Ausgewanderte Wörter

Deutsche Wörter finden sich in fast allen Sprachen der Welt wieder.
Mit seiner internationalen Ausschreibung „Wörterwanderung“ suchte der Deutsche Sprachrat vor einigen Jahren Wörter deutschen Ursprungs, die in alle Welt „ausgewandert“ sind und eine neue Heimat in anderen Sprachen gefunden haben.

Aus den rund 6.000 Einsendungen stellen wir Ihnen 24 Wörter vor — von den jeweiligen Einsendern versehen mit persönlichen Überlegungen und Mutmaßungen zu deren Geschichte und Ursprung.

Mishmash (Albanisch/Bulgarisch auch in Polen in Gebrauch)

Mischmasch: Ein in Albanien alltägliches Wort im mündlichen Gebrauch. Sowohl als Nomen wie als Adjektiv sehr verbreitet. Es hat die Bedeutung wie im deutschen, nämlich Durcheinander oder verworren.


Eingesandt von Herrn Kraja Fatbardh aus Shkodër, Albanien.

sámli (Ungarisch)

sámli (häufig in der Form sámedli gebraucht) - ist im Ungarischen ein Wort, dessen deutsche Herkunft auf der Hand liegt. Bei diesem Ausdruck der ungarischen Umgangssprache, dessen Bedeutung sich durch die Übernahme nicht geändert hat, handelt es sich um eine Entlehnung aus dem Bayrisch- Österreichischen. Dieses Lehnwort gibt es im Ungarischen auch in einer „vornehmeren“ Variante. Aber auch dieser Ausdruck : zsámoly , bezeichnet nichts anderes als eine Fußbank.

Wenn ich „sámli“ höre, fällt mir das Bild meiner klein gewachsenen Großmutter ein, die auf ihrem Schemel sitzt und ihren Rücken an den Kachelofen lehnt, um sich zu wärmen. „Sámli“ war ein wichtiges Möbelstück in der Wohnung unserer Großeltern.


Judit Liszka, Budapest , Ungarn

unterhund (Slowenisch)

Mit „unterhund" übernimmt die slowenische Sprache die deutsche Wortverbindung „unter dem Hund“. Wenn jemand sich unmöglich benimmt, sagt man, dass der Jemand sich „unterhund“ benimmt, oder so ist.


Eingesandt von den Schülern Martin Golež, Matic Martinjak, Ana Hojka Šober, Tomi Tomšiè, Domen Drevenšek, Nina Lah, Nika Leljak, Boštjan Lopert, Anne-Marie Lovrec, Rok Motaln, Carmen Weiienstein, Jure Žganec und ihrer Lehrerin Brigita Praprotnik, am Prva Gymnasium, Maribor

sipidak (Türkisch)

Dieses Wort ist in das Türkische ausgewandert und bedeutet hier: „Schiebedach“. Meine Geschichte dazu ist: In der Türkei las ich ein Inserat, in dem ein Mercedes offeriert wurde. Als Zubehör wurde unter anderem ein „sipidak“ aufgeführt. Da ich das Wort selber nicht kannte, bat ich einen türkischen Freund, es mir zu erklären. Natürlich wusste er es.


Ilker Zorlu, Deutsch-Türke mit Deutsch als Muttersprache und türkischer Staatsangehörigkeit, Erlangen, Deutschland

klot i frket (Bosnisch/Koratisch/Serbisch)

Dieses Wort bedeutet „glatt und verkehrt“ und beschreibt die Maschenfolge beim Stricken. Auch deutsch würde man sagen „rechts- links“.

Ich habe den Wettbewerb heute entdeckt und schreibe Ihnen eine kleine Geschichte, mit nur einigen von Tausenden eingewanderten deutschen Wörtern, die auch heute im normalen Sprachgebrauch in Bosnien Kroatien und Serbien vorhanden sind:

($ steht für „sch“): Als mich heute der Wecker (vekerica) aufgeweckt hatte, schaute ich zuerst auf die Uhr (ura), wie spät es sei. Sofort zog ich meinen Bademantel ($lafruk) an und trank meinen Kaffee mit Schlagrahm (kafa sa $lagom) Dazu aß ich Quittenkäse (kitkez). Nach dem Duschen (tu $iranje) habe ich mich vor dem großen Spiegel ($piglo) geschminkt ($minkala). Nun, was anziehen? Büstenhalter (brushalter), Unterrock (untroka), Unterhemd (unterciger), Rock mit Schlitz ($os sla $licom), Gürtel und Schnalle (girtlka i $nala), Socken (sokne), Mantel (mantil), und einen gehäkelten Schal ($lingani $al).


