Bildung und Sprache

Sprache(n) lernen in der Kita

Zahlreiche Projekt sollen die sprachlichen Fähigkeiten von Kinder aus Zuwandererfamilien stärken.  Foto: fatihhoca © iStockphotoZahlreiche Projekt sollen die sprachlichen Fähigkeiten von Kinder aus Zuwandererfamilien stärken.  Foto: fatihhoca © iStockphotoKinder aus Zuwandererfamilien hören und sprechen zu Hause häufig die Sprachen ihrer Eltern, während sie in Kita und Schule ein deutschsprachiges Umfeld erwartet. Um die sprachlichen Fähigkeiten dieser Kinder zu stärken, wurden zahlreiche Projekte initiiert.

Viele Kinder sprechen noch gar kein Deutsch, wenn sie mit zwei Jahren in den Katholischen Kindergarten St. Albert kommen. Um diese Kinder aus Zuwandererfamilien besser in die Kita zu integrieren, beteiligt sich der Kindergarten am umfassenden Sprachförderprojekt Sprache macht stark!, das von der Stadt Ludwigshafen und der Universität Mannheim entwickelt und in insgesamt rund 90 Kindertageseinrichtungen umgesetzt wurde. Sprachförderung findet hier zum einen im pädagogischen Alltag statt, indem Aktivitäten wie das An- und Ausziehen, das Tischdecken oder das Basteln sprachlich begleitet werden. Daneben gibt es aber auch die gezielte Spracharbeit in Kleingruppen.

Kleine Gruppen für kleine Lerner

Zweijährige können in kleinen Gruppen neue Worte sehr schnell aufnehmen.  Foto: Catherine Yeulet © iStockphoto„Zweimal pro Woche bin ich für eine Gruppe von zwei bis vier Kindern da, um gemeinsam zu singen, spielen und basteln – und dabei fast nebenbei den Wortschatz der Kleinen auszubauen“, erklärt Erzieherin Manuela Weiß, die im Rahmen von Sprache macht stark! zur Deutschförderkraft ausgebildet wurde. „Zurzeit arbeiten wir zum Beispiel drei Wochen lang zum Thema Neu in der Kita. In dieser Zeit versuchen wir den Kindern maximal zwanzig passende Wörter zum Thema zu vermitteln, etwa ‚Kindergarten‘, ‚Gruppe‘, ‚Hof‘, ‚spielen‘, ‚lesen‘ oder ‚malen‘.“ Weiß hat die Erfahrung gemacht, dass die Zweijährigen sich in einer kleinen Gruppe öffnen und neue Worte sehr schnell aufnehmen. Auch die Eltern der Kinder nehmen regelmäßig an den Kleingruppen teil und erfahren, wie sie ihre Kinder beim Sprachenlernen unterstützen können.

Eltern fördern Familiensprachen

Neben der Zweitsprache Deutsch soll auch die Familiensprachen der Kinder gefördert werden. Foto: Damir Cudic © iStockphoto„Es ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern vorlesen, mit ihnen spielen und alle ihre Aktivitäten immer auch sprachlich begleiten“, betont Livia Daveri, Ansprechpartnerin für das Konzept Rucksack KiTa der Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA). Eine besonders wichtige Rolle spielen die Eltern im Konzept Rucksack KiTa auch deshalb, weil darin neben der Zweitsprache Deutsch auch die Familiensprachen der Kinder gefördert werden sollen. Während die Erzieher mit den Kindern vor allem an der deutschen Sprache arbeiten, werden die Eltern für die sprachliche Bildung in den Familiensprachen fit gemacht. Neun Monate lang gibt ihnen eine Elternbegleiterin in regelmäßigen Treffen Aktivitäten an die Hand, die sie zuhause mit ihren Kindern durchführen können. Im vergangenen Jahr haben deutschlandweit mehr als 6.000 Elternteile an diesen Treffen teilgenommen. „Die Kinder finden es super, wenn ihre Mutter jeden Tag mit ihnen übt. Und die Erzieher freuen sich, dass sie dadurch einen besseren Kontakt zu den Eltern bekommen“, weiß Tanja Biermann, die das Projekt in Leverkusen koordiniert.

„Spielend Sprache lernen“

„Mit Spaß lernen Kinder am meisten.“  Foto: Yarinca © iStockphoto„Mit Spaß lernen Kinder am meisten“, betont auch Krisztina Csörgei vom theaterpädagogischen Zentrum Kreativhaus in Berlin. Seit einigen Jahren führen sie und ihre Kollegen in verschiedenen Berliner Kindergärten das Sprachförderprojekt Spielend Sprache lernen durch. „Wir haben häufig ein Tagesthema, das an ein bekanntes Märchen angelehnt ist wie beispielsweise Schneewittchen und der Riese“, erklärt Csörgei. „Dazu bringen wir passende Kostüme und Musikinstrumente mit. Wir erzählen dann kurz eine Geschichte und spielen etwas vor, bevor wir die Kinder einbeziehen und animieren, sich in verschiedene Rollen zu versetzen.“ Csörgei ist überzeugt: Weil beim Theaterspielen die verschiedensten Sinne angesprochen werden und die Kinder sich immer wieder in neue Situationen hineinversetzen müssen, lernen die Kinder leichter neue Worte. Verfestigt werden diese dann, wenn die Kinder Eltern und Erziehern von den Erlebnissen erzählen: „Die Kinder machen riesige Fortschritte, sie erleben eine größere Sprachsicherheit und Sprachfreude.“ An dem Konzept haben Musiker, Kostüm- und Bühnenbildner, Kunsttherapeuten und vor allem Spiel- und Theaterpädagogen mitgewirkt.

Janna Degener
arbeitet als freie Journalistin in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Dezember 2011

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