Integrationskurse und Zertifikate

Was sind Integrationskurse?

© Goethe-Institut e.V.

Integrationskurse sollen die Eingliederung von Zuwanderinnen und Zuwanderern in Deutschland verbessern und erleichtern. Die im Jahr 2005 im Rahmen des Zuwanderungsgesetzes eingeführten Kurse führen die Neuankömmlinge in die deutsche Sprache sowie in Alltagsgewohnheiten, Kultur und Rechtsordnung ein.

Die rechtliche Grundlage für die Integrationskurse steht in den Paragrafen 43 bis 44 des Aufenthaltsgesetzes. In Paragraf 43 heißt es: „Der Integrationskurs umfasst Angebote, die Ausländer an die Sprache, die Rechtsordnung, die Kultur und die Geschichte in Deutschland heranführen.“ Sie „sollen dadurch mit den Lebensverhältnissen im Bundesgebiet so weit vertraut werden, dass sie ohne die Hilfe oder Vermittlung Dritter in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens selbständig handeln können.“

Zwei Kursteile

Jeder Integrationskurs besteht aus zwei Teilen: einem Sprach- und einem Orientierungskurs. Der Sprachkurs macht Sie mit der deutschen Sprache vertraut. Der Orientierungskurs bringt Ihnen die Rechtsordnung, aber auch Kultur und Geschichte sowie das Alltagsleben in Deutschland nahe. Der Orientierungskurs soll es Ihnen ermöglichen, sich in Familie und Beruf in Deutschland zurechtzufinden. Insgesamt geht der Integrationskurs in der Regel über 660 Unterrichtsstunden und umfasst sechs Module von A1 bis B1 sowie den Orientierungskurs. Vor Beginn des Kurses findet ein Einstufungstest statt. Wer berufstätig ist, kann statt eines Vollzeitkurses einen Sprach- und Orientierungskurs in Teilzeit buchen, der in den Nachmittags- und Abendstunden stattfindet.

Voraussetzungen für die Teilnahme

Der Integrationskurs richtet sich sowohl an Neuankömmlinge als auch an Menschen, die schon länger in Deutschland leben, aber bisher nur unzureichend Deutsch lernen konnten.

Auch wenn Sie bereits vor dem Jahr 2005 eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten haben, können Sie an einem Integrationskurs teilnehmen, sofern Plätze frei sind.

Wer nach dem Jahr 2005 eine Aufenthaltserlaubnis erhalten hat und noch über geringe Deutschkenntnisse verfügt, ist zu einem Integrationskurs verpflichtet. Das gilt ebenfalls, wenn Sie Arbeitslosengeld II beziehen. Die Behörde, die das Arbeitslosengeld bewilligt, kann Sie zu einem Kurs verpflichten.

Kosten

Für jede Unterrichtsstunde des Integrationskurses müssen Sie 1,95 Euro zahlen, insgesamt also 1.287 Euro für den gesamten Kurs. Für Teilnehmende, die sich noch vor dem 01.07.2016 zu einem Integrationskurs angemeldet haben, beträgt der Kostenbeitrag wie bisher 1,55 Euro pro Unterrichtseinheit. Sie müssen den Betrag jedoch nicht auf einmal zahlen, sondern können ihn pro Kursabschnitt à 100 Unterrichtsstunden entrichten. Wenn Sie einen Spezialkurs mit entsprechend mehr Unterrichtseinheiten besuchen, fällt auch der Kostenbeitrag höher aus (zum Beispiel 1.872 bei 960 Unterrichtseinheiten).

Alle weiteren Kosten übernimmt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Wer den Abschlusstest innerhalb von zwei Jahren nach der Genehmigung für den Kurs schafft, kann die Hälfte der bezahlten Kursgebühren erstattet bekommen.

Wenn Sie Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe beziehen, werden Sie von den Kosten befreit. Eine Befreiung ist auch dann möglich, wenn es aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen für Sie nicht zumutbar ist, den Betrag zu zahlen.

Geflüchtete

Seit Oktober 2015 gilt eine Neuregelung, um Geflüchtete schneller in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren. Danach können Geflüchtete mit einer guten Bleibeperspektive in Deutschland bei der Zentrale des Bundesamts für Migration in Nürnberg einen Antrag zum Besuch eines Integrationskurses stellen.

Es gelten folgende Voraussetzungen:
  • Sie haben einen Antrag auf Asyl gestellt (§ 55 Abs. 1 AsylG) und eine Bleibeperspektive ist absehbar
  • Sie sind bereits als Asylberechtigte/r anerkannt
  • Sie besitzen den Status einer Duldung (§ 60 a Abs. 2 S. 3 AufenthG)
  • Sie dürfen aus humanitären Gründen in der Bundesrepublik Deutschland bleiben (§ 25 Abs. 5 AufenthG)
Außerdem müssen freie Kursplätze verfügbar sein.

Für Flüchtlinge, die diese Voraussetzungen erfüllen, ist der Integrationskurs - nach der Bewilligung durch das Bundesamt für Migration – kostenfrei.

Die Teilnahme an einem Integrationskurs ist jedoch nicht möglich für Asylsuchende, die aus einem sog. sicheren Herkunftsland kommen.

Rechte und Pflichten

Sie dürfen sich einen Anbieter für Integrationskurse in Ihrer Nähe aussuchen.

Kurse können Sie über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge oder die Arbeitsagentur finden.

Eine regelmäßige Teilnahme an den Unterrichtsstunden ist verpflichtend.