Eingesandt von: Mirsada Voser, bosnische Muttersprache, Staatsangehörigkeit Schweiz, Wohnort Oberwil, Basel-Land

wihajster (Polnisch)

Es bedeutet. Ein kleines Gerät, dessen Namen wir nicht kennen oder uns nicht erinnern können. Es stammt natürlich aus dem deutschen „Wie heißt er?“ (fonetisch geschrieben)

Wir sagen zum Beispiel „Siehst du diesen, diesen… wihajster?“ wenn wir nicht wissen, wie das Ding wirklich heißt. Das Wort ist ganz natürlich, wenn wir wissen, was diese Frage auf Deutsch bedeutet. Aber interessant ist, dass es auf Polnisch als ein Substantiv funktioniert. Wir können auch sagen, dass die Bedeutung des Wortes sich ein wenig geändert hat. Im Polnischen verstehen wir unter „wiehajster“ meistens ein technisches Werkzeug oder etwas, das herausragt, an das man z.B. etwas hängen kann.


Eingesandt von: Krysztof Dorobisz, 18 Jahre alt, Krakau, Polen

Kuchen (Chile)

Viele backen, kaufen oder essen einen Kuchen (ausgesprochen kuschen) ohne die Bedeutung dieses Wortes zu kennen.

Im Süden Chiles (und vielleicht im Norden auch) benutzt man oft den Begriff „Kuchen“, um ein Gebäck aus Teig, Creme und Obst zu bezeichnen, im Unterschied zum cake, der keine Creme hat. Kuchen ist ein deutsches Wort und bedeutet Gebäck (aus Mehl, Ei und Zucker) und verweist auf den Teig dieses schmackhaften Lebensmittels.

In Deutschland macht man keinen Unterschied wenn man von Kuchen oder cake spricht, für sie sind beide gleich, weil sie beide aus Mehl, Ei und Zucker sind.


Eingesandt von Claudio Berendsen, Santiago/Chile

sag schon (Ungarisch)

Das Wort bedeutet bei uns „was soll's“. Es ist wörtliches Deutsch und wird in der Umgangssprache, hauptsächlich von jüngeren Leuten verwendet


Eingesandt von Judit Langerné Buchwald, aus Szombathely, Ungarn

fahrvergnuegen (US-Englisch)

Das Wort ist in die USA ausgewandert und bedeutet hier so was wie ein Synonym für deutsche Autos und das Image grenzenloser Freiheit auf der „autobahn“ (Ursprung: eine Werbekampagne für VW)


Eingesandt von Markus Mueller, Bend, Oregon, USA

slepati, šlepati (Serbisch, Bosnisch)

Bedeutet schleppen und ich habe noch andere Wörter, die mit Schleppen zu tun haben. Šlep-slušba, der Schleppdienst und šlep, der Brautschleier, die Schleppe, weil die Braut ihn schleppt.

Das Wort slepati wird in der bosnischen Umgangssprache verwendet. Zum Beispiel, wenn ein Auto abgeschleppt wird. Die Bedeutung: Jemanden anschleppen (jemanden mitbringen) gibt es im Bosnischen nicht. Hier hat es eine andere Bedeutung, die es im Deutschen nicht hat. „Nekome se slepati“ heißt buchstäblich „sich an jemanden heranschleppen“, und übertragen „sich an jemanden heranmachen“. Das Wort ist dann sehr negativ besetzt. Man sagt das z.B., wenn jemand einem andern hinter her ist, dieser aber mit der Person nichts zu tun haben will. In diesem Fall sagt man „slepa mi se.“ Wenn man das sagt, hat man ein Bild vor Augen: Eine Frau geht auf der Straße, und der Mann schleppt sich hinter ihr her.


Eingesandt von Renata Sucu, Petrovaradin, Serbien
Eingesandt von Maida Hasecic, 24 Jahre, Hrasnica/Sarajevo, Bosnien-Herzegowina

Peruckmacher (Russisch)

Bedeutet auf Russisch „Der Friseur“. Früher, unter dem Zaren Peter dem Ersten, trugen die Männer (und Frauen) Perücken. Die Leute, die sie herstellten, nannte man auf Deutsch Perücken-macher. Auch heute noch machen sie die Frisuren für die Damen und Herren.


Eingesandt von Olga Shenina, Perm, Russland

fröbelen (Niederländisch)

Das Wort bedeutet auf Niederländisch „basteln“. Es ist mein zweitliebstes Wort aus dem Deutschen. Nach Van Dale, dem nieder-ländischen Duden, heißt es eher „herumbasteln“,„herum-kramen“, also nicht ernsthaft an einer Sache basteln.

