Migrationsgeschichte(n)

„Vielfalt ist sehr reizvoll“ – im Gespräch mit Célia Šašić

© 1. FFC Frankfurt

Célia Šašić war bis 2015 Stürmerin für die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft. Sie wurde nicht nur zu Deutschlands sondern auch zu Europas Fußballerin des Jahres 2015 gewählt und erhielt davor schon einige Preise für ihre ausgezeichneten Leistungen. Ihr Ausstieg aus dem Fußballbusiness hat alle sehr überrascht. Seit 2010 engagiert sich Šašić als DFB-Integrationsbotschafterin.

Man spricht häufig von typisch deutschem, typisch italienischem oder typisch britischem Fußball. Dabei ist meistens der Männerfußball gemeint. Gibt es im Frauenfußball auch solche Unterscheidungen? Und was wären dann die Tugenden des deutschen Frauenfußballs?
 
Diese Unterscheidungen sind im Männer- wie Frauenfußball gleich. In den meisten Verbänden oder Ländern gibt es eine Philosophie bzw. Vorstellung von Fußball, die in der Regel länder- bzw. kulturspezifisch und nicht am Geschlecht fest zu machen ist.  Die deutschen Frauen spielen typisch deutsch und die Italienerinnen eben italienisch genauso wie die Männermannschaften.
 
Foto: Dominik KaesbergSie konnten durch Ihre persönlichen Leistungen im Sport einige große Erfolge feiern. Zweimal waren Sie schon deutsche Fußballerin des Jahres und 2015 sind Sie sogar Fußballerin Europas geworden. Für uns kam Ihr Rücktritt aus dem aktiven Fußballgeschäft ziemlich überraschend. Sie sind im besten Fußballerinnenalter. Was hat Sie bewegt, Ihre Fußballkarriere mit nur 27 Jahren zu beenden?
 
Das werde ich oft gefragt und meine Antwort ist immer dieselbe geblieben. Nach einem Jahrzehnt sehr erfolgreicher Karriere wollte ich mich nun einfach anderen Dingen im Leben widmen. Ich freue mich nun mit der Geburt meines ersten Kindes auf die neue Herausforderung, die auf mich wartet. Trotz allem war es eine unglaubliche Zeit, die ich niemals vergessen werde und mich zu dem gemacht hat, was ich bin.
 
Foto: Dominik Kaesberg„Nie mehr Fußball: Célia Sasic hat ihre Karriere beendet“ schreibt SpiegelOnline am 16.07.2015. Ist dem wirklich so? Mit einem Fußballspieler und –trainer als Schwiegervater und einem Fußballspieler als Ehemann entkommt man dem Fußball nicht so leicht. Welche Rolle wird der Fußball in Ihrem zukünftigen Leben spielen?
 
Fußball ist und wird immer Teil meines Lebens sein. Ich liebe dieses Spiel. Und nur, weil ich nicht mehr auf der Profiebene selber spiele, heißt das nicht, dass Fußball bei mir keine Rolle mehr spielt. Ich würde mich freuen, wenn ich auch in Zukunft weiterhin im Fußball in einer anderen Rolle aktiv sein kann.
 
Die deutsche Bundesliga ist sehr multikulturell. In den Männerteams spielen Fußballer aus aller Welt. Das ist bei den Frauen mittlerweile auch so. Sehen Sie darin eher Vor- oder Nachteile? Wird damit nicht verwischt, was die nationalen Tugenden von Mannschaften ausmacht?
 
Foto: Dominik Kaesberg

Grundsätzlich sehe ich es immer als Vorteil an, wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen auf einander treffen, da jeder einzelne davon nur profitieren kann und Dinge entstehen, die sonst nicht möglich wären. Diese Vielfalt ist sehr reizvoll und es hat mir persönlich immer riesen Spaß gemacht mit ausländischen Spielerinnen zu spielen. Und nur weil man seinen Horizont ein wenig erweitert, heißt das nicht, dass man sich selber nicht mehr treu ist oder irgendwelche Tugenden vernachlässigt.

Kennen Sie  neben unserem berühmten Nationaltorwart und Keeper von Arsenal, Petr Čech, noch weitere tschechische Fußballer und Fußballerinnen? Welche Erfahrungen haben Sie mit dem tschechischen Fußball gemacht?
 
Ja, natürlich. Da fallen mir spontan noch Pavel Nedved, Tomas Rosicky, Jan Koller, Milan Baros und Poborsky ein. Alles Spieler, die international sehr erfolgreich waren. Leider kenne ich aber keine tschechische Fußballerin und habe auch noch nie gegen die tschechische Nationalmannschaft spielen dürfen.
 
Die Fragen stellte Teresa Weiser, Praktikantin am Goethe-Institut Tschechien.

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