Paula Rosolen

'Aerobics! – Ein Ballett in 3 Akten', © Laurent Philippe
'Aerobics! – Ein Ballett in 3 Akten', © Laurent Philippe
'Aerobics! – Ein Ballett in 3 Akten', © Laurent Philippe


Paula Rosolen studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und absolvierte ein Masterstudium in Choreografie und Performance an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Mit ihren Arbeiten Die Farce der Suche (2010), Libretto (2012) und Piano Men (ein TANZFONDS ERBE Projekt, 2013) untersucht sie seit 2010 die Beziehung zwischen Dokumentartheater, Oral History und Tanz.
Rosolen arbeitet mit dem Ziel, den in populärer Kultur und alltäglichen Aktivitäten innewohnenden Tanz sichtbar zu machen. Aus dieser Arbeitsweise heraus entstand Aerobics! – Ein Ballett in 3 Akten, eine deutsch-französische Koproduktion zwischen Théâtre de la Ville, Mousonturm, Sophiensæle und Musée de la Danse. Sie gründete ihre Kompanie Haptic Hide, um verschiedene Arten von künstlerischen Projekten zu entwickeln. Derzeit arbeitet sie an einem neuen Stück als Artist- in-Residence an der Villa Kamogawa in Kyoto.

Zur Tanzplattform Deutschland 2016 eingeladen mit Aerobics! – A Ballet in 3 Acts (2015)

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Kurzporträt

'Aerobics! – Ein Ballett in 3 Akten', © Laurent PhilippePaula Rosolen steht für Perspektivwechsel. In ihren Stücken blickt die aus Argentinien stammende Frankfurter Choreografin hinter die Kulissen des Tanzes. Nach einem Studium in Buenos Aires, das Tanz auf eher klassische Art in Angriff nahm, änderte sie in Deutschland, im Laufe ihres Studiums in Gießen, ihren Blickwinkel und begann, über Feldforschung und dokumentarische Ansätze für Überraschungsmomente in der Tanzlandschaft zu sorgen. Ihr Duo Piano Men (2013) beleuchtet die Tanzkunst aus der Sicht von Pianisten, die Ballettunterricht begleiten. Der Tanzboden im Zentrum bleibt leer. Rosolen lenkt den Blick des Publikums auf Bereiche, die sonst verborgen bleiben. So auch in Die Farce der Suche (2010) über die Tanzpionierin Renate Schottelius. Rosolens sehr analytische Stücke sind Reflexionen über den Menschen in der Tanzwelt und werden gerade wegen dieser Distanz von Ironie und Humor getragen. So in Libretto (2011), für das sie die Produktionsweise des Musicalbetriebs erkundete und dann auf die Bühne brachte. Immer wieder erweitert Rosolen den Choreografie-Begriff auf benachbarte Felder.

Kein Wunder, dass sie 2014 mit ihrer jüngsten Produktion Aerobics! den Wettbewerb Danse élargie (erweiterter Tanz) im Pariser Théâtre de la Ville gewann. Da bildet sie aus Jane Fondas Fitnesspraxis der 1980er-Jahre ein kollektives Abenteuer, das aus individuellem Körpertraining ein Corps de ballet formt. Aerobics! hinterfragt nicht nur das Bewegungsvokabular, sondern zusätzlich den Geist des in Popversion neu erwachenden Körperkults. Und auch hier darf gelacht werden.
Thomas Hahn

Produktionen seit 2014

'Aerobics! – Ein Ballett in 3 Akten', © Laurent PhilippeAerobics! (Danse élargie version) (2014)

Aerobics! – A Ballet in 3 Acts (2015)

Puppets (working title) (2016)