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Südosteuropa: Ein Bus bringt Demokratie ins Rollen

Copyright: Omnibus für Direkte Demokratie
Eigene Ideen aufs Banner: Die Fahrt nach Athen soll den selbstbestimmten Europäer erwecken (Foto: Omnibus für Direkte Demokratie)

18. November 2009

8000 Kilometer hat der Omnibus für Direkte Demokratie auf seiner Reise zurückgelegt. Los ging es Anfang September in Wiesbaden, dann quer durch Südosteuropa. Jetzt ist der Bus zurückgekommen. Rückblick auf eine abenteuerliche Reise zur Geburtsstätte der Demokratie. Von Julia Amberger

Gebirgspass am Balkan. Ein 30 Jahre alter Bus rattert über Serpentinen, Kurve um Kurve rollt er auf einem schmalen Weg den Berg hinauf. In grünen Buchstaben leuchtet die Aufschrift Omnibus für Direkte Demokratie in Deutschland auf dem weißen Blech. Darüber hängt ein Banner. „Demokratie in Bewegung" steht darauf geschrieben, in zwölf verschiedenen Sprachen. Hin und wieder beginnt das doppelstöckige Fahrzeug zu wanken, die Fenster klappern dann, es zieht. Hier oben, mehr als 2000 Meter über dem Meer, weht ein kühler Wind. Kein Wunder - in Sarajevo, dem nächsten Zwischenstopp des Busses, soll bald der Winter einbrechen. Durchhalten bis zum Ziel: Athen.

Zwölf verschiedene Länder hat der Bus bereist. Auf 20 Marktplätzen hat er geparkt, in Budapest, Sarajevo und zuletzt in Athen die Passanten verdutzt. Vor seinen Türen haben Maxie Zurmühlen und das Omnibus-Team Diskussionen zum Thema Demokratie entfacht, ausgehend vom „erweiterten Kunstbegriff“, der auf den Künstler Joseph Beuys zurückgeht. Er vergleicht die Gesellschaft mit einem Gemälde. Jeder Mensch ist im übertragenen Sinn Künstler, soll mit seinen Mitmenschen Politik gestalten. Für seine erste basisdemokratische Aktion benutzte Beuys bereits einen Bus als Sinnbild für freie und selbstbestimmte Partizipation aller am Gemeinwesen.

1987 hat Johannes Stüttgen, ehemaliger Meisterschüler von Joseph Beuys, seine Mission weitergeführt: Als „fahrende Schule der Souveränität" hat er den Omnibus der direkten Demokratie mitbegründet. Bei der Fahrt nach Griechenland geht es vor allem um Europa, wie wir an einer selbstbestimmten Gesellschaft mitwirken können, welche Verantwortung wir als Teil der Gesellschaft spielen.

Maxie Zurmühlen arbeitet seit sechs Jahren für den Omnibus für Direkte Demokratie. Sie ist bis nach Athen mitgefahren. „Wir haben uns zunächst gefragt, ob Diskussionen über eine selbstbestimmte Gesellschaft in allen Ländern, die wir bereisen, überhaupt umsetzbar sind. Wie man in Ländern, die mit genug anderen Problemen zu kämpfen haben, Demokratie vermitteln kann“, erzählt Maxie Zurmühlen. „Und dann treffen wir gerade dort auf starke Initiativen und Bewegungen, wo wir nie damit gerechnet hätten.“ In Athen haben Schüler über die Idee von Beuys diskutiert. Nachdem vor einem Jahr ein Jugendlicher von Polizeischüssen getötet wurde, sind sie auf die Straße gegangen, haben die Schule besetzt. Dabei haben sie erfahren, dass auch Minderjährige auf die Gesellschaft wirken können. Initiator der Busfahrt ist das Goethe-Institut Athen. Die Institute entlang der Route haben die Reisegruppe unterstützt und die Diskussionsrunden angekündigt. Den Omnibus für Direkte Demokratie in Deutschland gibt es zwar schon länger - doch zum ersten Mal hat er nun auch Grenzen überschritten.

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