Einmal um den Globus: „Ist die Domain homers-reiseblog.de noch frei?“

Christoph Pfaff beim Paragliding auf der Seiser Alm in Südtirol (Foto: privat)
20. August 2013
Weiße Flecken auf der Landkarte? Mag Christoph Pfaff überhaupt nicht. Pfaff reist rund um die Welt, was er erlebt, hält er auf Vonunterwegs.com fest. Im Interview erklärt der schon mehrfach ausgezeichnete Blogger, warum es harte Arbeit sein kann, am Pool zu liegen. Und trotzdem Spaß macht.
Herr Pfaff, zum Einstieg die klassische Frage für vielbeschäftigte Stets-unterwegs-Menschen wie Sie: Wo erwische ich Sie gerade?
Pfaff: Ich bin zurzeit zu Hause in Kiel, allerdings schon fast wieder beim Kofferpacken. Das nächste Reiseziel ist Island.
Mit Reiseziel verbinden wir für gewöhnlich den Ort, die Destination. Doch was sind für Sie Motivation und Zweck des Reisens?
Reisen war – wie bei vielen anderen Menschen auch – schon immer eine große Leidenschaft von mir. Leider reichten mir als festangestellter Redakteur beim Radio die vereinbarten Urlaubstage zum Verreisen nicht aus, weshalb ich mein Hobby schließlich zum Beruf gemacht habe. Denn: Meine, zugegebenermaßen recht größenwahnsinnige, Motivation ist, irgendwann einmal, wenn mir die letzten grauen Haare vom Kopf fallen, jeden Fleck dieser Erde gesehen zu haben. Und dafür reichen 30 Urlaubstage pro Jahr einfach nicht aus.
Äthiopien: Die wahre Geschichte des ersten Energydrinks der Welt, Mai 2013
Ändert sich mit jedem Fleck, der beruflich dazukommt, auch die Wahrnehmung für Länder und Leute?
Ja, auf jeden Fall. Das liegt schon allein an dem Fakt, dass ich nun noch mehr mit Einheimischen in Kontakt komme. Als Urlaubsreisender passiert das natürlich auch, aber wer Geschichten sucht, muss mit Menschen sprechen. Es ist ganz faszinierend, auf wie viele echte Persönlichkeiten man auf Reisen stößt: Da ist von kreativen Freaks bis zu ehrenamtlichen Helfern wirklich alles dabei.
In der Antike gab es etwa Menschen wie Homer und Vergil, die subjektiv und mit fantastischen Zügen über ihre Reisen und die herrschenden Kriege berichtet haben. Auch Sie erzählen sehr individuell von Ihren Reisen, teils mit gestellten Szenen. Schließt sich da ein Kreis: Sind Homer und Vergil in gewisser Weise Ihre Vorgänger?
Wobei: Mit ihrer aktuellen Domain läuft es ja auch mehr als gut. Dienen die Reisevideos dort allein der netten Unterhaltung oder sollen Sie auch Nutzwert als moderne Reiseführer haben?
Mein vorrangiger Anspruch an die Videoarbeit ist, meine Zuschauer zu unterhalten und ihnen gleichzeitig zu zeigen, wie schön, vielseitig, spannend und oft auch verrückt es auf unserem Planeten ist. Ich hoffe, dass die Filme eine inspirierende Wirkung haben, wohin der eigene nächste Urlaub gehen könnte. Darüber hinaus sind sie allerdings weniger geeignet, um die konkrete Reiseplanung anzuschieben. Wer ein Video sieht und weitere Fragen zu praktischen Tipps oder Ähnlichem hat, kann mich jederzeit anschreiben. Ich bin gerne behilflich.
Im Video von den Seychellen sagen Sie im Scherz, dass Sie „den Leuten nicht weismachen können, dass das, was wir hier tun, noch mit Arbeit zu tun hat“. Nun bietet sich hier die ganz ernsthafte Gelegenheit zu erklären, warum es doch genau das ist: harte Arbeit.
