Zuwanderer auf Deutschland vorbereiten – Integration erleichtern
Seit Jahrzehnten ist das Goethe-Institut weltweit Anlaufstelle für all diejenigen, die sich auf einen kürzeren oder längeren Aufenthalt in Deutschland vorbereiten wollen. Vor diesem Hintergrund setzt das Goethe-Institut seit der Gesetzesnovelle 2007 seine Erfahrungen und Kompetenzen auch bei der Vorbereitung der Menschen ein, die im Rahmen der Familienzusammenführung zu ihrem in Deutschland lebenden Partner ziehen wollen und dafür einen Sprachnachweis auf A1-Niveau erbringen müssen. Für die Spracharbeit des Goethe-Instituts im Ausland bedeutete dies, sich auf neue Zielgruppen einzustellen, die die Zielsprache Deutsch in anderen Lebenskontexten in Deutschland einsetzen werden als etwa ein Wissenschaftler, der für ein Forschungssemester nach Deutschland kommt. Hilfreich waren hier vor allem die langjährigen Erfahrungen des Goethe-Instituts in Deutschland im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Mit der vorintegrativen Sprachförderung bot sich dem Goethe- Institut die Chance, sein Engagement bei der Unterstützung von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland mit der Förderung von Zuwanderern bereits im Herkunftsland zu verbinden und so für beide Arbeitsbereiche Synergien zu erzielen.
Die Herausforderung für unsere Arbeit besteht vor allem darin, den obligatorischen Sprachnachweis nicht zu einer bürokratischen, die Lebensplanung vieler Menschen zerstörenden Hürde werden zu lassen, sondern vielmehr die damit verbundene Chance zu nutzen, bereits im Herkunftsland einen wichtigen Beitrag zu einer gelungenen späteren Integration in Deutschland zu leisten. Unter anderem mit Mitteln des Europäischen Integrationsfonds (EIF) und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) entwickelte das Goethe-Institut in den Jahren nach 2007 eine breite Palette von speziell auf die Bedürfnisse der neuen Zielgruppe angepassten Angeboten im sprachlichen und außersprachlichen Bereich (Näheres dazu auf den beiden folgenden Doppelseiten). Geleitet wurden wir dabei von der Überzeugung, dass man weit über die Vermittlung eines ersten Kontakts zur deutschen Sprache hinausgehen muss, um bereits im Herkunftsland einen ersten Schritt in Richtung Integration in Deutschland zu gehen. Die Teilnehmer erwerben sowohl in den Kursen als auch in den zielgruppenspezifischen, kostenfreien Zusatzangeboten grundlegende praxisorientierte Kenntnisse über das Leben in Deutschland. Sie machen vielleicht seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder die Erfahrung, wie es ist, in einer Klasse mit einem Lehrer zu lernen. Sie haben die Gelegenheit, sich mit anderen, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, auszutauschen und sich so sehr konkret auf das, was sie in Deutschland erwartet, vorzubereiten. Ob es ihnen später tatsächlich gelingt, sich nach ihrer Ankunft in Deutschland zu integrieren, wird von weiteren Faktoren abhängen. Ein guter Anfang ist in jedem Fall gemacht.
Das Engagement des Goethe-Instituts hat sich gelohnt. Es ist gelungen, wesentlich dazu beizutragen, dass die Zahl der erteilten Visa mit jährlich etwa 40.000 heute annähernd wieder den Stand erreicht hat, den sie vor der Einführung des obligatorischen Sprachnachweises hatte. Dennoch bleibt unumstritten, dass der obligatorische Sprachnachweis für Einzelne, die die Prüfung nicht oder nur unter allzu großen persönlichen Anstrengungen schaffen und die keine Härtefallregelungen für sich in Anspruch nehmen können, dramatische Folgen haben kann. Durch die Qualität und Ernsthaftigkeit seines Engagements versucht das Goethe-Institut, die Zahl dieser Menschen so gering wie möglich zu halten. Geleitet wird es dabei auch von der Überzeugung, dass es keine Option darstellt, sich aus diesem Handlungsfeld zurückzuziehen und diejenigen, die auf Unterstützung angewiesen sind, sich selbst zu überlassen. Und auch nach Ablegen der Sprachprüfung ist es dem Goethe-Institut ein Anliegen, die Zuwanderer zu unterstützen. Wie kann gewährleistet werden, dass die einmal erworbenen Kenntnisse nach Ablegen der Prüfung im Heimatland in den Monaten, die bis zur Einreise in Deutschland vergehen, nicht wieder in Vergessenheit geraten, sodass die Zuwanderer dann im Integrationskurs in Deutschland wieder bei null anfangen müssen? Und wie können sich die Absolventen der Prüfung auch schon vor der Einreise weiterhin aktiv auf das Leben in Deutschland vorbereiten?
Eine im Jahr 2011 durchgeführte Untersuchung des Goethe-Instituts (gefördert durch EIF und BAMF) belegt nun erstmals, dass in der Tat die Gefahr besteht, dass der Sprachstand der Zuwanderer während der langen Zeitspanne zwischen Ablegen der Prüfung im Heimatland und Integrationskursbeginn erheblich absinkt. Die meisten beginnen im Integrationskurs wieder ganz von vorn. Wenn es aus verschiedenen Gründen nicht realistisch erscheint, diesen Zeitraum wesentlich zu verkürzen, dann ist es von entscheidender Bedeutung, den Ehegatten für diesen Zeitraum mehr als bisher Angebote zur Erhaltung des Sprachstands sowie Informations- und Beratungsangebote für das künftige Leben in Deutschland zu machen. Weiterhin erscheint es sehr sinnvoll, den ersten Kontakt, den die Teilnehmer in ihren Kursen mit Deutschland geknüpft haben, nicht abreißen zu lassen, sodass der Einstieg in Deutschland möglichst glatt verläuft.
Das Goethe-Institut legt daher in den kommenden Jahren einen Schwerpunkt seiner Aktivitäten darauf, Angebote für den Übergang zu schaffen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer digitalen Plattform speziell für diese Zielgruppe mit Lern-, Informations-, Kommunikations- und Beratungsangeboten. Unter anderem wird diese Plattform vernetzt sein mit entsprechenden Informationsportalen aus Deutschland. Noch während ihres Kurses am Goethe-Institut sollen die Teilnehmer an die Plattform herangeführt werden, sodass sie sie nach Beendigung des Kurses in der „Übergangszeit“ eigenständig zum Lernen, zur Information über den Alltag in Deutschland oder ganz einfach zum Austausch mit anderen nutzen können.
Goethe-Institut, Projekt Sprache und Integration







