Metula, 25. November, 13.53 Uhr
Von Knut Bauer
Das nördlichste Dorf Israels, direkt an der Grenze zum Libanon. Ich stehe auf einer Aussichtsplattform: unter mir das 1.500-Einwohner-Dorf Metula mit seinen Hotels und Pensionen, vor mir die Golan-Höhen und die israelisch-libanesische Grenze, die seit neun Jahren abgeriegelt ist. Seit dem Krieg vor drei Jahren patroullieren UN-Schutztruppen am Grenzstreifen, ich sehe zwei ihrer weißen Panzerwagen durch den Grenzzaun. Hier machen die Israelis aber auch Urlaub, weil die Luft so gut ist und die Aussicht so schön, erzählt mir ein junger Mann aus Tel Aviv, der mit seiner frisch angetrauten Frau in Metula die Flitterwochen verbringt. Ob ihn die abgeriegelte Grenze und die UN-Schutzruppen nicht irritieren? „Nein, Konflikte und Krisen sind Teil unseren Lebens in Israel“, lacht er, „wir kennen es gar nicht anders“.

Journalist Bauer am Grenzzaun zum Libanon (Foto: Knut Bauer)
Für Silvana ist diese Trennung am Grenzstreifen sehr viel schmerzhafter. Die 37-jährige Libanesin ist Leiterin eines gut gehenden Restaurants in Metula. Als wegen der Angriffe der schiitischen Terrororganisation Hisbolla vor neun Jahren die Grenze abgeriegelt worden war, blieb sie mit ihrem Mann und den drei Kindern der Arbeit wegen in Israel. Seit neun Jahren konnte sie nicht mehr in ihre Heimat gehen, seither hat sie ihre Familie nicht mehr gesehen. „Das tut weh“, meint Silvana, und trotzdem ist sie froh, dass seit drei Jahren die Waffen in diesem Konflikt schweigen.
Auch Shlomo, der Landwirt mit den Apfelbäumen am Grenzzaun, ist dankbar für den zwischenzeitlichen Frieden. Doch gleichzeitig legt er die Stirn seines zerfurchteten Gesichts in Falten und sagt: „Früher hatten wir hier jeden Tag Raketen – und keiner weiß, wann es wieder losgeht“.
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