deufert + plischke

'DURCHEINANDER', © Simone Steiner
'DURCHEINANDER', © Simone Steiner


Theater als soziale Situation – von der gemeinsamen Probe bis hin zur Aufführung – ist der Motor der choreografischen Form und des künstlerischen Ausdrucks von deufert&plischke. Ihre Arbeiten schreiben sich kollektiv: von der ersten Zusammenarbeit Directory: Europe Endless (2002), in der die fiktive Biografie des Künstlerzwillings entstand, bis zur Zusammenarbeit mit über 20 beteiligten Künstlerinnen und Künstlern entstandenen Arbeit DURCHEINANDER (2015). Dazwischen finden sich Arbeitsserien (die Anarchive I-III, die Entropischen Institute und Emergence Rooms), in denen deufert&plischke ihr Modell eines neuen epischen Theaters entwickeln. Als Gastprofessoren waren sie an verschiedenen Kunsthochschulen tätig und koordinierten mit Alain Franco den Research Cycle bei P.A.R.T.S. in Brüssel.

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Kurzporträt

Im Mittelpunkt der Arbeiten von deufert&plischke stehen die Themen Zeit, Gedächtnis, Mythos und die Frage, wie wir unser Zusammenleben gestalten sollten. Seit über 15 Jahren halten die beiden als Künstlerduo an der radikalen Idee fest, dass die Choreografie in der Lage ist, eine Gesellschaft aufzubauen, statt sie nur abzubilden. Zusammenarbeit und Partizipation sind deshalb für deufert&plischke zentrale Elemente der Methodik, des Arbeitsprozesses und der Performance:
In ihren vielfältigen Werken, seien es choreografische Darbietungen, Vorträge oder Ausstellungen, findet Theater nur insoweit statt, wie es von allen Beteiligten – Kunstschaffenden und Zuschauenden – im Augenblick der Aufführung gemeinsam erschaffen werden kann. In den letzten zwei Jahren haben deufert&plischke die Ankunft eines „neuen epischen Theaters“ verkündet, das Brechts Idee im Licht des postdramatischen Theaters betrachtet.

Dieses Theater verwebt das Sinnliche mit dem Intellektuellen durch die Unmittelbarkeit von Körper, Stimme und Gemeinschaft. Es entfaltet sich als ein Umfeld, in dem Wahlmöglichkeit und Verbindlichkeit für alle gelten, wo das Politische dem Theaterakt innewohnt und die Kunst als notwendiger Exzess verteidigt wird. In ihrer unablässigen Suche nach erweiterten Konzepten der (sozialen) Choreografie haben deufert&plischke neuerdings ihre Aufmerksamkeit dem Briefeschreiben zugewandt – einem im digitalen Zeitalter nostalgischen Medium, einer einst privaten, jetzt öffentlich gemachten Handlung. Die Reihe, die mit dem Brief an John Cage von Valda Setterfield beginnt und mit dem Brechtbrief von HansThies Lehmann und Helene Varopoulou weitergeht, wurde zeitgleich mit deufert&plischkes letzten beiden Premieren veröffentlicht und wird im Zuge kommender Arbeiten weitergeführt werden.
Kareth Schaffer

Produktionen seit 2014

SichStellen (2014)

InsTanzen (2014)

Niemandszeit (2014)

EinSehen (2015)

DURCHEINANDER (2015)

nsTanzen plus (2015)