Integrationskurse und Zertifikate

Integration gestalten – Unternehmen Rahmencurriculum

Integrationskurs © Heinz Blumensath/www.e-motion-film.de Das „Rahmencurriculum für Integrationskurse Deutsch als Zweitsprache“ ist eine umfangreiche Empfehlung für die Ziele und Inhalte der Integrationskurse für Zuwanderer. Sprachexperten des Goethe-Instituts waren maßgeblich an der Entwicklung dieser Lehrzielvorgaben beteiligt.
Das Thema Zuwanderung ist fraglos eine Wiederentdeckung des zweiten Jahrtausends, jedenfalls für ein Land wie Deutschland, das sich über Jahrzehnte trotz einer deutlich einwanderungsgeprägten Wirklichkeit nicht dazu bekennen mochte, ein Einwanderungsland zu sein. Diese Phase gehört seit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes im Januar 2005 explizit der Vergangenheit an.

Denn neben den Bedingungen der Zuwanderung hat dieses Gesetz auch den Rahmen für die Rechte und Pflichten der Förderung von Integration benannt, und zwar die der aufnehmenden Gesellschaft ebenso wie die der Zuwanderer. Das Gesetz verlangt die Förderung der Integration von Migranten im Sinne gesellschaftlicher Teilhabe und Chancengleichheit und schreibt die Einrichtung und den Besuch von Integrationskursen vor, die aus einem Sprachkurs für Deutsch als Zweitsprache sowie einem so genannten Orientierungskurs bestehen.

Jahrzehntelange Erfahrung mit Deutsch als Zweitsprache

Auch wenn im Zusammenhang der inzwischen 40-jährigen Migrationsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland umfassende praktische wie theoretische Expertise entstanden ist, an die angeknüpft werden konnte und kann, entwickelt das mit dem Zuwanderungsgesetz verknüpfte Integrationsanliegen pointiert noch einmal zentrale Fragestellungen, die es systematisch und mit richtungweisenden Empfehlungen zu beantworten galt. Das vom Goethe-Institut im Auftrag des Bundesministeriums entwickelte Rahmencurriculum für Integrationskurse „Deutsch als Zweitsprache“ ist als einer der zentralen Bausteine solcher richtungweisender Vorgaben anzusehen.

Aussiedler im Durchgangslager Friedland 1988, Familie aus Tadschikistan. © Deutsches Bundesarchiv, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en
Aussiedler im Durchgangslager Friedland 1988, Familie aus Tadschikistan.
© Deutsches Bundesarchiv

Bereits seit drei Jahrzehnten führt das Goethe-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales Fortbildungen für Kursleitende von Sprachkursen für ausländische Arbeitnehmer durch. Aufgrund dieser Erfahrung beauftragte das Bundesministerium des Innern im Herbst 2006 das Goethe-Institut mit der Entwicklung eines Rahmencurriculums für die Integrationskurse sowie mit der Entwicklung eines Deutschtests für Zuwanderer. Das neue Sprachprüfungssystem hat das Ziel, einen gestuften und damit differenzierten Sprachnachweis zu ermöglichen. Die Sprachprüfungen bilden den Abschluss der Integrationskurse, die von der Bundesregierung gefördert werden, können aber auch unabhängig vom Besuch eines Sprachkurses Deutschkenntnisse prüfen.

Die Quadratur des Kreises

Eine der zentralen Anforderungen, die das Rahmencurriculum erfüllen muss, ist seine Eignung für sehr unterschiedliche Zielgruppen. Zum einen geht es um die Neuzuwanderer, zum anderen richtete sich das Curriculum aber auch an die so genannten „Altzuwanderer“, womit Menschen gemeint sind, die schon seit längerem, zum Teil seit Jahrzehnten, ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben.

Da auch diese beiden grob definierten Zielgruppen hinsichtlich ihres sprachlichen und lebensweltlichen Integrationsbedarfs noch einmal umfänglich differenziert werden müssen, drängt sich für das geforderte Produkt eines Rahmencurriculums durchaus das Bild der „Quadratur des Kreises“ als Zielvorgabe auf. Man braucht sich nur einige „Prototypen“ vor Augen zu führen, wie den hoch qualifizierten IT-Neuzuwanderer aus Indien, die aus Weißrussland im Familienzuzug einwandernde Ehefrau und den seit 20 Jahren in Deutschland lebenden, arbeitslos gewordenen türkischen Arbeiter, der im Zusammenhang von Qualifizierungsmaßnahmen seine Sprachkenntnisse ausbaut, um sich die Komplexität der Aufgabenstellung vorstellen zu können.

Ein Meilenstein für die sprachliche Integration

Goethe-Institut Zentrale München © Goethe-InstitutDas Entwicklungsteam hat sich der Aufgabe gleichwohl im Sinne von «Annäherungen“ gestellt und setzt dazu im Wesentlichen auf die folgenden Säulen eines Rahmencurriculums für qualitativ hochwertige Lernangebote:

  • Eine Orientierung an konkreten sprachlichen Handlungsbedürfnissen und deren Situierung in prototypisch unterschiedenen idealisierten Lebenswelten;


  • Die Berücksichtigung der der besonderen Anforderungen an zweitsprachliche Kompetenz in einer multikulturellen Gesellschaft, in der die eigene Herkunft und Lebenssituation in der Mehrheitsgesellschaft interaktiv und in der Begegnung thematisiert und ausgehandelt werden muss;


  • Den kontrollierten Umgang mit den Entwicklungsstufen wachsender sprachlicher Kompetenz, in Anlehnung an den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen und zugeschnitten auf die besonderen Bedarfe zweitsprachlicher Kompetenz.
Wieweit es dabei gelungen ist, ein Angebot zu machen, das den Anforderungen der Praxis genügt und gleichzeitig den Stand der Fachdiskussion niveauvoll berücksichtigt, darüber werden die Zukunft und das Echo der Leser und Nutzer aus Praxis und Wissenschaft befinden. In jedem Fall aber bietet das Rahmencurriculum eine Orientierung an, die einen wichtigen Meilenstein für die weitere Entwicklung von Förderangeboten für die sprachliche Integration von Zuwanderern setzt. Ein wichtiger Meilenstein – von dem aus weiter zu gehen sein wird.
Prof. Dr. Hans Barkowski,
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Karin Ende,
Goethe-Institut, Bereich Fortbildungsdidaktik

Dr. Michaela Perlmann-Balme,
Goethe-Institut, Bereich Sprachkurse Und Prüfungen

Copyright: Goethe-Institut e. V.
August 2009

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