Globalisierung
Mit dem Begriff „Globalisierung“ wird vor allem die zunehmende, grenzüberschreitende Vernetzung der Welt in wirtschaftlicher, politischer und symbolischer Hinsicht bezeichnet. In Zusammenhang mit beschleunigenden Transport- und Kommunikationstechnologien wird Globalisierung häufig als zeitgenössisches Phänomen verstanden, obwohl sie aufgrund von Mobilitätsprozessen historisch schon immer stattgefunden hat. Spezifisch für zeitgenössische Globalisierungsprozesse sind vervielfältigte Raum-Zeit-Erfahrungen und -bezüge, weshalb häufig von Enträumlichungs- und Fragmentierungsprozessen die Rede ist. Globalisierung verläuft nicht geplant, fortschreitend oder vorhersehbar, sondern entwickelt sich aus unterschiedlichen, unter Umständen auch gegenläufigen Tendenzen. Globalisierung bedeutet aber auch ein Gefüge ungleicher und unterschiedlicher Machtbeziehungen von hierarchisch organisierten Räumen, da die Art und Reichweite von Globalisierung nicht gleich verteilt ist.
Das Differenzieren zwischen Lokalität und Globalisierung scheint haltlos, da sich das Globalisierte erst im Lokalen realisiert und wiederum auf Globalisierungsprozesse wirkt. So ist es sinnvoller, von einem erweiterten Raumkonzept auszugehen, nach dem Orte keine klar definierte Territorialität aufweisen, sondern sich – auch über Entfernungen hinweg – durch soziokulturelle Bezüge verwirklichen. Da Orte identitätsbezogen aufgeladen sind, häufig aber nicht mit den aktuellen Lebensräumen zusammenfallen, spricht der Ethnologe Arjun Appadurai in Zusammenhang mit Migration von sog. "Ethnoscapes" im Sinne von entterritorialisierten "Ethnoräumen", die sich durch Transnationalisierungsprozesse, Erfahrungen, Imaginationen und das Handeln von – migrantischen – Akteuren bilden. Paradoxerweise wird Migration selten im Kontext von Globalisierungsprozessen diskutiert, weder als auslösendes, noch als implizites Phänomen.