Und woher kommt dieses wunderschöne Verb? Umlaute gibt es ja im Niederländischen gar nicht. Aber bei diesem Wort bleibt das „ö“ erhalten. „Fröbelen“ wurde abgeleitet von Friedrich August Wilhelm Fröbel (1782-1852), dem deutschen Pädagogen, der den Kindergarten schuf! In den Niederlanden gab es daher früher viele „Fröbelscholen“ für die Kleinsten, in denen spielerisch gelernt, gebastelt, halt „gefröbelt“ wurde.


Eingesandt von Wolfgang Schreiber, Deutscher, der in Amsterdam, Niederlande, lebt.

Trinkgeld (Tschechisch)

Als ich vor 12 Jahren in der Prager Kneipe U Dubu saß und meine - sicherlich zu vielen - Pilsener Urquell bezahlen wollte, überlegte ich mir, wie ich dem flotten Kellner klar machen könnte, dass ich ihm zwar 40 Kronen hinlege, er mir aber keine 10 Kronen zurückgeben müsse, denn ich wollte ihm fünf Kronen Trinkgeld geben. Anders als viele Kellner hatte ich bemerkt, dass dieser kein Wort Deutsch sprach. Leider wusste ich umgekehrt auch nicht, was Trinkgeld auf Tschechisch hieß und Münzen hatte ich auch keine bei mir. Ich überlegte mir, erstmal einfach zu zahlen, um zu sehen, ob er pfiffig genug ist, mir Kleingeld zurückzugeben. In der Tat: Er legte mir die 10 Kronen in Münzen auf den Tisch. Ich nahm einige davon und schob sie ihm entgegen. „Trinkgeld?“ fragte er plötzlich, und ich dachte, ich höre nicht recht. Ich nickte und sagte‚ „Ano, to je Trinkgeld!“ Er lächelte und ging zum nächsten Tisch. Ob es das einzige deutsche Wort war, das er kannte, fragte ich mich.

Später fragte ich einen tschechischen Freund ob auch er das Wort 'Trinkgeld' benutze. Dieser meinte: „Was, du kennst‚ Trinkgeld? Benutzt Ihr das im Deutschen auch?“ „Benutzen“, dachte ich mir und erklärte ihm, das es sich dabei wohl um ein deutsches Wort handeln müsse, denn es ist einfach das „Geld“ , damit der Kellner auch etwas „trinken“ kann. Und wieder hatte ich ein Wort gelernt...


Eingesandt von Christian Rell, Deutscher aus Berlin

Blumenkohl (Bahasa Indonesia)

Auch in der indonesischen Sprache hat das Gemüse die selbe Bedeutung wie im Deutschen. Es ist wahrscheinlich, dass der „Blumenkohl“ auf dem Umweg über die niederländischen Kolonialherren- und damen den Weg nach Indonesien gefunden hat. Er wird dort insbesondere auf Java in Höhenlagen angebaut.


Eingesandt von Rüdiger Herzog, Friedland Deutschland

shupuuru (Japanisch)

Es ist in das Japanische eingewandert und bedeutet auf Japanisch „Spur auf dem Schnee beim Skifahren“ also „Skispur“.

Das Wort „shupuuru“ kommt vom deutschen Wort „Spur“. Aber die Verwendung des japanischen Worts ist beschränkt. Im Unterschied zum Deutschen hat das Fremdwort nur eine Bedeutung. Es heißt im Japanischen „Spur auf dem Schnee, die beim Skifahren, bei der Abfahrt entsteht“. Shupuuru könnte bei einer Abfahrt wirklich ein schönes Wort sein. Japaner assoziieren die Aussage „Ich kann gut Ski Fahren“ mit „shupuuru“ sozusagen wegen der Onomatopoesie, der Lautmalerei, die das Zischen im Schnee wiedergibt.


Eingesandt von Yuji Nishitani aus Iigai, Yoshino-cho, Japan

haymatlos (Türkisch)

Es bedeutet auf türkisch „entwurzelt“.

Haymatlos - dieses Wort wird auch heute im Türkischen verwendet. Stammt es von den deutschen Intellektuellen, die während der Nazizeit in der Türkei Zuflucht gesucht haben? Oder brachten es die türkischen Gastarbeiter im Gepäck mit, um das Empfinden der Entwurzelung hier in der Türkei und dort, in Deutschland, treffend zu bezeichnen?


