Die FolkwangHochschule in Essen und ihr Studiengang Theater / Schauspiel

Das Jubiläumsjahr ist abgeschlossen. 2007 feierte die FolkwangHochschule ihren 80. Geburtstag und publizierte entsprechend „80 gute Gründe“ für den Besuch dieser Akademie der Künste und Wissenschaften.
Im Gründungsjahr 1927 hieß sie freilich noch anders und sehr bescheiden „Folkwangschule für Musik, Tanz und Sprechen“. Seither hat sich nicht nur der Name geändert, sondern auch der Standort. 1945 zog sie in die 1200 Jahre alte Benediktiner-Abtei von Essen-Werden, wo das Institut nach mancherlei Um-, Neu- und Erweiterungsbauten wie dem Preußenflügel und der Weißen Mühle heute noch residiert. Von einem „Elfenbeinturm“ spricht eine der Lehrenden: nahe den pulsierenden Verkehrsadern des Ruhrgebietes, doch fern vom lärmenden Alltagsbetrieb. Für die 900 Studierenden ein idealer Lernort, der in den sechziger Jahren die Ernennung zur Hochschule erhielt und in die Trägerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen genommen wurde.
Sparte Theater
Die Schauspielabteilung ist jüngeren Datums. Sie existiert seit 1956; im Jahr 2000 dann wurde die renommierte Westfälische Schauspielschule Bochum als separater Studiengang integriert und mit seinen eigenen Spielräumen wie der legendären „Zeche Eins“ bewahrt. Die in vier Städten angesiedelte FolkwangHochschule unterhält für ihre fünf Abteilungen Musik – Theater – Tanz – Design – Wissenschaft noch zwei weitere Dependancen, nämlich Duisburg und Dortmund.
Die Sparte Theater selbst weist ebenfalls eine Auffächerung in fünf Disziplinen auf. Im Angebot stehen die Kategorien: Gesang und Musiktheater – Musical – Mime und Körpertheater – Schauspiel – Schauspiel und Regie. Ihnen gemeinsam, so wie Grundsatz der Hochschule insgesamt, ist der Charakter des Internationalen und Interdisziplinären (40 Prozent aller Studenten sind ausländischer Herkunft). Hanns-Dietrich Schmidt, Professor für Regie / Dramaturgie, schwärmt vom einmaligen „Flair“ und der besonderen „Atmosphäre“ und betont, dass neben der Sprache andere Formen der Kommunikation im Lehrplan angestrebt würden. Ein dreiteiliges Shakespeare-Projekt auf Deutsch, Tschechisch und New Yorker Englisch unter Leitung von Brian Michaels etwa veranschaulicht dieses Anliegen, das nicht deshalb an Wirkung verliert, weil dergleichen multinationale Unternehmungen u.a. die Regisseurin Karin Beier bereits in den 90er Jahren an den Schauspielhäusern Düsseldorf und Köln mit Erfolg realisiert hat.
Weit gefasstes Ausbildungskonzept
Zum praxisorientierten Studium, das seine Qualifikation besonders durch konkretes Arbeiten auf der Bühne erwirbt, gehört auch die Anbindung der künftigen Schauspieler an Projekte mit dem Grillo-Theater, also dem Schauspiel Essen unter seinem Intendanten Anselm Weber. Die Regie-Klasse wiederum bekommt eine gemeinsame Grundausbildung mit der Schauspiel-Klasse, um den Weg zum Inszenieren mit Kenntnissen aus dem Prozess des Darstellerischen zu kombinieren.
Wie weit gefasst der Begriff Theater ist, zeigt die autonome Sparte „Mime“. Zum Lehrplan gehören Ausdrucksmöglichkeiten wie Commedia dell’Arte, Clownstheater, chorisches Theater und Slapstick. Der Körper steht und spricht für sich, auch ohne Worte.
Erklärtes Prinzip der FolkwangHochschule ist, Verantwortungs- und Selbstbewusstsein zu initiieren, um nach sechs Semestern glaubwürdige und lebendige Darsteller zu entlassen, die sich im etablierten Theater ebenso zu behaupten wissen wie in der freien Szene oder in den Medien Film, Fernsehen und Rundfunk. Der flexible Künstler bietet in Zeiten der Globalisierung ein brauchbares Profil. Da wird in Essen der Elfenbeinturm durchaus verlassen.
Folglich sucht die 1989 eingerichtete Musical-Klasse mit ihren jeweils sechs Studierenden Kooperationen mit externen Veranstaltern für eine jährlich große Abschluss-Produktion. Diese Kontakte, des weiteren der Zuschnitt auf das individuelle Talent und das breite Spektrum der speziellen Ausbildung, die Singen, Tanzen und Darstellung gleichwertig behandelt, garantieren gute Vermittlung auf dem europäischen „Markt“.
Zu den Alumni, das heißt den Folkwang-Förderern und ehemaligen Absolventen der Hochschule, zählt Pina Bausch. Der Nimbus der Wuppertaler Tanztheater-Chefin zusammen mit dem des einstigen Folkwang-Tanzstudio-Gründers, Kurt Jooss, sorgt bis heute dafür, dass beim Blick auf Folkwang das Genre Tanz immer die erste Assoziation hervorruft. Doch das Schauspiel kann sich daneben sehen lassen, mit prominenten Alumni wie den Theater- und Filmschauspielern Joachim Bissmeier (u. a. Napola – Elite für den Führer), Sibylle Canonica (u.a. Bella Martha), Michael Mendl (u.a. Der Untergang), Hans-Michael Rehberg (u.a. Schindlers Liste) und Armin Rohde (u.a. Keinohrhasen) oder dem Regisseur Hans Neuenfels.
ist Chefredakteur und Mitherausgeber des Magazins K.WEST – das Feuilleton für NRW
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Februar 2008









