Erstintegration

Das neue AMIF-Projekt „Ankommen in Deutschland“ – Was ist geplant und wie geht es mit dem Webportal „Mein Weg nach Deutschland“ weiter?

© Goethe-Institut

Wer in Deutschland leben und arbeiten möchte, findet auf dem Online-Portal „Mein Weg nach Deutschland“ hilfreiche Informationsmaterialien und Beratungsangebote. Das Projekt „Ankommen in Deutschland“ soll jetzt dafür sorgen, dass noch mehr Zuwandernde es nutzen können.

Welche Musik ist in Deutschland beliebt? Welche großen Firmen haben einen Sitz in Bayern? Was muss ich beachten, wenn ich mich bei einem deutschen Arbeitgeber bewerbe? Diese Fragen beschäftigen Esther Patrocinio Sánchez, bevor sie 2010 ein Praktikum in Deutschland antrat. Die Suche nach Antworten gestaltete sich zunächst schwierig, erinnert sie sich: „Ich musste mir die Informationen von verschiedenen Websites zusammensuchen und war bei vielen Quellen nicht sicher, wie glaubwürdig die Informationen sind.“.

Übungen, Informationen, Beratungsangebote

Um Zuwandernden wie Esther Patrocinio Sánchez das Ankommen in Deutschland zu erleichtern, hat das Goethe-Institut 2012 das Webportal „Mein Weg nach Deutschland“ geschaffen und es seitdem ständig erweitert. Wer im Heimatland schon etwas Deutsch gelernt hat, so die Idee, sollte hier schon vor Beginn des Integrationskurses seine Kompetenzen selbstständig festigen und erweitern können. Darüber hinaus sollte das Portal auch Informationen über das Leben in Deutschland sowie über Beratungs- und Unterstützungsangebote liefern.

Hauptzielgruppe des Angebots waren zunächst Drittstaatsangehörige, die in ihrer Heimat zum Erwerb des Visums schon die A1-Prüfung abgelegt hatten und die Zeit bis zum Beginn des Integrationskurses nutzen wollten, um zum Beispiel den Umgang mit Medien zu erlernen und sich in Deutschland zu orientieren. Doch schnell kristallisierte sich heraus, dass das Portal auch darüber hinaus sehr beliebt ist: Bei Zuwandernden, die den Integrationskurs schon besuchen oder bereits abgeschlossen haben. Und bei einreisenden Fachkräften wie Esther Patrocinio Sánchez, die mit guten Deutschkenntnissen nach Deutschland kommen. Diese Zielgruppen möchten auch wissen, wie sie in Deutschland beruflich Fuß fassen können, so dass das Portal etwa um Informationen zur Anerkennung von Ausbildungs- und Berufsabschlüssen erweitert wurde.

Alltag und Berufseinstieg in Deutschland

Im Juli 2019 ist nun eine weitere dreijährige Projektphase gestartet, in der das Portal noch besser an die Bedürfnisse der Zielgruppen angepasst werden soll. Hauptzielgruppe sind auch künftig neuzugewanderte Drittstaatsangehörige. Aber alle Zuwanderenden sollen weiterhin einerseits bei alltäglichen Fragen unterstützt werden, andererseits aber auch verstärkt bei Themen rund um Ausbildung, Arbeitsplatzsuche und Arbeitsaufnahme. Projektleiterin Julia Wecker erklärt: „Wir wollen den Personen, die sich dazu entschließen oder entschlossen haben, nach Deutschland zu kommen, um hier zu leben und zu arbeiten, eine Stütze dabei sein, sich hier zu orientieren und eine Arbeit aufzunehmen. Diese sind zentrale Themen für die Integration, die für alle wichtig sind – egal ob aus familiären Gründen zugewandert oder auf der Suche nach einem Arbeitsplatz.“

Geplant sind interaktive Sprachspiele rund um den Berufseinstieg. In Blogs, Video- und Schreibwettbewerben sollen Nutzer*innen zudem motiviert werden, ihre Zeit in Deutschland mit allen Höhen und Tiefen zu reflektieren und andere Zuwandernde daran teilhaben zu lassen. Außerdem bekommen die Nutzer*innen die Möglichkeit, Rückmeldungen zum Portal zu geben. „Wir nehmen das Feedback sehr ernst und versuchen, möglichst alles so umzusetzen, damit es den größten Nutzen für alle bringt“, verspricht Julia Wecker, die dabei aber natürlich die Projektziele und die Vorgaben des Zuwendungsgebers im Blick haben muss. Das Projekt wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds ko-finanziert.

