Kurzporträt

Meine Stücke sind mein Statement.

Marco Goecke


Schwer vorzustellen, dass Marco Goecke eines Tages dem Tanz den Rücken kehrt, wie er immer mal wieder erklärt. Schließlich kennt keiner die Kehrseiten seiner Tänzer besser, und niemand setzt den Körper seiner Kunst so kompromisslos aus wie er. Was Wunder, wenn seine Stücke zu zerbrechen drohen, und die Tänzer in „Sweet Sweet Sweet“ oder „Beautiful Freak“ wie leibhaftige Elementarteilchen der Choreografie agieren. Goecke geht den Gefühlen auf den Grund, und diese Arbeit an der Basis des Balletts kann für den Betrachter schmerzhaft sein und zugleich seltsam schön. Abgründig schwarz ist sie in jedem Fall. Schließlich taucht der neue Haus-Choreograf des Stuttgarter Balletts mit dem Mut eines Verzweifelten in die Schattenseiten des Lebens ein – um zu entdecken, welche Ausdrucksfülle allein schon ein nackter Oberkörper besitzt: Er kann einem von allem erzählen, von Konflikten und Katastrophen, Lust und Liebe. Man muss ihn nur ins rechte Licht setzen – und dabei so ehrlich und effektiv zu Werke gehen wie Marco Goecke.

Hartmut Regitz