Vorwort der Buchausgabe

Vorwort von Prof. Dr. h.c. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts

© Goethe-Institut/Mirko Krizanovic
© Goethe-Institut/Mirko Krizanovic
Seit August 2007 verlangt der deutsche Gesetzgeber von nachziehenden Ehepartnern aus Drittstaaten, dass sie vor Genehmigung ihrer Einreise nach Deutschland einfache Kenntnisse der deutschen Sprache nachweisen. Eine Möglichkeit, diesen Nachweis zu erbringen, ist die Prüfung „Start Deutsch 1“ des Goethe-Instituts.

Unsere langjährige Erfahrung mit Sprachkurs- und Fortbildungsangeboten im Bereich Deutsch als Zweitsprache wie auch unser Engagement bei der Entwicklung des Rahmencurriculums für Integrationskurse in Deutschland und ihrer Abschlussprüfung, dem Deutschtest für Zuwanderer, waren eine gute Basis, um im Ausland schnell auf die neue Regelung und ihrer Konsequenzen zu reagieren. Dazu wurde es notwendig, unsere Kurs- und Prüfungsangebote an die besonderen Bedürfnisse der neuen Zielgruppe der nachziehenden Ehegatten anzupassen. Lernten bisher im Wesentlichen Akademiker an unseren Instituten, so interessieren sich nun Menschen mit unterschiedlichen Ausbildungshintergründen und teils geringen Erfahrungen im Erlernen einer Fremdsprache für unsere Kurse. Informations- und Beratungsangebote wurden verstärkt nachgefragt, sodass wir auch hier ausweiten und zum Teil umdenken mussten. An manchen Orten stießen wir schnell an unsere personellen und räumlichen Grenzen. Die Goethe-Institute stockten in der Folge ihr Personal auf, qualifizierten es für die neuen Aufgaben und mieteten mancherorts zusätzliche Unterrichtsräume an. In vielen Ländern bauten wir neue Partnerstrukturen auf, um die Nachfrage nach Deutschkursen und -prüfungen flächendeckend erfüllen zu können. Im Rückblick betrachtet waren die letzten Jahre auch für das Goethe-Institut ein intensiver Lernprozess. Inzwischen wurde die einstige Neuerung zum Regelfall: Vorintegrative Sprach-, Prüfungs- und Zusatzangebote gehören zum Standardrepertoire.

Deutsch lernen kann für Zuwanderer Vieles bewirken. Es vermittelt eine Ahnung von der neugewählten Heimat und seinen Bewohnern. Vor allem aber hilft es bei der Integration. Aber die gesetzliche Regelung stellt die Ehepartner auch vor verschiedene persönliche Herausforderungen. Das Verfahren um die Einreisegenehmigung verlängert sich, es kommen finanzielle Aspekte dazu und natürlich die Herausforderung, sich mit einer neuen Sprache auseinanderzusetzen.

Seit Einführung der gesetzlichen Regelung haben nunmehr rund 170.000 Menschen die „Start Deutsch 1“ Prüfung als Voraussetzung zum Erhalt eines Visums abgelegt: Einhundertsiebzigtausend Menschen, die hofften, mit Bestehen der Prüfung ihrem Ziel, sich eine gemeinsame Zukunft mit ihrem Ehepartner in Deutschland aufzubauen, ein Stück näher zu kommen. 62% haben schließlich die Prüfung mit Erfolg abgelegt. Unter den Kursteilnehmenden des Goethe-Instituts lag die Bestehensquote sogar bei 74% – eine Bestätigung für unsere bisherige Spracharbeit mit der Zielgruppe der nachziehenden Ehegatten, zumal die Bestehensquote an unseren Instituten seit der Änderung des Zuwanderungsgesetzes von Jahr zu Jahr gestiegen ist.

Jedoch verraten uns diese Zahlen nicht, wer diese Menschen wirklich sind, wie sie die Zeit vor und nach der Prüfung erlebt, welche Mühen sie auf sich genommen und vor allem, was sie für sich und ihr neues Leben in Deutschland in unseren Kursen tatsächlich gelernt haben. Aus diesem Grund und auch aus Neugier, welche Liebes- und Lebensgeschichten sich wohl hinter den vielen Zahlen in den Statistiken verbergen, haben wir uns auf Spurensuche in Izmir, Casablanca, Yaoundé, Sarajevo, Bangkok und auch Deutschland begeben. Gefunden haben wir teils erstaunliche und teils berührende Geschichten von Menschen, die sich aus unterschiedlichen Beweggründen und manchmal schweren Herzens dazu entschlossen haben, ihrer Heimat den Rücken zu kehren für eine gemeinsame Zukunft mit ihrem Partner in Deutschland.

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