Integrationskurse

Was verbirgt sich dahinter?

Gesetzbuch. Foto/Copyright: Freelancer0111/pixelio.deDie 2005 eingeführten Integrationskurse sollen die sprachliche Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern in Deutschland verbessern und erleichtern.

Die Paragrafen 43–45 des Aufenthaltsgesetzes bilden dafür die rechtliche Grundlage; dort heißt es:

„Ziel des Integrationskurses ist, den Ausländern die Sprache, die Rechtsordnung, die Kultur und die Geschichte in Deutschland erfolgreich zu vermitteln. Ausländer sollen dadurch mit den Lebensverhältnissen im Bundesgebiet so weit vertraut werden, dass sie ohne die Hilfe oder Vermittlung Dritter in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens selbständig handeln können.“

Zwei Kursteile

Der Integrationskurs besteht aus zwei Teilen: einem Sprach- und einem Orientierungskurs. Im Sprachkurs wird Deutsch als Zweitsprache unterrichtet. Im Orientierungskurs geht es vertiefend um Rechtsordnung, Kultur und Geschichte. Insgesamt dauert der Integrationskurs in der Regel 660 Unterrichtsstunden. Vollzeit- und Teilzeitkurse sind möglich.

Teilnahme

Der Integrationskurs richtet sich sowohl an Neuankömmlinge als auch an Menschen, die schon länger in Deutschland leben, aber bisher nur unzureichend Deutsch gelernt haben. Zuwandernde können freiwillig teilnehmen, brauchen dafür aber eine Berechtigung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die Ausländerbehörde oder die Agentur für Arbeit können sie auch zur Teilnahme verpflichten. Die Teilnahme kostet 1,20 Euro pro Unterrichtsstunde, also in der Regel insgesamt 792 Euro. Wer Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe erhält, wird von den Kosten befreit.

Kurse für spezielle Bedürfnisse

Integrationskurs © Heinz Blumensath, www.e-motion-film.deNach Einführung der Integrationskurse stellte sich bald heraus, dass die allgemeinen Kurse nicht immer den Bedürfnissen aller Teilnehmenden gerecht werden. Ihre Lernerfahrungen und ihre Vorkenntnisse in Deutsch sind sehr verschieden In den ersten Kursen saßen oft Ältere neben Jugendlichen, langjährig in Deutschland Lebende neben Neuankömmlingen, Analphabeten neben Akademikern.

Deshalb gibt es seit 2007 auch sogenannte spezielle Integrationskurse, bei denen der Sprachkurs 900 Unterrichtsstunden umfasst. Sie sind auf die besonderen Bedürfnisse bestimmter Gruppen wie Jugendliche, Frauen, Eltern oder Teilnehmende, die die lateinische Schrift unzureichend beherrschen, ausgerichtet. Außerdem bieten viele Kursanbieter für erfahrene Sprachlerner Intensivkurse an, deren Sprachkurs nur 400 Unterrichtseinheiten umfasst.

Neuregelung von Sprachkursen und Lehrkräftequalifizierungen

Sowohl die Kurse als auch die Qualifizierung der Lehrkräfte für Integrationskurse werden seit dem Jahr 2005 federführend durch das BAMF koordiniert. Inzwischen werden die Integrationskurse von etwa 1800 zugelassenen, öffentlichen und privaten Trägern wie zum Beispiel den Volkshochschulen im Auftrag des BAMF durchgeführt. Auch das Goethe-Institut bietet in seinem Fachbereich „Fortbildung und Bildungskooperation“ im Rahmen der Lehrkräftefortbildung einige Integrationskurse an.

Um in diesen Kursen unterrichten zu können, müssen Lehrkräfte eine bestimmte Qualifikation vorweisen. Sollten sie diese noch nicht besitzen, können sie eine durch das BAMF in Auftrag gegebene und vom Goethe-Institut erarbeitete „Zusatzqualifizierung für Lehrkräfte in Integrationskursen“ besuchen. Die Zusatzqualifizierung für Lehrkräfte wird von knapp 20 zugelassenen Institutionen angeboten – einschließlich des Goethe-Instituts.

Ergänzend zur allgemeinen Zusatzqualifizierung für den Sprachkurs gibt es optionale Qualifizierungsangebote für den Unterricht in Integrationskursen mit Alphabetisierung und bald auch ein Qualifizierungsangebot für den Orientierungskurs. Derzeit erarbeitet das Goethe-Institut eine Konzeption für eine „Zusatzqualifizierung für Lehrkräfte im Orientierungskurs“ und wird diese dann auch selbst als Seminarformat in 30 Unterrichtseinheiten anbieten.

Rahmencurriculum und Deutsch-Test für Zuwanderer

Seit dem Jahr 2007 gibt es auch curriculare Grundlagen für die Integrationskurse in Form des Rahmencurriculums für Integrationskurse (RCC). Dieses wurde zusammen mit dem Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) vom Bundesministerium des Innern in Auftrag gegeben und durch das Goethe-Institut entwickelt. Die Entwicklung des DTZ erfolgte gemeinsam mit der telc GmbH. Dieser skalierte Test dient seit Juli 2009 als Abschlussprüfung für alle Integrationskurse deutschlandweit. Er prüft, ob ein Teilnehmender das Niveau B1 oder das Niveau A2 des GeR erreicht hat.

Bewertungskommission

Zur fachlichen Begleitung und Bewertung der Inhalte der Integrationskurse und deren Komponenten wurde eine Bewertungskommission eingerichtet, die sich aus der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Vertretern der Bundesregierung, des BAMF, der Bundesländer und kommunaler Spitzenverbände sowie aus Wissenschaftlern und Experten aus der Praxis zusammensetzt. Darunter ist auch das Goethe-Institut.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
August 2009

Foto „Gesetzbuch“ © Freelancer0111 / PIXELIO

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