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Projekte für Geflüchtete
Die Flüchtlingskrise ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Das Goethe-Institut leistet einen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge in Deutschland und organisiert seit 2013 in den Herkunftsregionen gemeinsam mit Partnern verschiedene Kultur- und Bildungsprogramme, zum Beispiel im Zaatari Camp in Jordanien, in der libanesischen Bekaa-Ebene oder in mehreren Städten der Türkei. Hier werden die unterschiedlichen Projekte in Reportagen und Interviews vorgestellt.

Architekturen des Ankommens: Berliner Netzwerke und Fachsprache Architektur

Workshop „Alltag im Exil“, Berlin 2016, Foto: Bernhard Ludewig © Goethe-Institut

Für viele geflüchtete Architektinnen und Architekten ist Deutschland inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden. Im temporären Berliner Projektraum „Goethe-Institut Damaskus | Im Exil“ trafen sich deutsche und syrische Spezialisten aus diesem Berufsfeld, um herauszufinden, was es zu einem guten Ankommen braucht.

Wie geht es der syrischen Architekten- und Stadtplanerszene im Exil? Vom 20. Oktober bis zum 5. November 2016 trafen sich syrische und deutsche Studierende, Architektinnen und Architekten zu einem intensiven Austausch. Gemeinsam gingen sie der Frage nach, wie man das Ankommen reibungsloser gestalten könne und vor allem, wie sich Geflüchtete aus diesem Berufsfeld mit ihren speziellen Kenntnissen vor Ort einbringen können.

Zugang zu berufspezifischen Netzwerken

Während des Workshops stellten die Spezialisten aus Syrien und Deutschland einen erhöhten Handlungsbedarf insbesondere für die Themenfelder „Universität und Ausbildung“, „Sprache“ und für den „Beruflichen Alltag“ fest. Es wurde deutlich, dass neben dem Erwerb der Fachsprache und dem Verständnis der deutschen Baugesetze, eine weitere Herausforderung darin lag, direkten Zugang zu relevanten Informationen und Netzwerken zu ermöglichen.

Das war eine wichtige Erkenntnis für die äußerst lebendige Berliner Architekten- und Stadtplanerszene, in der es bereits viele Angebote im Berufsfeld Architektur gibt. Einrichtungen wie die Refugee Academie, die Bundesstiftung Baukultur sowie die Architektenkammern sind wichtige Anlaufstellen, wo sich die Ankommenden informieren können und namhafte Büros Praktikumsplätze anbieten.

Workshop „Alltag im Exil“, Berlin 2016, Foto: Bernhard Ludewig © Goethe-Institut

Bedarfsorientiertes Empowerment

Gewohnt, nicht in der Problembeschreibung zu verharren, sondern nach konkreten Lösungen zu suchen, wurde sich die Berufsgruppe von Architektinnen und Architekten schnell über die Notwendigkeit der Entwicklung zwei ganz konkreter Tools einig. Um sich schnell orientieren zu können, brauchen sie mehr Fachinformation und müssen ihren berufsspezifischen Wortschatz gezielt erweitern. So beschloss man die Entwicklung von zwei ganz konkreten Tools: den Architektenfahrplan Berlin und eine spezielle Wortschatzliste Architektur.

„Ein absolut fantastisches Projekt mit nützlichen Ergebnissen“, schwärmt Thorsten Kreissig von der Refugee Academy, „weil es sehr bedarfsorientiert entwickelt wurde und die Betroffenen ihr Wissen und ihre persönlichen Erfahrungen direkt einbringen konnten. Außerdem ermöglicht der Architektenfahrplan einen schnellen Zugang zu den berufsspezifischen Netzwerken“. Das Projekt trägt dabei auch eine Menge zum Empowerment bei, fügt Kreissig hinzu, „weil die Tools eben nicht für die Geflüchteten, sondern mit ihnen entwickelt wurden.“

Fahrplan für Architektinnen und Architekten

Fahrplan für Architekt*innen © Goethe-Institut
Download SymbolDer Fahrplan für Architektinnen und Architekten zum Download (PDF, 2 MB)

Unerlässlich für neu in Berlin ankommende Architektinnen und Architekten ist der schnelle und unkomplizierte Zugang zur Fachinformation. Das deutsch-syrische Team Beatrice Termeer und Ibrahim Alsayed erstellten einen Faltplan, der sich an der Karte der Berliner Verkehrsbetriebe orientiert. Er zeigt die wichtigsten Adressen für Architekturinteressierte. Mithilfe des Fahrplans, den man sich ausdrucken und in die Tasche stecken kann, sind die Orte schnell ansteuerbar. Er verbindet mit den relevanten Architekturnetzwerken und zeigt wie und wo man sich in Berlin mit seinen professionellen Kenntnissen einbringen kann. Aufgelistet sind Hochschulen, Zentren zur Weiterbildung sowie Beratungsstellen für die Anerkennung von Studienpapieren und Stipendien.

Interaktive Wortschatzliste

Wortschatzliste Architektur © Goethe-Institut
Download SymbolDie Interaktive Wortschatzliste Architektur zum Download (PDF, 0,2 MB)

Die Wortschatzliste Architektur enthält deutsch-arabische Vokabeln für die Berufspraxis. Sie beruht auf der "Wortschatzliste für Bau – Treffpunkt Beruf des Klett Verlags und wurde weiterentwickelt und ergänzt. Dazu zirkulierte die Liste unter Architektinnen und Architekten in Deutschland und Syrien. „Zur Übersetzung vieler Begriffe“, so Tony Alarkan und Razan Shaaban, „mussten wir die Hilfe von deutschen Kollegen und Architektenfreunden in Syrien in Anspruch nehmen. Zum Beispiel für die gängigen Namen von Werkzeugen, die auf der Baustelle genutzt werden. Dafür haben wir Bilder der Werkzeuge an Freunde geschickt, die in Syrien auf der Baustelle tätig sind.“ Die Liste soll mit Hilfe der Nutzerinnen und Nutzern weiterentwickelt und vor allem noch mit Begriffen aus dem Büroalltag vervollständigt werden.


„Eine tolle Idee“ findet auch Theresa Keilhacker vom interdisziplinären Netzwerk Architekten für Architekten. „Die beiden Tools werden den Neuankommenden sicher weiterhelfen. Denn für diese ist es besonders wichtig, die Sprache zu lernen, Praktika zu machen – in Büros und auf der Baustelle – und natürlich in das kulturelle Leben Berlins einzutauchen!“

Ulrike Prinz
ist promovierte Kulturwissenschaftlerin, Redakteurin und Autorin bei www.prinzplusprinz.de

Juli 2017

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