Integrationskurse und Zertifikate

Rahmencurriculum für Integrationskurse Deutsch als Zweitsprache – Überarbeitung 2016

Das Rahmencurriculum für Integrationskurse wurde überarbeitet. | © Rahmencurriculum für Integrationskurse 2016, Titelbild

Nach fast zehn Jahren seit seiner Entstehung wurde das Rahmencurriculum für Integrationskurse in Deutschland überarbeitet und in aktualisierter Fassung veröffentlicht. Dabei handelt es sich nicht um eine Grundsatzüberarbeitung, sondern um eine Aktualisierung hinsichtlich der veränderten Teilnehmerzusammensetzung der Kurse, des Bezugs zur Arbeitswelt sowie hinsichtlich einer stärkeren Einbindung von Werten des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Seit dem 01.01.2005 ist die sprachliche Integration von Migrantinnen und Migranten in Deutschland gesetzlich geregelt. Der Integrationskurs soll Zuwandernde unterstützen, zielsprachliche Handlungsfähigkeit in jenen Kontexten zu erreichen, die für eine gesellschaftliche und politische Partizipation in Deutschland maßgeblich sind. Zielsprachliche Kompetenz versteht sich dabei als Zusammenspiel aus landeskundlichem Wissen, interkultureller Kompetenz und strategischer Kompetenz:

Die Kompetenzorientierung der Lernziele des Rahmencurriculums für Integrationskurse | © Rahmencurriculum für Integrationkurse 2016, Seite 21

Rahmencurriculum = Maximalkatalog an Lernzielen

Bereits 2006 beauftragte das Bundesministerium des Innern (BMI) das Goethe-Institut, ein Rahmencurriculum für den Sprachkursteil der Integrationskurse und eine skalierte Sprachprüfung, den Deutsch-Test für Zuwanderer zu entwickeln. Das Rahmencurriculum hat dabei eine übergeordnete Funktion. Es greift die Kommunikationsbereiche und Handlungsfelder auf, in denen Migrantinnen und Migranten zielsprachliche Handlungsfähigkeit erlangen wollen und sollen. So gibt es im Rahmencurriculum fünf übergreifende Kommunikationsbereiche und zwölf Handlungsfelder:

Aufbau des Rahmencurriculums für Integrationskurse | © Rahmencurriculum für Integrationskurse 2016, Seite 17

Innerhalb dieser kommunikationsübergreifenden Bereiche und Handlungsfelder sind sowohl sprachliche als auch landeskundliche Lernziele definiert. Dieses Curriculum stellt einen Rahmen und somit einen Maximalkatalog an Lernzielen zu Verfügung: Nicht alle im Rahmencurriculum genannten Lernziele und Lerninhalte müssen Bestandteil eines Integrationskurses sein.

In erster Linie richtet sich das Rahmencurriculum, neben allen Interessierten, an Prüfungsentwickler, Lehrbuchautorinnen und Kursplaner. Aber auch DaZ-Lehrkräften bietet das Rahmencurriculum eine hilfreiche Orientierung.

Weitere Informationen zur ursprünglichen Entstehung des Rahmencurriculums finden sich im Artikel Integration gestalten – Unternehmen Rahmencurriculum.

Was ist neu?

In den fast zehn Jahren seit der Entwicklung des Rahmencurriculums haben sich die Gesetzeslage, die Struktur der Zuwanderergruppen und deren Bedarfe ebenso wie die Erwartungen der Gesellschaft und Politik an Zuwandernde stark verändert. Vor diesem Hintergrund beauftragte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) das Goethe-Institut im Jahr 2016, das Rahmencurriculum zu aktualisieren. Dabei handelte es sich nicht um eine Grundsatzüberarbeitung. In das Curriculum wurden vor dem Hintergrund einer veränderten Teilnehmerzusammensetzung lediglich arbeitsweltliche Themen und Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens stärker eingebunden.

Veränderte Teilnehmerzusammensetzung

Bei der veränderten Teilnehmerzusammensetzung der Integrationskurse sind insbesondere zwei große Gruppen zu nennen: Zum einen kommen seit dem Jahr 2011 vermehrt Menschen aus EU-Staaten nach Deutschland. Zum anderen sind im Jahr 2015 über eine Million Asylsuchende und Geflüchtete nach Deutschland gekommen, von denen viele für längere Zeit bleiben und somit für die Integrationskurse inzwischen eine wichtige Teilnehmergruppe darstellen. In diesem Zusammenhang wurde der Kreis der Teilnahmeberechtigten für den Integrationskurs auf Personen mit einer Aufenthaltsgestattung erweitert, sofern sie eine gute Bleibeperspektive haben.

Insbesondere die Präambel des Rahmencurriculums, aber auch alle anderen Teile wurden gemäß dieser Entwicklungen überarbeitet.

Aktualisierung: Arbeitsweltliche Themen

Um die arbeitsweltrelevanten Themen im Rahmencurriculum noch besser einzubinden, wurden vor allem die drei thematischen Handlungsfelder Arbeit, Arbeitssuche und Aus- und Weiterbildung aktualisiert und durch weitere Lernziele ergänzt. Außerdem wurden alle anderen Bereiche des Curriculums hinsichtlich dieser Themen geprüft und gegebenenfalls leicht angepasst. Hierdurch soll Migrantinnen und Migranten künftig der Weg zu einer möglichst schnellen Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit oder zu passenden Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten geebnet werden.

Aktualisierung: Gesellschaftliche Werte

Die Überarbeitung hinsichtlich der besseren Verankerung von Werten des gesellschaftlichen Zusammenlebens basiert auf dem Grundgesetz und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Demzufolge wurden die handlungsfeldübergreifenden Kommunikationsbereiche um die vorgeschalteten Teile Diversität und Interkulturalität und Landeskunde erweitert. Diese und die hier auch neu hinzugekommenen landeskundlichen Lernziele gab es bei den übergreifenden Bereichen bisher nicht.

Erweiterung der handlungsfeldübergreifenden Bereiche | © Rahmencurriculum für Integrationskurse 2016, Seite 29

Darüber hinaus wurde das gesamte Dokument hinsichtlich der stärkeren Einbindung gesellschaftlicher Werte geprüft und aktualisiert. Dabei wurden vor allem auch innerhalb der Handlungsfelder die landeskundlichen und interkulturellen Lernziele erweitert. Die Interkulturalität wurde um den Aspekt der Diversität ergänzt.

Dadurch, dass wertebasierte politisch-gesellschaftliche Bildungsziele aufgenommen und die Lernziele im landeskundlichen Bereich ausgeweitet wurden, bereitet das Rahmencurriculum nun noch besser auf wesentliche Aspekte des Orientierungskurses vor. Dennoch definiert es weiterhin nur die Lernziele des Sprachkurses. Das Curriculum für den Orientierungskurs wurde separat durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) überarbeitet und auch auf dessen Internetseite veröffentlicht.

So werden die Kursteilnehmenden bereits im Sprachkurs für die den Grundrechten inhärenten Werte sensibilisiert. Sprach- und Orientierungskurs bieten damit eine noch besser aufeinander abgestimmte Heranführung an die Grundlagen eines offenen und toleranten Miteinanders. Gleichzeitig entsteht für die Teilnehmenden ein Erprobungsraum für gesellschaftliche Teilhabe.

Download SymbolDas Rahmencurriculum zum Download (PDF, 1,4 MB)

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