Die Abschlussprüfung besteht aus zwei Teilen, einem Sprachtest für das Sprachniveau B1 und einem Test zum „Leben in Deutschland“. Beim Test „Leben in Deutschland“ geht es zum Beispiel um Fragen zum politischen System Deutschlands, zur religiösen Vielfalt und der gleichberechtigten Stellung von Mann und Frau.

Sollten Sie die Prüfung nicht bestehen, können Sie den Kurs einmal wiederholen.

Kurse für spezielle Bedürfnisse

Der allgemeine Integrationskurs ist nicht für jede und jeden geeignet. Die Vorkenntnisse der deutschen Sprache, aber auch Alter, Bildungsniveau und Lebenssituation sind oft unterschiedlich. Daher gibt es spezielle Kursangebote für Migrantinnen und Migranten mit besonderen Bedürfnissen. Diese speziellen Kursangebote bieten zusätzliche Schwerpunktthemen und haben daher - bis auf den kürzeren Intensivkurs - insgesamt 960 Unterrichtsstunden.

Integrationskurse mit Alphabetisierung
Sie richten sich speziell an diejenigen, die bisher nicht gelernt haben, in lateinischer Schrift zu lesen und zu schreiben.

Integrationskurse für Frauen
Diese Kurse werden ausschließlich von Frauen geleitet und behandeln auch Themen, die für Frauen mit Kindern besonders wichtig sind, zum Beispiel Fragen von Erziehung, Schule und der Ausbildung Heranwachsender. Während des Kurses ist ein Besuch in Schule oder Kindergarten der Kinder vorgesehen.

Integrationskurse für Eltern
Diese Kurse informieren Eltern in besonderer Weise über das deutsche Bildungssystem und machen Mütter und Väter mit den Lehrern und/oder Erziehern ihrer Kinder bekannt. Er soll Eltern helfen, über den Bildungsweg ihrer Kinder mitzuentscheiden.

Integrationskurse für junge Erwachsene
In diesen Kursen können junge Erwachsene bis zum Alter von 27 Jahren unter Gleichaltrigen Deutsch lernen. Die Themen orientieren sich an der Lebenswelt junger Menschen und behandeln zum Beispiel Schule und Ausbildung, Arbeitsleben, Gesundheit sowie Kultur und Freizeit. In einer Praxisphase wird der Kontakt zu Bildungseinrichtungen und Arbeitgebern hergestellt.

Förderkurse
Förderkurse richten sich an Menschen, die schon eine Weile in Deutschland leben, bisher aber keine Gelegenheit zu einem Deutschkurs hatten.

Intensivkurse
Intensivkurse sind mit 400 Unterrichtsstunden plus 30 Stunden Orientierungskurs kürzer als die anderen Integrationskurse und vor allem für jene Menschen gedacht, die bereits Erfahrung beim Erlernen einer neuen Sprache mitbringen und daher weniger Zeit benötigen.

Welchen Kurstypen Sie besuchen möchten, dürfen Sie selber entscheiden. Die Berechtigungsscheine der Ausländerbehörden gelten für alle Integrationskurse.

Sprachkurse und Lehrkräftequalifizierung

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge koordiniert federführend die Integrationskurse und die Qualifizierung der Lehrkräfte für die Kurse. Inzwischen gibt es fast 7.000 zugelassene öffentliche und private Anbieter wie zum Beispiel die Volkshochschulen oder das Goethe-Institut, die im Auftrag des Bundesamtes Integrationskurse durchführen. Das Goethe-Institut bietet in seinem Fachbereich „Fortbildung und Bildungskooperation“ im Rahmen der Lehrkräftefortbildung einige Integrationskurse an.

Wer als Lehrkraft in diesen Kursen unterrichten will, muss bestimmte Qualifikationen vorweisen. Es gibt mehrere Träger, die im Auftrag des Bundesamtes eine „Zusatzqualifizierung für Lehrkräfte in Integrationskursen“ anbieten.

Alle Anbieter finden Sie auf der Webseite des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge: Für das Goethe-Institut bietet das Institut in Mannheim die Zusatzqualifizierung im Auftrag des Bundesamtes an: Neben dieser allgemeinen Zusatzqualifizierung für das Unterrichten in Sprachkursen gibt es weitere spezielle Qualifizierungsangebote, zum Beispiel für Lehrkräfte in Spezialkursen mit Alphabetisierung, die Sie hier finden können: Außerdem gibt es ein spezielles Qualifizierungsangebot für Lehrkräfte in Orientierungskursen, nähere Informationen finden Sie hier: Diese Qualifizierung bietet auch das Goethe-Institut in Mannheim im Rahmen einer Fortbildung in 30 Unterrichtseinheiten an.

Rahmencurriculum für Sprach- und Orientierungskurse

Für die Sprach- und Orientierungskurse gibt es jeweils ein Rahmencurriculum, das die Inhalte für die jeweiligen Kurse festlegt. Das „Rahmencurriculum für Integrationskurse – Deutsch als Zweitsprache“ wurde im Auftrag des Bundesinnenministeriums vom Goethe-Institut entwickelt und ist die Grundlage des Sprachunterrichts. Es beschreibt die Lernziele des Kurses, an denen sich Kursplaner, Lehrbuchautoren und Lehrkräfte orientieren können. Auf dem Curriculum basiert die Sprachprüfung „Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ)“, die am Ende des Sprachkurses durchgeführt wird.

Bewertungskommission

Um die Qualität der Integrationskurse sicherzustellen, wurde eine Bewertungskommission eingerichtet, die sich etwa zweimal im Jahr trifft. Zu den Mitgliedern der Kommission gehören Vertreter der Bundesregierung, des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, der Bundesländer und kommunalen Spitzenverbände sowie Wissenschaftler und Experten aus der Praxis, zum Beispiel des Goethe-Instituts.

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