Die Seychellen-Reise ist für dieses Thema ein spitzenmäßiges Beispiel. Denn: Wer denkt, die vier, fünf Szenen am Strand waren in drei Minuten abgedreht, und der Rest des Tages gehörte der entspannten Teint-Gestaltung meiner Haut, irrt gewaltig. Tatsächlich war es so, dass ich in den knapp vier Tagen nicht eine einzige Minute am Strand oder am Pool lag, ohne die Kamera oder zumindest meinen Ideenzettel in der Hand zu haben. Ich will nicht abstreiten, dass das noch immer stark nach Luxusproblemen klingt. Aber wenn der Kopf arbeitet, kann der Körper nun mal keinen Urlaub machen. Egal, in welchem Paradies er sich gerade befindet.
Seychellen: Arbeiten, wo andere Leute Urlaub machen (Echt jetzt!), April 2013
Gibt es denn noch Reisen, bei denen Sie, Ihr Kopf und Ihr Körper wirklich Urlaub machen – ohne Kamera, ohne Notizblock und ohne Recherche?
Es ist über die letzten Jahre schwer geworden, im Urlaub mal wirklich nur Urlaub zu machen, weil das Reisen ja sonst meinen Arbeitsalltag bestimmt. Ich musste erst wieder lernen, dass es okay ist, die Kamera zu Hause zu lassen und einfach mal nur da zu sein. Ob ich dies wirklich verinnerlicht habe, kann ich Ihnen sagen, wenn ich aus Island zurück bin. Denn diese Reise wird tatsächlich reiner Urlaub sein.
Was war bislang für Sie das absolute Highlight – welche Reise, welches Erlebnis?
Schwer zu sagen. Ich möchte keine meiner bisherigen Reisen missen. Manchmal sind es nämlich nur die ganz kleinen Momente, die ein Erlebnis für immer an die Erinnerungswand im Kopf heften. Sei es ein Song, der bei der aufgehenden Sonne über dem australischen Outback gerade zufällig im Radio durch den Nachtbus schallt. Oder ein unerwartetes Gewitter im nachtschwarzen südafrikanischen Busch, das einem die Glut des Lagerfeuers um die Ohren fegt und die spartanischen Zelte des Camps vom Regen fluten lässt. Es sind eben diese nicht planbaren Augenblicke. Und davon gibt es sehr viele – solange man sie nicht erwartet.
Beim Stand Up Paddling, Canyoning und Ballonfahren in Frankreich, Juli 2013
Bislang haben Sie rund 30 Länder und fünf Kontinente besucht. Gibt es denn noch ein Fleckchen Erde, auf das Sie besonders gerne Ihre Füße setzen würden?
Ich bin wirklich kein Freund von Kälte, aber die beiden Polregionen unserer Erde will ich irgendwann doch noch mal in Angriff nehmen. Und als Kontrast, weil ich dort auch noch nicht war: die Südsee rund um Fiji, Tonga und Co.
Die Südsee ist aktuell so fern wie sonst manchmal die Heimat. Wie verändern sich bei den vielen Reisen auch Blick und Gefühl für Schleswig-Holstein?
Mich kriegt hier oben so schnell keiner weg. Kiel ist mein Hafen, in den ich immer wieder zurücksegeln möchte. Auch wenn es mal etwas länger dauert.

Christoph Pfaff im Toten Meer in Jordanien (Foto: privat)
Das Interview führte Matthias Mischo. Wir haben es dem jungen deutsch-tschechischen Online-Magazin „Jádu“ des Goethe-Instituts Prag entnommen.
Christoph Pfaff, 29, ist freier Reisejournalist, Autor und Videoblogger. Er schreibt unter anderen für Die Welt sowie für die Reisemagazine Geo und Merian. Für seinen Reiseblog Vonunterwegs.com wurde er zuletzt als „Bester deutscher Reiseblogger 2013“ von Skyscanner Deutschland ausgezeichnet.
Das Online-Magazin „Jadu“ ist ein Portal junger Autoren aus Deutschland und Tschechien: Mit Reportagen, Berichten und Interviews bringen sie Menschen und Alltag in ihrem Land jeweils dem anderen näher.
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