Eingesandt von Anna Dilana, Deutsche, auf der griechischen Insel Rhodos lebend.

lärm (Estnisch)

„Lärm' ist ein Wort, das auf Estnisch das selbe bedeutet wie auf Deutsch. Es ist aber irgendwie anders ausgeprägt, weil die Esten einen speziellen Laut für „ä“ haben. Einige Synonyme für „lärm“ sind „müra“ und „kära“. Ich finde alle drei Wörter ähnlich und sie klingen laut wegen des Buchstabens „r“. Wie das Wort benutzt wird, kommt darauf an, was die Person denkt. Viele halten Rockmusik für Lärm, obwohl es ein Musikgenre wie jedes andere ist. Es gibt auch ein Ensemble, das „Lärm“ heißt, vielleicht auch als Provokation für nicht so rock-freudige Personen. Eigentlich kann jede Form der Musik Lärm sein, wenn die Lautstärke zu hoch ist. Aber in der Stadt ist Lärm überall: Viele Leute und Fahrzeuge, das ist echter Lärm. Man sagt ja auch, dass Lärm immer der Lärm der anderen sei…


Eingesandt von Melissa Saviste, 17 Jahre, aus Maardu, Estland

cel (Polnisch)

Das Wort bedeutet das „Ziel“. Ein sehr wichtiges Wort, das aus der deutschen Sprache mitgebracht wurde. „Das Ziel“ ist ein Punkt, den sich jeder Mensch in seinem Leben setzen soll. Und man soll alles tun, um diesen Punkt zu erreichen.


Eingesandt von Agniezka Komorowska, 13 Jahre alt aus Gliwice, Polen

extraprimagut (Griechisch)

Die Zusammensetzung der drei Wörter in eins bedeutet „eins a“, „erste Sahne“, „ursuper“.

Will ein griechischer Verkäufer, besonders ein Mann mit dem Marktkarren oder Obsthändler seine Ware gegenüber Touristen (gleich welcher Muttersprache) anpreisen, so kann er sich dieses universell verwendbaren Ausdrucks bedienen, der in der Direktheit seiner Aussage kaum zu überbieten ist. Die Wendung ist jedoch nicht nur als griechisches „Universalausländisch“ zu betrachten, quasi als Ausdruck der aktiven Fremdsprachenkenntnisse des griechischen Marktschreiers, so wie die (im Refrain des gleichnamigen Liedes aus den 70er Jahren verewigte) Standardfrage „Do you like, Fräulein, the Greece?“ beim Anbaggern. Der Ausdruck wird im Jargon auch in der Bedeutung „alles in bester Ordnung“ gebraucht. In der geschriebenen Sprache wird der Ausdruck kaum gebraucht. Es lässt sich auch schwer sagen, wann und in welcher Situation die Kumulation dieser drei deutschen Wörter gebildet wurde. Möglich schon in der Besatzungszeit durch deutsche Truppen, möglich aber erst nach der Ausbreitung des Tourismus.

Man sieht, wenn man den Ausruf hört, eher den Obstverkäufer und deutsche und andere Touristen vor sich. Die Phrase bewirkt Schmunzeln, kein Schaudern. Insofern zeugt sie davon, dass die Sprecher beider Sprachen längst in einer Gemeinschaft friedlich und gleichberechtigt zusammen leben und die Chancen haben, voneinander zu lernen und ihre Zukunft gemeinsam zugestalten.


Eingesandt von Sergios Katsikas, Griechischer Staatsbürger und Muttersprachler, Lektor der Österreich-Kooperation am Germanistischen Lehrstuhl in Pécs, Ungarn

luft (Serbisch)

Es bedeutet „Luft, Freizeit, leerer Platz' .

Dieses Wort hat auf Serbisch dieselbe Rechtschreibung, Bedeutung, Aussprache und Betonung wie im Deutschen. Luft kann nur Luft bedeuten, aber in Serbien benutzt man dieses Wort auch in einem anderen Sinn. Hier ist es zum Beispiel üblich, zu sagen „Daj mi lufta!" (also wörtlich „Gib mir Luft!“) . Das sagt man aber, wenn man mehr Freizeit, Zeit oder z.B. eine Pause braucht. Luft kann dazu noch als „unausgefüllter Platz“ (auf einem Papier, in einem Zimmer, usw.) übersetzt werden. Ein sehr beständiges Wort in Serbien ist das Verb „proluftirati“ - es hat die gleiche Bedeutung wie „lüften“. „luftirati“ ist auch ein Verb, das von „Luft' abgeleitet ist. Es kann „lüften' bedeuten, aber häufiger ist es im übertragenen Sinn, also wenn jemand nichts arbeitet, hat es die Bedeutung „faulenzen“. Wenn wir also „on luftira“ sagen, bedeutet das „Er macht nichts, er ist ein Dauerurlauber“ usw. … Das ist so, weil er zuviel „Luft“ hat. (Anmerkung: Dieser fröhliche Faulenzer heißt im deutschen auch „Luftikus“.)