Mobil, barrierefrei, nutzerfreundlich

D„Mein Weg nach Deutschland“ soll zukünftig noch leichter zugänglich für Zuwandernde mit unterschiedlichsten Bedürfnissen sein: Wer das Portal mit dem Smartphone nutzen möchte, soll auf das komplette Angebot zugreifen können. Dafür wird jetzt eine mobilfähige Version erstellt. Wer selbst nicht über einen Internetanschluss verfügt oder sich im Umgang damit unsicher fühlt, kann das Angebot zukünftig in Bibliotheken und anderen öffentlichen Einrichtungen nutzen. Dafür werden circa 50 Informationssäulen aufgestellt, und zwar in ländlichen Regionen Deutschlands, in denen Zuwandernde weniger Unterstützungsangebote finden. Wer das Portal bisher aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung nicht nutzen kann, profitiert demnächst von der barrierefreien Version auf Deutsch und Englisch. Und wer beim Nutzen des Portals noch Fragen hat, wird noch schneller zur Online-Beratung der Jugendmigrationsdienste geleitet.

Schon bei der Konzeptionierung des Portals „Mein Weg nach Deutschland“ hat das Goethe-Institut auf die Kooperation mit erfahrenden sozialpädagogischen Migrationsberater*innen gesetzt. In der Rubrik „Hilfe finden“ werden neben Integrationskursträgern und Ausländerbehörden auch die Jugendmigrationsdienste (JMD) und die Migrationserstberatungen (MEB) vorgestellt. Die Nutzer*innen erfahren unter anderem, wie die Online-Beratung jmd4you funktioniert. Zukünftig soll die individuelle Migrationsberatung noch stärker in das Angebot des Portals integriert werden. Özcan Ülger, Projektleiter der JMD-Onlineberatung, erklärt: „Wenn die Nutzerinnen und Nutzer von ‚Mein Weg nach Deutschland‘ zum Beispiel einen Text über das Gesundheitssystem oder das Bildungssystem in Deutschland lesen, tauchen bei ihnen weiterführende Fragen auf: ‚An wen soll ich mich mit meinen Rückenschmerzen wenden?‘ ‚Auf welcher Schule ist meine Tochter am besten aufgehoben?‘ Statt sie über einen Link auf eine andere Website zu leiten, möchten wir ihnen die Möglichkeit geben, ihre Fragen direkt auf der Seite in ein Kontaktformular einzugeben“.

Fit für die Hochzeit in Deutschland

Esther Patrocinio Sánchez hat ihr Praktikum in München so gut gefallen, dass sie bis heute in Deutschland lebt. Das Portal „Mein Weg nach Deutschland“ nutzt auch sie inzwischen gerne. „In Spanien gibt es zum Beispiel keine Arbeitszeugnisse und ein Foto im Lebenslauf ist ein absolutes No-Go. Woher hätte ich sonst wissen sollen, dass das in Deutschland ganz anderes ist?“, fragt sie. Als sie neu in Deutschland war, habe sie nicht gewusst, was eine EC-Karte ist. Und sie hatte keine Vorstellung, wie sie in München eine Wohnung finden soll. Auch heute, neun Jahre nach ihrer Ankunft in Deutschland, nutzt Esther Patrocinio Sánchez das Portal noch regelmäßig. „Als ich neulich zum ersten Mal auf einer deutschen Hochzeit eingeladen war, habe ich erstmal auf ‚Mein Weg nach Deutschland‘ ein Spiel zu dem Thema gemacht. Dadurch habe ich mich auf der Party dann viel sicherer gefühlt.“



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