Mücahit (Izmir)
Mücahit ist ein Meister der Worte. Der Möbelschreiner gewinnt seine Kunden nicht nur durch das besondere Geschick seiner Hände, sondern auch mit seiner Sprache. Dies kam Döne während ihres Urlaubs in Bodrum zu Ohren. Neugierig geworden, suchte sie den begabten Handwerker in seiner Werkstatt auf. Was denn ein Schuhschrank kosten solle, wollte die junge Frau wissen. Als er ihr den Preis nannte, lehnte sie ab und bot ihm neckend 10 bis 15 Euro. Mücahit fühlte sich gekränkt. Seine Arbeit sollte nicht mehr wert sein? Zwei Tage später wurde er für einen Auftrag zu jemandem nach Hause bestellt. Wie groß war seine Überraschung, als er erneut seiner frechen Kundin gegenüberstand. Döne hatte nämlich Gefallen an dem sprachgewandten Schreiner gefunden. Mit seiner E-Mail- Adresse im Gepäck flog sie zurück nach Deutschland. Ein Jahr später, an einem Julitag, feierten sie in Bodrum Hochzeit. Und so lebten die beiden glücklich und zufrieden … Aber wo?
Mücahit liebte seine Stadt und das Meer und hatte sein gut gehendes Geschäft. Döne jedoch lebte seit ihrem vierten Lebensjahr in Deutschland, ein Leben in der Türkei konnte sie sich nicht mehr vorstellen. Schließlich gab Mücahit nach. Im Türkischen jongliert Mücahit die Worte wie bunte Bälle. „Wenn man eine Sprache nicht beherrscht, vertrauen einem die Menschen nicht“, sagt er. Deshalb will er nun ein Jongleur des Deutschen werden. Viele seiner Verwandten seien ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland gegangen. „Sie waren taub und blind“, meint Mücahit. Er möchte es anders machen, sich integrieren und nicht zu sehr an seiner Kultur festhalten. Nachdem er das Geschäft an seinen Bruder übergeben hat, beginnt Mücahit ein Jahr nach der Hochzeit mit dem Sprachkurs, wohnt dafür in einem Hotel in Izmir. Mit seiner Frau telefoniert er jeden Tag.
„Nimm nur deine Kleider mit, sonst brauchst du nichts“, rät ihm Döne. Und so geht Mücahit seiner neuen Heimat entgegen, mit wenig Gepäck, aber dafür mit viel Offenheit und Neugierde.







