoffe, schwerkalibrige Klassiker wie „Hamlet“, „Ödipus“ oder „Wallenstein“, denen er weniger mit Psychologie als mit strengem Formwillen und einer Ästhetik der Klarheit beizukommen trachtete, stets auf der Suche nach den „geronnenen Wahrheiten“ und den „tieferen Zusammenhängen“ in diesen Werken. Nach seiner Beschäftigung mit den Techniken und Wirkungen der Biomechanik Ende der neunziger Jahre wurde Webers Herangehensweise noch formaler, noch asketischer, was sich am extremsten in Ibsens „Brand“ (Staatsschauspiel Stuttgart) und in Hebbels „Nibelungen“(Staatstheater Saarbrücken) niederschlug.

Mit „Brand“, der Geschichte eines fundamentalistischen Gotteskriegers, gelang Weber 2002 in Stuttgart ein triumphaler Erfolg. Er habe ein „fast unspielbares Stück Theatergeschichte mit kargen, einfachen Mitteln grandios wiederbelebt“, urteilte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Weber erzählte den Stoff in Bildern von bezwingender Klarheit und übersetzte das Pathos des Textes in eine eigenwillig expressive Körpersprache. Ein Jahr später zeigte er mit Ibsens „Peer Gynt“ den hedonistischen Gegenentwurf zum fanatischen Glaubenskampf des Pastors Brand: die sagenhafte Irrfahrt eines Aufschneiders und Hasardeurs, von Weber in gerade Bahnen gelenkt, ohne folkloristisches Beiwerk, handwerklich sauber und konzentriert .

Sinnliche Opulenz ist Webers Sache nicht. Lieber kühlt er Stücke aus, reduziert und abstrahiert sie, zeigt sie in asketischer Nüchternheit und Transparenz – um die Herzen um so heftiger glühen zu lassen. Als ein „gefährliches Kraftwerk der Gefühle und Gedanken“ bezeichnete „Die Zeit“ sein Theater. Weber sei der „Vertreter einer neuen Ernsthaftigkeit“.

Ob er Sophokles oder Lessing, Ibsen, Schiller oder Horváth inszeniert: Es sind die Extreme, die Hasko Weber interessieren, die radikalen Standpunkte und ihre gesellschaftlichen Implikationen. Seine Interpretationen entwickelt er aus dem jeweiligen Text heraus, er moralisiert nicht und doziert nicht, stülpt den Stücken kein vorgefertigtes Regiekonzept über. Webers Inszenierungen können daher sehr unterschiedlich anmuten, mal heiter-optimistisch und intim wie sein Märchen-„Nathan“ in Mannheim (mit Jürgen Holtz in der Titelrolle), mal spröde entkernt und öde-materialistisch wie sein Stuttgarter Schmalspur-„Faust“ aus dem Russenmafia-Milieu.

Mit Goethes „Faust I“, einer von sechs Premieren in drei Tagen, startete Weber im Oktober 2005 seine Intendanz am Staatsschauspiel Stuttgart als Nachfolger von Friedrich Schirmer. Goethes Drama bildete leitmotivisch für den modernen Menschen das Zentrum seines ersten Spielplans. Auch das neue Logo des Hauses leitet sich davon ab: eine geballte Faust, die Aufbruch und politischen Kampfgeist signalisiert. Eva Heldrich wurde künstlerische Direktorin, Volker Lösch Hausregisseur. Mit einem ambitionierten, auf Gegenwartsdramatik und Zeitgenossenschaft zielenden Spielplan gelang ihnen gleich in der ersten Saison eine ästhetische Erneuerung. Das Stuttgarter Schauspiel wurde dafür in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ 2006 zum „Theater des Jahres“ gewählt.

Christine Dössel

Inszenierungen - Eine Auswahl

  • Friedrich Schiller "Wallenstein"
    2015, Nationaltheater Weimar
  • Sibylle Berg "Angst reist mit"
    2013, Schauspiel Stuttgart
  • Friedrich Schiller "Don Carlos"
    2012, Staatstheater Stuttgart
  • Oliver Bukowski "Nichts Schöneres"
    2011, Staatstheater Stuttgart
  • Sibylle Berg "Missionen der Schönheit"
    2010, Staatstheater Stuttgart
  • Sibylle Berg "Hauptsache Arbeit !"
    2010, Staatstheater Stuttgart
  • Nach Andrej Tarkowski unter Verwendung von "Der Mann im Fahrstuhl" aus DER AUFTRAG von Heiner Müller / Textfassung von Jörg Bochow und Hasko Weber "Stalker"
    2009, Staatstheater Stuttgart
  • Paul Brodowsky "Regen in Neukölln" (szenische Einrichtung)
    2008, Hamburger Autorentheatertage, Thalia Theater
  • Rainer Werner Fassbinder "Die dritte Generation"
    2007, Staatstheater Stuttgart
  • Bertolt Brecht "Im Dickicht der Städte"
    2007, Staatstheater Stuttgart
  • Martin Heckmanns "Wörter und Körper"
    2007, Staatstheater Stuttgart
  • Henrik Ibsen „Klein Eyolf“
    2006, Staatstheater Stuttgart
  • Johann Wolfgang Goethe „Faust I“
    2005, Staatstheater Stuttgart
  • Samuel Beckett „Warten auf Godot“
    2005, Staatstheater Stuttgart
  • Friedrich Schiller „Die Räuber“
    2004, Berliner Ensemble
  • Ödön von Horváth „Die Bergbahn“
    2004, Staatstheater Stuttgart
  • Henrik Ibsen „Peer Gynt“
    2003, Staatstheater Stuttgart
  • Gotthold Ephraim Lessing „Nathan der Weise“
    2003, Nationaltheater Mannheim
  • William Shakespeare „Der Kaufmann von Venedig“
    2002, Badisches Staatstheater Karlsruhe
  • Henrik Ibsen „Brand“
    2002, Staatstheater Stuttgart, ausgezeichnet mit dem Bayerischen Theaterpreis
  • Bertolt Brecht „Trommeln in der Nacht“
    2000, Staatsschauspiel Dresden
  • Albert Ostermaier, „The Making Of – B-Movie“
    2000, Staatsschauspiel Dresden
  • Friedrich Schiller „Wallenstein I“ und „Wallenstein II“
    1999, Staatsschauspiel Dresden
  • Jewgenij Schwarz „Die verzauberten Brüder“
    1998, Staatsschauspiel Dresden
  • Heiner Müller „Der Auftrag“, William Shakespeare / Heiner Müller „Hamlet mit Hamletmaschine“
    1997, Staatsschauspiel Dresden
  • Gotthold Ephraim Lessing „Emilia Galotti“
    1996, Staatsschauspiel Dresden
  • Anton Tschechow „Die Möwe“
    1995, Staatsschauspiel Dresden
  • Tankred Dorst „Herr Paul“
    1994, Staatsschauspiel Dresden
  • Sophokles „König Ödipus / Ödipus auf Kolonos / Antigone“
    1993, Staatsschauspiel Dresden