Eingesandt von Sonja Šcepanovic, 19 Jahre alt, aus Serbien

Glockenspiel (Englisch)

Meine Erklärung für dieses Wort lautet: Als ich vor drei Jahren Freunde in New York besucht habe, unterhielten wir uns auch über Kirchen und Orgelmusik. Da ist das Gespräch auf die Kirchenglocken gekommen und das Spiel der Kirchenglocken. Ich war sehr überrascht, ein typisch deutsches Wort im Englischen wieder zu finden. (Anmerkung: „Glockenspiel“ hat ja noch mehrere Bedeutungen, z.B. eine kleine Spieldose, ein spezielles Musikinstrument im Orchester. Aber die Einsenderin denkt offensichtlich an das Spiel der Kirchenglocken, das ja irgendwie typisch für Deutschland ist.)


Eingesandt von Diana Könnecke aus Kempten, Deutschland

Gestalt (Englisch)

Bedeutet so etwas wie „Placebo“.

Dieser merkwürdige Gebrauch des Wortes taucht im Englischen manchmal auf, wie kürzlich z.B. bei einer Demonstration von Mikrofonanwendungen, wo der amerikanische Demonstrant empfahl, einem Saxofonspieler ein „gestaltmikrofon“ hinzustellen, damit der Spieler glaube, seine Tonproduktion werde gut aufgenommen, während das „gestaltmikrofon“ gar nicht eingesteckt wurde. Hingegen war ein anderes, höher montiertes Mikro angeschlossen, mit dem aufgenommen wurde.

Ich fragte den (sehr gebildeten) Demonstrant, was er mit ‚gestaltmikrofon' meine, und er sagte ganz klar, dass das ein Placebo oder „Phantom" sei für „etwas, das nicht eigentlich existiert“. Ich glaube nicht, dass das eine Neubildung ist - es kann sein, dass die (psychologische) Gestalttherapie (wo das Wort unverändert ins Englische integriert wurde) irgendwie missverstanden wurde im englischen Sprachbereich, und als Resultat diese Bedeutung aufkam.


Eingesandt von Lorenz Rychner, Auslandsschweizer, Doppelbürger, Boulder, Colorado, USA

Rollmops (Französisch)

Ich habe mit der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste meinen Zivildienst in Nordfrankreich abgeleistet. Dort war meine Aufgabe, für eine Wohngemeinschaft mit geistig Behinderten zusammen mit Französinnen Essen einzukaufen. Leider war mein Französisch anfangs sehr schlecht und ich konnte mich kaum verständigen. So rauschte das meiste der Sätze wie eine fremde Musik an meinen Ohren vorbei. So erging es mir auch im Supermarkt, bis auf einmal das Wort „Rollmops“ fiel, das ich nun eindeutig kannte. Die Französin blieb trotz meiner Überraschung und Beteuerung dabei, dass es sich um ein französisches Wort handele. Ich konnte sie nicht überzeugen, dass es sich um ein deutsches Wort in ihrer Sprache handeln müsse. Die Rollmöpse haben uns dann trotzdem gut geschmeckt.


Eingesandt von Benedikt Hommel, Recklinghausen, Deutschland

muszáj (Ungarisch)

muszáj (d. h. muss sein) - der Ausdruck stammt aus der deutschen Soldatensprache und wurde im 18. Jahrhundert in der gleichen Bedeutung wie im Deutschen ins Ungarische übernommen. Es kam, wie in der Umgangssprache zum Schwund des auslautenden „n“. Mit der Zeit wurde das Wort auch „literaturfähig“. Kroatien ist der Lieblingsurlaubsort der Ungarn. Wenn jemand mir erzählt, dass er nach Istrien fährt, dann würde ich ihm Porec auf jeden Fall empfehlen: „A poreci kikötot muszáj megnézni!“, also „Den Hafen in Porec muß man sich unbedingt anschauen, er ist wunderschön.“


Réka Lendvai, Abony , Ungarn

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    Buchcover - Ausgewanderte WörterLimbach, Jutta (Hrsg.)
    Ausgewanderte Wörter.
    Ismaning : Hueber, 2006. - 160 S.
    ISBN-10: 3191078916
    ISBN-13: 978-3191078911
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    Ausgewanderte Wörter - Memo-Spiel

    Klicken Sie auf eine Karte und suchen Sie die zweite passende Karte dazu. Es geht darum, die richtig Erklärung für die ausgewanderten Wörter zu finden. Kleiner Tipp: Orientieren Sie sich an der Farbe der Karten!

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